KriegMalische Armeeeinheiten beschießen sich gegenseitig

Innerhalb des malischen Militärs ist es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung gekommen: Armeeeinheiten beschossen in der Hauptstadt Bamako ein Lager von Elitesoldaten.

Soldaten der malischen Armee (Archivbild)

Soldaten der malischen Armee (Archivbild)  |  © Eric Fefferberg/AFP/Getty Images

Bei einem Gefecht zwischen rivalisierenden malischen Armeeeinheiten in der Hauptstadt Bamako sind mehrere Menschen verletzt worden. Wie aus Militärkreisen und von Augenzeugen verlautete, wurde ein Lager von Elitesoldaten von anderen Einheiten der malischen Armee angegriffen.

Schwerbewaffnete feuerten Schüsse ab, sagte ein Militär, der sich auf dem Camp befand. Die angegriffenen Elitesoldaten sollen dem gestürzten Staatschef Amadou Toumani Touré nahestehen.

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Bereits im vergangenen Jahr gab es schwere Kämpfe zwischen den sogenannten "grünen Mützen", den Anhängern des Putschistenführers Amadou Sanogo und den "roten Mützen", Fallschirmjägereinheiten aus der Zeit von Präsident Touré. Touré war im März 2012 bei einem Staatsstreich gestürzt worden.

Truppen erreichen malische Stadt nahe der algerischen Grenze

Im Norden Malis geht die Militärintervention gegen Islamisten voran. Französische und tschadische Soldaten erreichten die strategisch wichtige Stadt Tessalit. Es ist die letzte von bewaffneten Islamisten gehaltene Ortschaft im Nordosten Malis. Die Truppen hätten die Kontrolle über den Flughafen übernommen, sagte ein Vertreter der malischen Sicherheitsbehörden.

Die Soldaten seien "aus der Luft und auf dem Boden" in der Stadt eingetroffen, die weniger als 90 Kilometer von der Grenze zu Algerien entfernt ist. Am Donnerstagabend bereits waren die Truppen in die Stadt Aguelhok vorgerückt. Die Soldaten "patrouillieren jetzt in Aguelhok", sagte ein Mitglied des malischen Generalstabs. Ein Vertreter der Region Kidal, zu der die Stadt gehört, bestätigte die Angaben.

Die Gegend um die beiden Ortschaften war in den vergangenen Tagen immer wieder von französischen Kampfflugzeugen bombardiert worden. Ziel seien Materiallager und Ausbildungscamps der Islamisten gewesen, sagte der Sprecher des französischen Generalstabs.

Die beiden Gemeinden liegen im Ifoghas-Gebirge, ein zum Teil unwegsames Gebiet mit vielen Höhlen. Dorthin haben sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen viele islamistische Kämpfer und ihre Anführer zurückgezogen.

Frankreich hatte am 11. Januar militärisch in Mali eingegriffen, um den weiteren Vormarsch der Islamisten Richtung Süden zu stoppen, die seit April 2012 den Norden des Landes kontrollierten. Nach den bisherigen Planungen sollen Truppen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas die Franzosen bald ablösen.

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Leserkommentare
  1. ...keine Lust hat dort mitzuspielen.

    Unter anderem wegen sowas.

    Unsere Politiker hindert das natürlich wesentlich weniger....

    7 Leserempfehlungen
    • Sikasuu
    • 08. Februar 2013 12:12 Uhr

    Frankreich kündigt Mali-Abzug ab März an. Wochen nach Beginn des Mali-Einsatzes gibt sich Außenminister Fabius zufrieden. Der Abzug sei eine Sache von Monaten,
    #######
    Ob das Wahrnehmung und Wirklichkeit ein wenig voneinander abweichen?
    .
    Fragt
    Sikasuu.

    Eine Leserempfehlung
    • Plupps
    • 08. Februar 2013 12:28 Uhr

    Böse Islamisten, eine französische Intervention und eine gewogene Presse, machen aus Mali leider keinen vorbildlichen Staat. Mail war sicher nie eine hammerharte Diktatur - eher eine Mischung aus korrupter Kleptokratie und einem Nicht-Staatswesen. Das wird sich durch die Hilfe nicht verbessern können.

