Militär-EinsatzBundeswehr schickt Sanitätssoldaten nach Mali

Verteidigungsminister de Maizière hat ein weiteres Mal Hilfen für den Kampf gegen Islamisten in Mali zugesagt. Jetzt soll die Bundeswehr auch Sanitäter entsenden.

Deutschland weitet seine Militärhilfe für Mali erneut aus: 40 Sanitätssoldaten sollen in das westafrikanische Krisenland geschickt werden. Zugesagt waren bislang Militärausbilder und die Entsendung von Transport- und Tankflugzeugen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière sagte dem Tagesspiegel, auf einer internationalen Konferenz in Brüssel habe Deutschland der Entsendung zugestimmt, "nachdem sich kein anderer Mitgliedsstaat dazu bereit erklärt hat". Die Zahl der deutschen Soldaten im Mali-Einsatz könnte damit auf mehr als 150 steigen.

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Die Bundeswehr ist bereits mit Transall-Maschinen für den Truppentransport in Mali im Einsatz. Dafür sind bis zu 75 Soldaten vorgesehen. Zudem hat Deutschland Tankflugzeuge, Ausrüstung und 15 Millionen Euro für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen zugesagt. Hinzu kommen rund 40 Pioniere, die ab Anfang März an einer EU-Ausbildungsmission teilnehmen sollen.

Die Ärzte und Sanitäter sollen in Mali ein Feldlazarett unterhalten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist aber noch offen, wo genau und wann sie zum Einsatz kommen sollen.

Mali hat um weitere Hilfe gebeten

Zu Beginn der Konferenz hatte Mali um weitere Hilfe der internationalen Gemeinschaft gebeten. Zugleich warnten Politiker vor der Annahme, nach militärischen Erfolgen französischer Soldaten gegen islamische Extremisten sei die Krise vorbei. Gräueltaten seitens der malischen Regierungstruppen in zurückeroberten Städten wurden verurteilt. EU-Diplomaten sagten, das Land werde auch in der Zukunft nicht nur militärisch, sondern vor allem bei der Suche nach einer politischen Lösung unterstützt.

Die malische Übergangsregierung plant für Juli Parlamentswahlen. Die EU hat bereits ihre Unterstützung zugesagt. Die Wahl soll zu einer Regierung führen, die auch in dem von Arabern und Tuareg bewohnten Norden des Landes akzeptiert wird. Im März 2012 hatte das Militär Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt.

1.800 Soldaten aus dem Tschad erreichen Kidal

Die Kämpfe gingen auch am Dienstag weiter. Nach mehrtägigem Bombardement durch die französische Luftwaffe marschierten 1.800 Soldaten aus dem Tschad in die nordmalische ehemalige Islamisten-Hochburg Kidal ein. Die Franzosen seien aber weiterhin für die Kontrolle des Flughafens von Kidal zuständig, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit.

Frankreich kämpft seit dem 11. Januar im Norden Malis gegen Islamisten. Derzeit sind dort fast 4.000 französische Soldaten stationiert. Truppen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft (Ecowas) sollen sie bald ablösen. Eine EU-Mission soll Soldaten der malischen Armee ausbilden, sich aber nicht an Kampfhandlungen beteiligen. 16 EU-Staaten sowie Norwegen werden sich an diesem Einsatz beteiligen, sagten Diplomaten bei dem Treffen in Brüssel.
 

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Leserkommentare
  1. "Bundeswehr schickt Sanitätssoldaten nach Mali"
    Und wann kommen die mit der Knarre? Wir sind einfach nicht in der Lage, uns konsequent raus zu halten.

    5 Leserempfehlungen
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    • kai1
    • 06. Februar 2013 6:58 Uhr

    So paradox das in einem Wüstengebiet auch klingt: "konsequent heraushalten" bedeutete den Kopf in den Sand zu stecken und die Augen vor einer Bedrohung zu verschließen, die sich 2 Flugstunden von Europa entfernt entwickelt und die - unbehelligt gelassen - kaum vor den "Grenzen" Europas haltmachen wird. Neben den immer wieder mit hochmoralischer Attitüde verurteilten wirtschaftlichen Interessen NICHT nur Frankreichs gibt es in diesem Bereich vitale Sicherheitspolitische Interessen ganz Europas.
    Das Niveau der Argumente der Interventionsgegner erinnert immer wieder an das Verhalten Versteck spielender Kinder: sie halten sich die Augen zu und bilden sich ein, der "Fänger" sehe sie dann nicht.

    Was die Entsendung von Sanitätern angeht (die dann ebenso wie die Ausbilder von "richtigen" Soldaten - sprich: französischen Kampftruppen - beschützt werden müssen) ist das wieder so eine Entscheidung, die sicherheitspolitisch weder Fisch noch Fleisch ist. NUR in diesem Sinne ist die Entsendung nicht konsequent, nicht in dem Sinne, dass man sich nicht ganz heraushält.
    Dem französischen Verbündeten gaukelt man damit und mit logistischer Unterstützung Solidarität vor, dem milden Kritiker an der Heimatfront durch die Entsendung "guter" Soldaten (= Leben rettender Sanitäter statt "mordender" Soldaten) den humanitären und "friedliebenden" Charakter deutscher Sicherheitspolitik. DAS ist Scheinmoral, nicht die Entsendung etwa von Fallschirmjägern als zusätzliche Komponente.

    Als direkter Verbündeter besteht meines Erachtens nach definitiv Unterstützungspflicht, aber Pflichtbewusstsein ist einigen Menschen wohl grundlegend fremd. Die Bundeswehr wird wohl nur im Extremfall auch Kampftruppen nach Mali entsenden, derzeit sieht aber nichts danach aus. Was ist also falsch an gut ausgebildeten Sanitätssoldaten? Normale Rettungssanitäter haben wohl kaum ausreichend Erfahrung mit Schusswunden und "Gefechtsatmosphäre". Gegen medizinische Hilfe spricht doch absolut nichts.

    • Skeiron
    • 05. Februar 2013 19:11 Uhr

    Medizinische Versorgung ist natürlich richtig.

    4 Leserempfehlungen
  2. Sanis alleine nach Mali?
    Da muss mindestens eine Coy. Fallschirmjäger mit, um auf die aufzupassen.

    Es ist zwar eher unwahrscheinlich, aber bei einem Hit and Run Einsätz könnten die sonst einies abkriegen.

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  3. mit einem Mandat?

    3 Leserempfehlungen
  4. Entweder wir finden uns damit ab, dass wir (mittlerweile) eine Berufsarmee haben, deren Handwerk der Krieg ist, oder wir integrieren sie besser in das THW und malen auch die Panzer blau an. Das wäre ehrlicher, als stets diese peinliche Schiene zu fahren, immer nur häppchenweise logistische oder medizinische Hilfe zuzugestehen und dann darüber zu diskutieren, wie genau man wem jetzt helfen darf.

    Wozu wurden bitteschön hunderte Eurofighter für Zigmilliarden € angeschafft? Wieso kaufen wir den teuersten und schlagkräftigsten Panzer? Es werden in Deutschland ja nicht einmal Paraden damit abgehalten. Diese Schlagkraft muss doch zu irgendwas gut sein, oder?

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    • Skeiron
    • 05. Februar 2013 23:34 Uhr

    Eigentlich wurden nur 140 Eurofighter angeschafft, die Anzahl der Kampfflugzeuge ist damit in Zukunft mit 225 Kampfflugzeugen (140 Typhoons + 85 Tornados) drastisch geringer als dies in den letzten Jahrzehnten der Fall war.

    Letztendlich hat die Luftwaffe dann nur noch knapp die Hälfte der Kampfflugzeuge die sie 2003 noch hatte, damals waren es noch 453 Stück und davor waren es natürlich noch deutlich mehr.

