GaoIslamisten setzen im Norden Malis auf Guerillataktik

Malische und französische Truppen haben die Städte im Norden Malis befreit – nun holen die Islamisten zum Gegenschlag aus: mit Selbstmordattentaten auf die Stadt Gao.

Französische Soldaten patrouillieren nach einem Selbstmordattentat in der nordmalischen Stadt Gao.

Französische Soldaten patrouillieren nach einem Selbstmordattentat in der nordmalischen Stadt Gao.  |  © Pascal Guyot/AFP/Getty Images

Islamistische Rebellen versuchen mit aller Gewalt ihre einstige Hochburg Gao im Norden des Landes zurückzuerobern. Wie malische Militärkreise mitteilten, lieferten sich Regierungstruppen Gefechte mit der islamistischen Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao). Zumindest das Zentrum Gaos ist nach Angaben eines Sprechers des französischen Militärs am Abend wieder unter Kontrolle der malischen Streitkräfte gewesen. Die Franzosen hätten die malische Armee unterstützt, sich am Abend dann auf den örtlichen Flughafen zurückgezogen.

Stunden zuvor hatte sich ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollpunkt im Norden von Gao in die Luft gesprengt. Zu dem Anschlag hat sich die Mujao bekannt. Über den Ablauf des Attentats gab es widersprüchliche Angaben. Während Augenzeugen berichteten, der Täter sei in der Nacht zum Sonntag erschossen worden, noch bevor er seinen Sprengsatz habe zünden können, berichtete der französische Sender RFI unter Berufung auf Militärangaben, er habe sich in die Luft gesprengt. Neben dem Attentäter habe es keine weiteren Opfer gegeben, hieß es.

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Es war bereits der zweite Vorfall mit einem Selbstmordattentäter seit Beginn der französischen Militärintervention am 11. Februar. Erst am Freitag hatte sich in Gao ein 16 Jahre alter Attentäter an einem Kontrollpunkt in die Luft gesprengt und mehrere Menschen verletzt. Dafür hatte ebenfalls die Gruppe Mujao die Verantwortung übernommen. Am Samstag wurden in Gao zwei mutmaßliche Selbstmordattentäter gefasst, die mit Sprengstoffgürteln auf Eseln unterwegs waren.

Islamisten ziehen sich in die Wüste zurück

Französische und malische Offiziere befürchten, dass die Islamisten eine offene Konfrontation meiden und verstärkt auf eine Guerillataktik setzen. Nach der Einnahme der großen Städte in Nordmali durch französische und malische Soldaten haben sich die Islamisten Medienberichten zufolge in unwegsames Gebirgsgelände in der Sahara zurückgezogen, um sich neu zu gruppieren. Schätzungen zufolge handelt es sich um mehrere Tausend Menschen.

Die Vorfälle am Wochenende zeigten, wie schwierig es für die malischen und französischen Soldaten ist, für Sicherheit in den erst kürzlich befreiten Zentren im Norden Malis zu sorgen. Islamisten hatten die Region fast ein Jahr lang unter ihrer Kontrolle. Die malische Armee gilt als schwach und nicht in der Lage, alleine zurückeroberte Gebiete zu halten. Die Entsendung einer afrikanischen Verstärkungstruppe kommt unterdessen nur schleppend in Gang.

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Leserkommentare
  1. Ich weiss nicht, warum im Titel von Guerillataktik gesprochen wird und dies im Untertitel scheinbar mit dem Begriff "Selbstmordattentaten" konkretisiert wird. Beides hat miteinander nichts zu tun.Ich würde letzteres eher als Form des Terrorismus bezeichnen.
    Einigen mag dieser Unterschied als belanglos erscheinen; dem ist jedoch mitnichten der Fall. Die deutschen Medien täten gut daran, in ihrer Berichterstattung genauer zu differenzieren.

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    • Gariban
    • 11. Februar 2013 10:36 Uhr

    wieso sollten deutsche Medien denn bitte genauer differenzieren? Welchen großen Unterschied macht es denn, wenn die Rebellen Selbstmordanschläge in den Zermürbungskrieg, auch bekannt als Guerillakrieg, einstreuen? Terrorismus liegt schließlih im Auge des Betrachters...

    Terrorismus kann ein Einzelner verüben, falls er KEIN Suizidattentäter ist! Anderenfalls wäre es ein erweiterter Suizid oder ein Amoklauf. Das Beispiel für Einzeltäter sind Sniper, die mehrfach, willkürlich an verschieden Orten töten. Sie können ohne fremde Unterstützung überleben.

    Guerillas sind irreguläre Truppen, die sich strategisch organisieren, aber nicht als Soldaten auftreten. In der Regel kämpfen sie im asymmetrischen Krieg gegen einen überlegenen Feind. Kleine, unterlegene Gruppen treffen mit gezielten Aktionen den Gegner und weichen schnellstens zurück, um Verluste zu vermeiden. Man nennt sie auch Freischärler oder Partisanen. Bekanntestes Beispiel ist Ché Guevara. Al Kaida und Taliban oder die RAF, als Stadtguerilla, kann man dazu zählen.

