In seiner ersten Rede als neuer US-Außenminister hat John Kerry ein Bekenntnis zur globalen Führungsrolle der Vereinigten Staaten abgelegt. "Das nationale Interesse Amerikas, die Welt zu führen, bleibt bestehen", sagte er an der Universität von Virginia in Charlottesville. In den kommenden vier Jahren werde er gemeinsam mit Präsident Barack Obama dafür sorgen, dass Washington international weiter Verantwortung übernimmt. Die USA seien in der Welt "unverzichtbar".

Um die Bedeutung des Engagements zu unterstreichen, erinnerte Kerry an den Marshall-Plan, mit dem Washington den westeuropäischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau geholfen hatte. Der 69-Jährige sprach dabei auch über seine Erfahrungen im Nachkriegs-Berlin. Mitte der fünfziger Jahre hatte er als Kind einige Zeit in der geteilten Stadt verbracht, weil sein Vater dort als Diplomat beim US-Hochkommissariat arbeitete. Die Unterschiede zwischen dem vom Marshall-Plan unterstützten Westen und dem sowjetischen Sektor seien "nicht zu leugnen" gewesen, sagte Kerry.

Dies gelte auch für die Gegenwart, so der Außenminister weiter. "Heute stehen wir an einem ähnlichen Scheideweg." Anstatt sich von der Welt abzuwenden, müssten die USA für ein "zweites großes amerikanisches Jahrhundert" weiter die Grundlagen für Freiheit und Wohlstand legen.

"Kein Rückzug von der Globalisierung"

Erreichen will er dies vor allem mit den Mitteln der Diplomatie und warnte in dem Zusammenhang auch vor Kürzungen im Budget für Entwicklungshilfe. "Heute Diplomaten zu entsenden ist günstiger, als morgen Soldaten zu schicken", sagte Kerry. Die Hilfen für andere Länder seien keine Almosen, sondern "Investitionen in ein starkes Amerika und in eine freie Welt". Angesichts der drohenden harten Einschnitte rief der Außenminister den Kongress auf, im Haushaltsstreit eine "verantwortungsvolle Einigung" zu finden.

Es gebe keinen Rückzug von der Globalisierung, sagte Kerry weiter. "Ich weiß, dass einige von Euch und viele im ganzen Land wünschen, dass die Globalisierung einfach verschwindet." Das sei aber unmöglich. "Kein Politiker, so mächtig er auch sein mag, kann diesen Geist wieder zurück in die Flasche bringen."

Kerry war Anfang Februar als Nachfolger von Hillary Clinton vereidigt worden. Der frühere Senator beginnt am Sonntag seine erste Auslandsreise, die ihn Anfang kommender Woche auch nach Berlin führen wird. Dort stehen neben politischen Gesprächen laut Außenministerium auch "eine Reihe öffentlicher Auftritte" auf dem Programm, darunter ein Meinungsaustausch mit jungen Deutschen über den Stand der transatlantischen Beziehungen. Weitere Stationen der anderthalbwöchigen Reise sind unter anderem Großbritannien, Frankreich, die Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien.