Italien-ReaktionenSteinbrück nennt Berlusconi Clown

Die deutschen Politiker kommentieren Italiens Parlamentswahl. Während sie Probleme für Europa fürchten, versucht der italienische Präsident Napolitano zu beschwichtigen.

Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi  |  © Stefano Rellandini/Reuters

Der Ausgang der Parlamentswahl in Italien wird nach Einschätzung des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück "zu einem größeren Problem in der Eurozone beitragen". Die überraschenden Wahlsieger verspottete Steinbrück mit der Bemerkung, er sei bis zu einem gewissen Grad "entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben". Einer davon sei der Komiker und Spitzenkandidat der Protestbewegung, Beppo Grillo, der andere "definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub".

Obwohl das Mitte-Links-Lager von Pier Luigi Bersani die Wahl zum italienischen Abgeordnetenhaus gewann, schnitten Berlusconi und Grillo überraschend stark ab. Im Senat konnte keiner der politischen Blöcke eine klare Mehrheit gewinnen. Berlusconis konservatives Bündnis und Grillos Bewegung könnten damit Gesetzesvorhaben anderer Lager abblocken. Eine Koalition Bersanis mit dem bisherigen Regierungschef Mario Monti reicht nicht zum Regieren aus.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab sich gelassen. "Italien wird seinen Weg finden", sagte sie. Finanzminister Wolfgang Schäuble zeigte seine Besorgnis deutlicher: Ein Wahlergebnis wie das in Italien sei ein Problem, sagte er im ZDF-heute-journal. "Es liegt nun an den politisch Verantwortlichen in Italien, aus diesem Wahlergebnis das zu machen, was das Land braucht – nämlich eine stabile Regierung, die den erfolgreichen Kurs der Reformen fortsetzt."

Grillo will große Koalition verhindern

Präsident Giorgio Napolitano versuchte hingegen, die Sorgen der internationalen Gemeinschaft zu zerstreuen. Er sei guter Dinge und der Ansicht, die italienischen Wähler hätten eine souveräne Entscheidung getroffen. "Es sind manchmal kalte Zeiten, und für den Präsidenten eines südlichen Landes wird auch das zu meistern sein", sagte Napolitano zum Auftakt eines mehrtägigen Staatsbesuchs in Deutschland. Er sei überzeugt, dass die Regierungsbildung im Interesse des Gemeinwohls gelingen werde.

In den kommenden Wochen wird Napolitano nun mit den Beteiligten über die Situation beraten. Spekuliert wurde über die Möglichkeit einer Übergangsregierung, die einige Reformaufträge erhält, bevor dann neu gewählt wird. Bersani ließ offen, ob er lieber mit Berlusconi oder Grillo über eine Regierungsbildung in Italien sprechen will. Berlusconi schloss eine Vereinbarung mit der Linken nicht aus. Mit Monti will er nicht zusammengehen.

Grillo will eine mögliche große Koalition von Linken und Rechten behindern. "Gegen uns geht es nicht mehr", sagte er im Internet. Ein Bündnis Bersanis mit Berlusconi würde vielleicht noch sieben, acht Monate fortfahren können, Unglück anzurichten.

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Leserkommentare
  1. dass das Denken vor dem Sprechen kommen sollte.

    Besonders als aspirierender Regierungschef.
    Ich teile zwar seine Ansicht, aber als Stammtischpolitiker hat man schließlich Narrenfreiheit.

    39 Leserempfehlungen
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    ein Stammtischpolitiker.

    • Chali
    • 27. Februar 2013 7:49 Uhr

    Man muss ja nun nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen.

    "...1. Steinbrück hat noch immer nicht verstanden,

    dass das Denken vor dem Sprechen kommen sollte..."

    Warum? Hat er etwa nicht recht? Was soll Berlusconi denn sonst sein?

    Dass Steinbrück Berlusconi einen Clown nennt, finde ich sogar noch schmeichelhaft. Für mich ist diese Type einfach nur ein reinrassiger Mafiosi.

    • Suryo
    • 27. Februar 2013 9:42 Uhr

    Manchen kann man's ja nie recht machen.

    Erst ist Steinbrück "abgehoben" und "arrogant", weil er als ehemaliger Finanzminister von Europas stärkster Volkswirtschaft durchaus auch mal Geld für eine Rede verlangen kann, dann sagt er einmal etwas, was in Bezug auf die Griechen von CDU, CSU und BILD schon zig Mal viel hetzerischer und schlimmer gesagt wurde (Steinbrück benennt immerhin nur Berlusconi und nicht "den Italiener" als Clown!), und dann ist er plötzlich prolliger Stammtischpolitiker.

    Es ist wirklich erstaunlich, welchen Haß dieser Mensch bei einigen auslöst. Dann werdet halt glücklich mit einer Kanzlerin ohne Prinzipien! Zwar kann nicht mal der größte Merkelfreund auch nur ein klares Statement von ihr zitieren (zumindest keines, dem nicht kurz darauf das totale Gegenteil folgte), aber offenbar scheinen ja mindestens 40 Prozent der Menschen lieber eingelullt zu werden, als mal die Wahrheit zu hören.

