Fünf Jahre Unabhängigkeit : Kosovo ist als Staat noch Stückwerk

Die Katastrophen-Szenarien haben sich nicht erfüllt. Doch in fünf Jahren Unabhängigkeit ist die Entwicklung im Kosovo auch nicht wirklich vorangekommen.
Kosovo-Unabhängigkeitsmonument in Prishtinë © Armend Nimani/AFP/Getty Images

Kein Weg ist ohne Hindernisse auf der Dauerbaustelle Kosovo. Durch Straßenpfützen und über Parkplatzbrachen geht es zum Regierungsturm von Prishtinë. "Sehr stolz" sei er auf die Arbeit der vergangenen fünf Jahre, beteuert Premier Hashim Thaci in seiner Büroflucht. Die "Herausforderungen", mit denen andere Transformationsstaaten zu kämpfen hätten, seien dem Kosovo nicht erspart geblieben, räumt der Exkommandant der Befreiungsarmee UÇK ein. Doch er ist optimistisch: "Wir werden ein stolzes Mitglied der UN, der Nato und der EU sein. Die Dinge wandeln sich zum Besseren – allmählich."

Die vor fünf Jahren noch knallgelben Stahllettern des Unabhängigkeitsmonuments mit dem Schriftzug "Newborn" – neugeboren – in der Innenstadt von Prishtinë sind inzwischen verblichen. Begleitet von Freudenfeiern und gegen den Willen des Exmutterlands Serbien hatte Europas jüngste Nation am 17. Februar 2008 seine Staatlichkeit erklärt. Die damals begeistert geschwungenen Flaggen mit der Kontur Kosovos sind aus dem Straßenbild verschwunden. Nur Albaniens Doppeladler baumelt von Balkongeländern und Fensterbänken. Viele der zur Staatsgeburt eilig verlegten Billig-Marmorplatten sind geborsten und werden nun wieder ausgewechselt.

Stückwerk ist im neuen Staat einiges geblieben. Katastrophen-Szenarien hätten sich zwar nicht bewahrheitet, sagt der Politologe Ilir Deda. "Doch vor fünf Jahren hätte  niemand gedacht, dass wir heute noch immer kein Mitglied der UN sind, keine Nationalelf haben und in einem Verhandlungsprozess mit Serbien stecken", sagt der Direktor des Kipred-Instituts. Die Identifizierung mit dem "halb anerkannten" Staat habe sich in der Bevölkerung nicht entwickeln können: "Viele haben das Gefühl, dass wir noch immer keine echte Chance erhalten haben."

Ob Uefa, Eurovision oder Europarat – bei fast allen internationalen Organisationen sitzt das Kosovo im Wartesaal. Die Blockadepolitik Serbiens verhinderte, dass sich der von 98 UN-Mitgliedern anerkannte Staatenneuling etablieren konnte. Auf Druck aus Brüssel hat sich Serbien zwar zu einem Dialog über die Normalisierung des Grenzalltags bringen lassen. Doch Belgrad fällt es schwer, die Realität eines unabhängigen Kosovo zu akzeptieren. Nach fünf Jahren sind immerhin die Baracken der Grenzwächter einige Hundert Meter aufeinander zugerückt. "Hier müssen Sie den Ausweis zeigen, bei den anderen den Pass", sagt der serbische Beamte am neuen integrierten Grenzübergang von Merdare und nickt in Richtung seines nahen Kosovo-Kollegen.

"Kein Serbe fühlt sich hier sicher"

Müll pflastert die toten Eisenbahngleise am verfallenen Bahnhof der Serben-Enklave Priluzje. Manchmal rumple noch ein Güterzug ins nahe Elektrizitätswerk, sagt Dejan Popovic. Von seinem Garten weist er auf den mit Unkraut überwucherten Bahndamm. "Dahinter wohnen Albaner, hier ist alles serbisch." Keinesfalls eine problemlose Nachbarschaft: "Kein Serbe fühlt sich sicher. Immer passiert hier irgendwas", sagt Popovic.

Nicht einmal mehr fünf Prozent der Bevölkerung des Kosovo macht die serbische Minderheit aus. Die meisten der knapp 100.000 Kosovo-Serben lebt in Enklaven im Süden, weniger als 40.000 in dem serbisch besiedelten Nordwestzipfel des Landes. Das Horror-Szenario eines serbischen Massenexodus ist ausgeblieben. Dennoch ist die Realität vom multiethnischen Ideal des Ahtisaari-Plans weit entfernt. Im Norden, wo Prishtinë nichts zu melden hat, wehren sich die Serben mit allen Mitteln gegen die Einverleibung in den neuen Staat. Und im Süden fühlen sich die Bewohner der Enklaven eingeschlossen, marginalisiert und verunsichert.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

was mit einer lüge begann..