    Mehr Geld bedeutet meist nur Mehr Korruption

    6 Leserempfehlungen
  2. Wenn man die Wahl hat, durch militärisches Eingreifen die Politik eines Landes zu beeinflussen, gilt es abzuwägen, welche Art von Regierung dem eingreifenden Land und auch der lokalen Bevölkerung lieber ist: eine mehr oder weniger korrupte, aber einigermaßen demokratische Regierung oder vermutlich nicht viel weniger korrupte extremistische Tyrannen.

    Der Spott antimilitaristischer Zyniker zeugt weder von Verantwortungsbewusstsein, noch von Mitgefühl gegenüber einer von Extremisten geknechteten Bevölkerung.

    8 Leserempfehlungen
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    • Plupps
    • 08. Februar 2013 13:14 Uhr

    Ich glaube nicht dass es Spott ist, darauf hinzuweisen, dass Regierung und Staat in Mali etwas anders darstellen als in Europa.

    Und wenn sich Einheiten sich schon jetzt gegenseitig beschießen, wie sollen die ohne Ausländer den Kampf gegen Aufständische gewinnen?

    Und ist es Spott anzunehmen, dass in einem korrupten Staat wie Mali miltärische Ausrüstung wohl nur zum Teil bei der kämpfenden Truppe ankommt, der Rest aber verschwindet. Oder ist das nict Realismus?

    Wie dem auch sei: nach Abzug der Franzosen bleiben nur die Truppen aus dem Tschad, die über Kampfkraft verfügen. Und denen Experten zutrauen echte Gefechte einzugehen. Leider ist der Tschad alles andere als eine Hochburg der Demokratie.

  3. Die französisch-tschadische Allianz ist mir ein echtes Rätsel. Laut dem Demokratieindex des Economist wird der Tschad hinsichtlich seiner Defizite in Sachen Demokratie nur noch von Nordkorea überboten.

    2 Leserempfehlungen
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    ... bei mir auch zu sehr viel Verwunderung geführt.

    Klingt irgendwie ein wenig nach der "Koalition der Willigen" im 2ten Irakkrieg, da waren Länder dabei, die ich bis dahin nichtmal kannte.

    • Plupps
    • 08. Februar 2013 13:14 Uhr

    Ich glaube nicht dass es Spott ist, darauf hinzuweisen, dass Regierung und Staat in Mali etwas anders darstellen als in Europa.

    Und wenn sich Einheiten sich schon jetzt gegenseitig beschießen, wie sollen die ohne Ausländer den Kampf gegen Aufständische gewinnen?

    Und ist es Spott anzunehmen, dass in einem korrupten Staat wie Mali miltärische Ausrüstung wohl nur zum Teil bei der kämpfenden Truppe ankommt, der Rest aber verschwindet. Oder ist das nict Realismus?

    Wie dem auch sei: nach Abzug der Franzosen bleiben nur die Truppen aus dem Tschad, die über Kampfkraft verfügen. Und denen Experten zutrauen echte Gefechte einzugehen. Leider ist der Tschad alles andere als eine Hochburg der Demokratie.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Abwägen"
  4. ... bei mir auch zu sehr viel Verwunderung geführt.

    Klingt irgendwie ein wenig nach der "Koalition der Willigen" im 2ten Irakkrieg, da waren Länder dabei, die ich bis dahin nichtmal kannte.

  5. Da ist sie, die weite, böse Welt. Jahrzehntelang hat mich sich ihr verschlossen, hat die USA die Schmutzarbeit erledigen lassen, lass doch den Ami sich mit korrupten Staaten rumschlagen. Staaten mit vollkommen anderen Rechts- und Lebenseinstellungen, bevölkert und verwaltet von Menschen ohne auch nur dem Ansatz von deutschem Pflichtbewustsein und Recht und Ordnung. Und wenn was schief läuft konnte der Deutsche immer gut mit dem Finger auf ihn zeigen, und doch von den Ergebnissen profitieren. Er war nämlich der einzige, der dort überall deutsches Pflichtbewustsein und Rechtsschaffenheit unterstellt, wahrscheinlich ein Ergebniss einer moralischen Arroganz.