    Was Kampfpanzer anbetrifft ist der Abbau noch extremer, der Leopard 1 wurde ja komplett ausgemustert und vom Leopard 2 verbleiben nur 225 Panzer im aktiven Dienst.
    Es waren mal 4500 aktive Panzer (circa. Hälfte Leopard 1 und Leopard 2), so dass nur noch 5% der Panzer verbleiben.

    Bei der Marine ist das Bild ja auch nicht groß anders, von den Schnellbooten (8 von 40), Minenjagdbooten (18 von 70) usw. sind ja auch nur noch ein Bruchteil übrig geblieben.

    Angesichts der Zahlen ist es witzig dass ständig von Aufrüstung gesprochen wird wenn es darum geht ein paar neue Waffensysteme anzuschaffen.

    Realistisch betrachtet rüstet die Bundeswehr permanent ab.

  5. da muß man natürlich unsere Grenzen und die der Nato sichern.

    Aber ein netter Touch mit den Sanitätssoldaten (40 Sanitäter mit minderer medizinischer Ausbildung sind bestimmt genau das, was Frankreich fehlt - und nicht etwa eine KSK-Kompanie oder dergleichen...).

    Eine Leserempfehlung
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    • marconi
    • 06. Februar 2013 17:42 Uhr

    Waren Sie Sanitätssoldat? Meine Erfahrungen bestätigen Ihre Unterstellung nicht.

    • Skeiron
    • 05. Februar 2013 23:34 Uhr

    Eigentlich wurden nur 140 Eurofighter angeschafft, die Anzahl der Kampfflugzeuge ist damit in Zukunft mit 225 Kampfflugzeugen (140 Typhoons + 85 Tornados) drastisch geringer als dies in den letzten Jahrzehnten der Fall war.

    Letztendlich hat die Luftwaffe dann nur noch knapp die Hälfte der Kampfflugzeuge die sie 2003 noch hatte, damals waren es noch 453 Stück und davor waren es natürlich noch deutlich mehr.

    Was Kampfpanzer anbetrifft ist der Abbau noch extremer, der Leopard 1 wurde ja komplett ausgemustert und vom Leopard 2 verbleiben nur 225 Panzer im aktiven Dienst.
    Es waren mal 4500 aktive Panzer (circa. Hälfte Leopard 1 und Leopard 2), so dass nur noch 5% der Panzer verbleiben.

    Bei der Marine ist das Bild ja auch nicht groß anders, von den Schnellbooten (8 von 40), Minenjagdbooten (18 von 70) usw. sind ja auch nur noch ein Bruchteil übrig geblieben.

    Angesichts der Zahlen ist es witzig dass ständig von Aufrüstung gesprochen wird wenn es darum geht ein paar neue Waffensysteme anzuschaffen.

    Realistisch betrachtet rüstet die Bundeswehr permanent ab.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vermisse Ehrlichkeit"
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    Vielen Dank für die Zahlen, die waren mir nicht präsent. Ich wollte mit dem Kommentar nicht ausdrücken, dass die Bundeswehr stets vergrößert wird, dass das Gegenteil der Fall ist weiß ich schon.

    Was mich wundert ist, dass all die neuen Waffensysteme ja vorhanden sind, aber nicht mit Selbstverständlichkeit eingesetzt werden. Jetzt wird die alte Transall nach Mali geschickt und 40 Sanitäter hinterher. Zu Anfang der Afghanistan-Mission war man auch noch ganz stolz, dass man gar keine Kampfausrüstung brauchte, aber viele Mädchenschulen einweihen konnte.

    Dabei geht es in Mali gerade darum, die Islamisten aus ihren Stellungen zu vertreiben. In Libyen wurde gar eine richtige Armee bekämpft. Zwei wunderbare Gelegenheiten, das Material mal für das zu benutzen, wofür es gebaut und angeschafft wurde. Stattdessen hält man sich zurück und gestattet Ländern in Not nur auf Anfrage 50 Jahre alte Transportmaschinen. Also wozu dann überhaupt solche Waffen kaufen? Ist doch Geldverschwendung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, sk
  • Schlagworte Bundeswehr | Europäische Union | Verteidigungsministerium | Mali | Militär | Diplomat
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