[...]

zum Thema: wenn der Kosovo sich weiter entwickeln soll, dann muss der Druck der EU auf Serbien steigen. Es kann nicht sein, dass Serbien alle Türen geöffnet werden, und Serbien selbst dem Kosovo mit Sanktionen entgegen kommt.

Es wäre am besten für die kosovarischen Interessen, nicht der EU beizutreten. Man sollte sich militärisch an die USA und Türkei zuwenden, auch wirtschaftlich. Die Schweiz macht es vor.

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au

Das Video wurde von neutralen Kennern enlarvt

Bei allem Respekt gegenüber dem WDR...Dennoch: das es sich um eine "Lüge" handelt ist doch schon lang widerlegt worden... zudem gibt es viele andere Berichte der ARD bzw. des ZDF die sich den wahren Hintergründen des Krieges widmen... auch wenn Peter Struck in die Irre geführt wurde bzw. falsch lag, was ja die Kernbotschaft des Films ist, kann doch niemand ernsthaft anzweifeln, dass die Albaner aus dem Kosovo zu Hundertausenden vertrieben wurden?!! ... ob es dann den Begriff "Hufeisenplan" gibt oder nicht ist doch nicht wichtig, sondern wichtig ist, das die Albaner vertrieben wurden, das Milosevic ein Apratheidsystem seit 1989 installiert hat etc... Die Fachliteratur ist sich da einig...

Quellen: http://www.spiegel.de/pol...
http://www.zeit.de/2009/1...

Bücher und Artikel von Rupert Neudeck (Cap Anamur), Matthias Rüb, Jens Reuter, Meyer Bertold, Herta Müller etc...

Was viele meiner deutschen Landsleute leider nicht wissen:

Daß die Serben die ursprünglichen Bewohner des Kosovo sind und dort bis vor wenigen Jahrzehnten auch noch zahlenmäßig präsent waren. Bis der albanische Nationalismus einen Alltagsterror gegen die Serben entfachte. (Klar, auch die Serben waren keine Engel, aber die serbische Schuld ist ja in den Medien hinlänglich präsent...)
Die Albaner sind im Kosovo dagegen historisch betrachtet Zugewanderte.

Sicher, es liegt einige Jahrhunderte zurück, daß deren Vorfahren aus Albanien einwanderten.

Aber in 50-60 Jahren wird es in Deutschland auch so weit sein, daß die türkische Volksgruppe über ein Jahrhundert lang in D präsent ist, und mit etwas Pech werden sie sich bis dahin nicht assimiliert haben. Wie würden es die Deutschen dann finden, wenn die Nachfahren dieser Einwanderer plötzlich - wegen Unfriedens - ein eigenes, unabhängiges Territorium auf deutschem Boden für sich beanspruchen?

Diese Frage stellen sich die meisten Deutschen nicht bzw. entgegnen entrüstet: “Das ist doch was ganz anderes!” – Nein, ist es nicht. Es kommt der Realität zumindest näher als die im Fernsehen kolportierte Darstellung des Kosovo als eines “für Serben heiligen Landes” und eines archaischen “Stammeskriegs auf dem Balkan”.

Gut, das Kosovo mag für das Serbische Nationalgefühl tatsächlich eine herausragende Bedeutung besitzen. aber entscheidend ist doch: daß es für Serben eben ein ganz selbstverständlicher Teil ihres Landes ist, so wie Niedersachsen für uns ein selbstverständlicher Teil Deutschlands ist.

kosovo war schon immer serbisch

es ist geradezu das Herz des serbentums,historisch.

Und genaus deshalb ist es jetzt zurecht Unabhängig und von Albanern regiert.

Genauso wie Deutschland zurecht nach dem Krieg einen Teil seines Territoriums abgeben musste,als STRAFE für historische Verbrechen.
Auch wenn es vielleicht manchmal die falschen Bürger trifft,diese müssen national entschädigt werden,aber eine Nation gehört bestraft wenn sie Kriege und Aggression ausübt.
Dies muss auch in Zukunft gelten,ein Aggressorstaat der jetzt Kriege beginnt muss dafür auch territorial bestraft werden können,dies kann nicht historisch auf vergangene Jahrhunderte beschränkt bleiben.