  2. wahlen abschaffen. Die Technokraten aus Brüssel wissen ja besser was für die Italener ist. Im MoMa wurde ja schon Griechenland mit dem Nachkriegs-Deutschland verglichen also die EU Propaganda läuft auf hochtouren.

    Gestern schon bei den Aufnahmen von Merkel und Kerry war nur noch Europa und USA Flagge zu sehen, bei der Weihnachtsansprache war diese Schwarz-Rot-Senf Fahne fast verschwunden.

    Jeder NRWler würde gerne wissen wie Herr Finanzexperte Steinbrück sein wissen bei der WestLB eingebracht hat, oder hat er dort den Pausen-Clown gespielt?

    19 Leserempfehlungen
  3. ein Stammtischpolitiker.

    15 Leserempfehlungen
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    ist Peer noch lange nicht als Stammtischpolitiker

  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke, die Redaktion/ls

    8 Leserempfehlungen
  5. Ich finde es ja schon bedenklich, dass sich deutsche Politiker dazu herablassen, die Politiker eines anderen landes derart abzukanzeln.... wenn das dann auch noch ein möglicher Regierungschef tut, der unter Umständen, noch mit diesen Herren zusammenarbeiten muss, dann ist das nur noch dumm.

    Falls Herr Steinbrück dies lesen sollte (Glaube ich zwar nicht, aber ich sags ihm mal trotzdem): Bitte, erst Gehirn einschalten, es benutzen und dann reden... täte uns mal gut.

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    Insofern müssen wir nicht die Italiener bedauern. Wir sind genug damit beschäftigt, uns für unsere Politiker zu schämen.

    • dacapo
    • 27. Februar 2013 17:53 Uhr

    Was Merkel kann, könnte doch auch der Pausenclown Berlusconi, im Zweifelsfalle mit Steinbrück zusammen arbeiten. Er hat eine völlig schmierige Bemerkung über den Tokus der Frau Merkel gesagt und sie hat sich nicht drum gekümmert.

    Es sind nun mal Clowns, der eine freiwillig, der andere mehr unfreiwillig, desto schlimmer sein Charakter. Zudem ist er noch ein Krimineller. - Schon jetzt lese ich die Antworten -. Keine Sorge, ich bin weg.

    • Chali
    • 27. Februar 2013 7:49 Uhr

    Man muss ja nun nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen.

    6 Leserempfehlungen
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    meistens kommt es schlimmer als man denkt:)

  6. Katzenjammer oder Fastenkur der Eliten ?

    Eine Fastenkur ist gut

    weil sonst der Bauch schon platzen tut

    da sollten sich manche Eliten in den Spiegel schauen

    da würden sie ihren Augen nicht mehr trauen

    wenn sie in Hamburg in die Zeitung „Der Spiegel“ sehen

    wenn sie in die Ukraine gehen

    Und sehen was sie dort gelehrt und gesät ?

    Wie es den Menschen damit geht ?

    Wenn sie im Westen in den Spiegel sehen

    und ins Kino gehen und den Film der „Diktator“ oder „Spieglein Spieglein an der Wand“ sehen ?

    Wenn jetzt beim Großauftrag die Giganten

    so spenden

    wer käme da nicht ins Wanken ?

    Die Medien,und Banken die freuen sich schon

    über des Großauftrags Lohn

    In Form von Inseraten

    Parteiwerbeplakaten

    Und sicheren Kreditraten

    Und wer am meisten hat verpraßt

    der wird von Medien und Banken keinesfalls gehaßt

    Sind einige der Eliten

    nur noch Banditen ?

    Ist die Gier

    denn eine Zier ?

    Da kommt man doch nicht weiter

    auf der Himmelsleiter ?

    Das Bildungsbudget

    wurde aufgefressen

    der Mensch geht nun

    wie ein blindes Huhn

    Auch fragt sich schon ein kluges Kind

    ob Wissenschaft und „freie Medien“ überhaupt nur Werbung sind ?

    Da steht er nun der arme Tor

    und ist so klug als wie zuvor

    muß er nun wie in Athen

    so wie Sokrates stehn

    Ganz wie ein Zwerg

    vorm Schuldenberg

    Aber o Schreck

    er verwendet seinen Intellekt

    Was Grillo in Italien meint

    das hat viele Menschen dort vereint

    Wer lacht hat recht

    bevor er weint

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    Oh, ein Poet.
    Auch mal schön.

    MfG
    FT

    Was das? Wenn da Informationen drin sind, habe ich sie übersehen.

    das Weltgeschehen mal anders dargestellt, toll.....

  7. Und ich nenne Steinbrück einen Heuchler.

    MfG
    FT

    17 Leserempfehlungen
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    Für mich ist Steinbrück eine Marionette von Großfinanz und Großkonzernen - genau wie die deutsche Kanzlerin.

    nicht mehr und nicht weniger. Mit etwas beim Wähler zu punkten, was ohnehin fast offensichtlich und klar ist, finde ich billig. Da ist doch die Mutti etwas schlauer.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Giorgio Napolitano | Angela Merkel | CDU | Mario Monti | Wolfgang Schäuble | Italien
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