    Und nun? Man stellt mit Erschrecken fest, dass die Welt nicht in schwarz und weiß eingeteilt ist. Hier gibt es nicht den guten, zutiefst rechtsschaffenden Guten und den tief schlechten, Drogen handelnden und Kinder fressenden Bösen.
    Es gibt lediglich Interessen, und in dieser Zeit hat Deutschland sich auch noch entschlossen selber aktiv werden zu müssen.

    Tja, nur der Bürger ist noch etwas verschrocken, er sieht das Land der Feen und Einhörner als Luftschloss zerbrechen.

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    Das hier ist vollkommen korrekt:
    "Man stellt mit Erschrecken fest, dass die Welt nicht in schwarz und weiß eingeteilt ist. Hier gibt es nicht den guten, zutiefst rechtsschaffenden Guten und den tief schlechten, Drogen handelnden und Kinder fressenden Bösen. Es gibt lediglich Interessen"

    Un bei Interessen muss man kühl abwägen ob man die anderer Leute teilt und ob es das Geld wert ist sie zu verfolgen.

    Krieg ist DEUTLICH teuer als eine gut eingschliffene Drogenabhängigkeit, da muß das Interesse groß sein und man muß sich der Wirkung sehr sicher sein, bevor man den Krieg benutzt, um dieses Interesse zu verfolgen.

    Terroristen sind minderes Ärgernis auf dieser Skala, selbst die Toten von 9/11 sind volkswirtschaftlich fast bedeutungslos, und das war ein singuläres Ereignis !
    In Europa fällt die Bedeutung noch weiter ab und in Deutschland ist Terrorismus eher ein mediales als ein reales Ärgernis.

    Gegen sowas Militär einzusetzen (wo ein Kampfsoldat per Jahr ca 500.000$ kostet) ist schon heftig ineffizient.

    • Erkos
    • 08. Februar 2013 14:27 Uhr

    man könnte, wäre es nicht so traurig, natürlich darüber lachen, dass die schlimmsten Regime, mit denen sich die Amis herumgeschlagen haben, aus Staatsführungen oder Milizen hervorgegangen sind, die die USA vorher unterstützt, etabliert und mit Waffen ausgerüstet hatten.
    Ein Schelm, wer Arges dabei denkt und dann auch noch den Profit der Rüstungsindustrie bedenkt....

    Dass waehre die angebrachte Frage,man Unterstellt den USA immer(Nun heut zuTage nicht mehr so oft,auch die US-Buerger hinterfragen zunehmen die Motive)edle Motive,die bei genauem hinsehen so Edel nicht sind,meist eigen Intresse, wozu dann Regierungen die sie selbst installiert haben Verteufelt werden,um einen Vorwand zu haben.

    Demokratie ist,was es aus amerikanische sicht--Sprich Intressen-- Ist........

    des Krieges der im Tschad seit 1965 "eigentlich ununterbrochen" http://de.wikipedia.org/w... andauert - meist mit mehr oder weniger offener französischer Beteiligung, während der 70er und 80er meist im Tschad selbst als Krieg der Franzosen gegen Gaddhafi, inzwischen nach Norden verlagert und hoffentlich nicht demnächst in Algerien.
    Zu ihrem Beitrag: Bis 1989 fand dieser Krieg mit deutscher Beteiligung in Form von NVA-Beratern und Rüstungsexporten der DDR an Gaddhafi statt - vielleicht versöhnt sie das mit "dem (leider so wenig kriegslüsternen) Deutschen"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, rav
  • Schlagworte Krieg | Militär | Flughafen | Mali | Soldat | Stadt
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