    Das Ziel der Guerilla ist nicht, den Feind zu besiegen, sondern ihn zu zermürben. Dazu brauchen sie ein sicheres, unübersichtliches Rückzugsgebiet. Mittelfristig brauchen sie die Unterstützung der Bevölkerung, um den Nachschub sicherzustellen.

    Um nicht wie im Algerienkrieg Kriegsverbrechen zu begehen, muss eine POLITISCHE ISOLATION der Islamisten erreicht werden. In Mali sind die Städte befreit. Die Islamisten haben sich in die Berge zurückgezogen, die von Wüste umgeben sind. Es gibt Regionen der Guerilla und des Staates. Die Zwischenräume können überwacht werden. Wenn Guerillas nicht in die Städte drängen, kann man verhandeln.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla

    Wen interessiert es den, ob er von einem Selbstmordattentäter, einem Schuss, einer Granate, einer Phosphor-Bombe, oder mit Uranmunition umgebracht wird - das Resultat bleibt das selbe, nämlich der Tod.

    Das eine ist in meinen Augen nicht mehr verachtungswürdig als das andere, sondern nur Mittel zum Zweck. Es gibt vielleicht noch eine verstärke psychologische und propagandistische Wirkung bei Selbstmordattentaten. Ansonsten würde ich aber keine Unterscheidung machen, da wir dann menschliches Leben abwägen würden, frei nach dem Motto : Selbstmordattentäter "böse" / Bomberpilot weniger "böse". Für mich ist das nichts weiter als Heuchlerei.

    Außerdem ist doch völlig klar, wie auch meine Vorredner sagten, dass Selbstmordattentate durchaus Teil eines Guerillia-Krieges sein können. Als Beispiele hierfür dienen die Hisbollah, die Hamas, die Tamil Tigers, Rebellen in Tschetschenien, die PLO früher, die Taliban/Mudschaheddin etc.

    • trouvi.
    • 11. Februar 2013 9:14 Uhr

    Ob es klug war, dass der französische Präsident diesen Krieg begann, wird sich zeigen.
    Vielleicht reiht er sich auch nur in die Reihe der Machthaber, die einen Krieg anfingen, weil sie hofften, dort den Erfolg zu erzielen, der ihnen im eigenen Land verwehrt ist. Der Sozialist Holland verwehrt mit seinen neuen Gesetzen im Hexagone nämlich, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, Menschen Auftrieb bekommen, Ausländer weiterhin in Unternehmen, Arbeitsplätze oder Immobilien investieren - im Gegenteil da herrscht Frustration und Stillstand. In einigen Landesteilen, die zu den beliebtesten touristischen Zielen gehörten, stehen Häuser und Wohnungen leer - v.a von den europäischen Nachbarn, denen die Lust vergangen ist, in einer stagnierenden Gegend zu investieren, wo sich nichts bewegt - ausser die Androhung von steigenden Steuern.

    Eine Leserempfehlung
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    Den Krieg hat nicht Hollande begonnen. Eine Allianz der Islamisten und der Tuareg haben den Krieg mit ihren separatistischen Aktivitäten begonnen. Sie haben einen Scharia-Staat in Nordmali ausgerufen und terrorisieren seitdem die malische Bevölkerung. Frankreich und die Soldaten der afrikanischen Wirtschaftsallianz kämpfen auf Bitte der malischen Regierung an der Seite der Armee.

  2. ...Oppositionsaktivisten haben wohl von ihren syrischen Kameraden - die dort vom "Westen" großzügig unterstützt werden - gelernt!

    2 Leserempfehlungen
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    Aber die Guerillataktik sollte den Tuareg aus dem Algerienkrieg bekannt sein. Und die Aqmi brachte sicherlich Pläne für Suizidattentate auf Basis der Taliban mit.

    Da es hier aber nicht um Terror, sondern um Guerilla geht, sind die Taktiken seit 1785 für verschiedene Kampfgebiete weiterentwickelt worden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla

    Nur weil manche Antiimps gerne Mali mit Syrien vergleichen, müssen die Tuareg nicht so dumm sein!

    • Gariban
    • 11. Februar 2013 10:36 Uhr

    wieso sollten deutsche Medien denn bitte genauer differenzieren? Welchen großen Unterschied macht es denn, wenn die Rebellen Selbstmordanschläge in den Zermürbungskrieg, auch bekannt als Guerillakrieg, einstreuen? Terrorismus liegt schließlih im Auge des Betrachters...

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Guerilla?"
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    ...könnten. Zum einen liegt Terrorismus natürlich nicht im Auge des Betrachters. Terrorismus ist relativ eindeutig definiert, in seiner Vorgehensweise(es gibt natürlich verschiedene Vorgehensweisen) und seinen Zielen. Nur aufgrund seiner Motivation mag man ihn unterscheiden und daher unterschiedlich beurteilen. Was für manche als Freiheitskämpfer erscheinen mag, bleiben doch Terroristen.

    Zum anderen muss man aufgrund der Unterschiede beiden Phänomenen auf unterschiedliche Art begegnen.

