In Kolumbien sind zwei Deutsche von Guerilla-Kämpfern entführt worden. Das hat das Auswärtige Amt bestätigt. Bei den beiden Deutschen handele es sich nach Angaben einer Sprecherin um Rentner, die als Touristen in der Region unterwegs waren. Das Auswärtige Amt und der Krisenstab seien um eine Lösung des Falls bemüht und stünden "mit allen relevanten Stellen" in Verbindung.

Zuvor hatte die Nationale Befreiungsarmee (ELN) mitgeteilt, sie habe in der Umgebung von Catatumbo, etwa 100 Kilometer von der venezolanischen Grenze entfernt, schon vor Wochen zwei Männer "angeblich deutscher Staatsbürgerschaft" gefangen genommen.

Die Guerillakämpfer sehen in ihren Gefangenen nach eigenen Angaben Spione. "In den Wochen, in denen sie festgehalten werden, haben sie ihre Anwesenheit in diesem Gebiet nicht rechtfertigen können, weshalb sie vorerst als Geheimagenten betrachtet werden", teilten sie mit. Als Spione stünden die Gefangenen nicht unter dem Schutz des internationalen Völkerrechts, hieß es von der Guerilla-Gruppe weiter.

Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos forderte die unverzügliche Freilassung der Männer. "Wem könnte es einfallen, dass zwei Deutsche hier in Kolumbien spionierten? Das ist nur eine Ausrede, die niemand mit klarem Verstand akzeptiert", sagte Santos.

Versteck der Entführten angeblich bekannt

Es ist das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass die ELN Ausländer in Kolumbien gefangen genommen hat: Im Januar entführte die Gruppe, die über etwa 2.500 Kämpfer verfügt, einen Kanadier, zwei Peruaner und zwei Kolumbianer, die für ein Bergbauunternehmen im nordkolumbianischen Departement Bolívar arbeiteten.

Präsident Santos sagte, die Sicherheitskräfte wüssten genau, wo diese fünf Entführten gefangen gehalten werden. "Wir bieten ihnen an, das Rote Kreuz (zur Übergabe) hinzuschicken, da wir nicht das Leben der Entführten mit einer Militäraktion aufs Spiel setzen wollen", sagte der Staatschef.

Die ELN-Guerilla handelt nach eigenen Angaben "in Verteidigung der Ressourcen" Kolumbiens. Offenbar will die Gruppe erreichen, dass sie an den Friedensverhandlungen der Regierung mit der Farc-Guerilla teilnehmen kann. Die USA und die Europäische Union sehen in der Nationalen Befreiungsarmee eine Terrororganisation. Sie ist die zweitgrößte Guerilla-Gruppe Kolumbiens.