Ein Kämpfer der Rebellen liest nahe der libyschen Stadt Misrata eine Zeitung (Archivbild). © Zohra Bensemra/Reuters

Seit Jahrzehnten hatte Sami Zaptia darauf gewartet. Knapp 30 Jahre lang lebte der Libyer in England, "auf der Flucht vor dem Regime von Muammar al-Gaddafi", sagt er. Jetzt, im Alter von 49 Jahren, ist er zurück in seinem Heimatland und will mitreden. Am 17. Februar 2012, dem ersten Jahrestag der Proteste gegen den Diktator, hat Zaptia deshalb den Libya Herald mitgegründet.

Bislang existiert die Zeitung nur im Internet. Doch schon jetzt kann Zaptia im Herald auf Englisch frei über Politik und Alltag berichten. Früher, als Autor für die Tripoli Post, war das anders: "Alles, was ich schrieb, wurde von einem Redakteur zensiert", berichtet Zaptia.

Seit der Revolution 2011 entstanden unzählige neue Medien, zunächst in der Region von Bengasi, dem Rückzugsort der Rebellen, dann im ganzen Land. Zaptia spricht von 500 Zeitungen, Fernsehsendern und Radiostationen, die überwiegend von Bürgerjournalisten betrieben würden.

Das Bedürfnis nach Mitsprache war groß nach den Jahren der Bevormundung durch die offizielle Propaganda. "Mit der Befreiung explodierte die Zahl der Meinungsäußerungen", sagt Zaptia. Das zeigt sich auch politisch. Für die Wahl des Nationalkongresses im Juli 2012 hatten sich über 80 Prozent der Wahlberechtigten registriert, rund 60 Prozent davon gaben ihre Stimme ab. Diktator Gaddafi hatte Forderungen nach Presse- und Meinungsfreiheit Anfang 2011 so abgetan: "Alles, was das Volk braucht, ist Essen und Trinken."

Der Branche mangelt es an Erfahrung

Angesichts des Umbruchs verbesserte sich Libyen im kürzlich veröffentlichten Ranking der Pressefreiheit um 23 Plätze und steht damit vor den Nachbarländern Tunesien und Ägypten. Doch neue Zeitungen allein sind keine Garantie für die Akzeptanz eines vielfältigen und kritischen Journalismus. Die Organisation Reporter ohne Grenzen, die die Rangliste erstellt hat, warnt, dass die weitere politische Entwicklung offen sei und Rang 131 immer noch Anlass zur Kritik gebe.

Sami Zaptia kennt die Probleme: "Es gibt keine Geschichte, keine Kultur, keine Tradition eines guten, starken Journalismus. Die ganze Branche braucht Training, Know-how und vor allem Erfahrung." Said Laswad, Chefredakteur der Tripoli Post, äußerte sich jüngst ähnlich: "Einige Journalisten wissen noch gar nicht, was sie mit der Redefreiheit anfangen sollen nach so vielen Jahren der Unterdrückung."