    Sie könnten auch mal einen Bundeswehrsoldaten fragen, ob es für ihn einen Unterschied macht, in eine Sprengfalle zu geraten oder in einen stundenlangen Schusswechsel mit Taliban zu gelangen. Letztendlich, mögen Sie sagen, kann man bei beidem sterben. Aber dennoch, dem werden Sie wohl nicht widersprechen, sind das unterschiedliche Vorgehensweisen. Also nochmal: Terrorismus und Guerilla sind das gleiche?

    Im Übrigen: Eine genaue Differenzierung ist immer hilfreich. Ein Zermürbungskrieg ist nicht mit einem "Guerillakrieg" gleichzusetzen, so wie Sie dies unterstellt haben. Aber vielleicht geben Sie sich erst selbst die Mühe, die Unterschiede nachzuvollziehen, bevor ich diese Ihnen erklären muss.

  3. ...könnten. Zum einen liegt Terrorismus natürlich nicht im Auge des Betrachters. Terrorismus ist relativ eindeutig definiert, in seiner Vorgehensweise(es gibt natürlich verschiedene Vorgehensweisen) und seinen Zielen. Nur aufgrund seiner Motivation mag man ihn unterscheiden und daher unterschiedlich beurteilen. Was für manche als Freiheitskämpfer erscheinen mag, bleiben doch Terroristen.

    Zum anderen muss man aufgrund der Unterschiede beiden Phänomenen auf unterschiedliche Art begegnen.

    Sie könnten auch mal einen Bundeswehrsoldaten fragen, ob es für ihn einen Unterschied macht, in eine Sprengfalle zu geraten oder in einen stundenlangen Schusswechsel mit Taliban zu gelangen. Letztendlich, mögen Sie sagen, kann man bei beidem sterben. Aber dennoch, dem werden Sie wohl nicht widersprechen, sind das unterschiedliche Vorgehensweisen. Also nochmal: Terrorismus und Guerilla sind das gleiche?

    Im Übrigen: Eine genaue Differenzierung ist immer hilfreich. Ein Zermürbungskrieg ist nicht mit einem "Guerillakrieg" gleichzusetzen, so wie Sie dies unterstellt haben. Aber vielleicht geben Sie sich erst selbst die Mühe, die Unterschiede nachzuvollziehen, bevor ich diese Ihnen erklären muss.

  4. Terrorismus kann ein Einzelner verüben, falls er KEIN Suizidattentäter ist! Anderenfalls wäre es ein erweiterter Suizid oder ein Amoklauf. Das Beispiel für Einzeltäter sind Sniper, die mehrfach, willkürlich an verschieden Orten töten. Sie können ohne fremde Unterstützung überleben.

    Guerillas sind irreguläre Truppen, die sich strategisch organisieren, aber nicht als Soldaten auftreten. In der Regel kämpfen sie im asymmetrischen Krieg gegen einen überlegenen Feind. Kleine, unterlegene Gruppen treffen mit gezielten Aktionen den Gegner und weichen schnellstens zurück, um Verluste zu vermeiden. Man nennt sie auch Freischärler oder Partisanen. Bekanntestes Beispiel ist Ché Guevara. Al Kaida und Taliban oder die RAF, als Stadtguerilla, kann man dazu zählen.

    Das Ziel der Guerilla ist nicht, den Feind zu besiegen, sondern ihn zu zermürben. Dazu brauchen sie ein sicheres, unübersichtliches Rückzugsgebiet. Mittelfristig brauchen sie die Unterstützung der Bevölkerung, um den Nachschub sicherzustellen.

    Um nicht wie im Algerienkrieg Kriegsverbrechen zu begehen, muss eine POLITISCHE ISOLATION der Islamisten erreicht werden. In Mali sind die Städte befreit. Die Islamisten haben sich in die Berge zurückgezogen, die von Wüste umgeben sind. Es gibt Regionen der Guerilla und des Staates. Die Zwischenräume können überwacht werden. Wenn Guerillas nicht in die Städte drängen, kann man verhandeln.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Guerilla?"
  5. Aber die Guerillataktik sollte den Tuareg aus dem Algerienkrieg bekannt sein. Und die Aqmi brachte sicherlich Pläne für Suizidattentate auf Basis der Taliban mit.

    Da es hier aber nicht um Terror, sondern um Guerilla geht, sind die Taktiken seit 1785 für verschiedene Kampfgebiete weiterentwickelt worden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla

    Nur weil manche Antiimps gerne Mali mit Syrien vergleichen, müssen die Tuareg nicht so dumm sein!

    Antwort auf "Die malischen..."
  6. Den Krieg hat nicht Hollande begonnen. Eine Allianz der Islamisten und der Tuareg haben den Krieg mit ihren separatistischen Aktivitäten begonnen. Sie haben einen Scharia-Staat in Nordmali ausgerufen und terrorisieren seitdem die malische Bevölkerung. Frankreich und die Soldaten der afrikanischen Wirtschaftsallianz kämpfen auf Bitte der malischen Regierung an der Seite der Armee.

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    Antwort auf "Blitzkrieg mit Folgen"
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    • Wulf145
    • 28. Februar 2013 17:22 Uhr

    Also haben die Seperatisten Frankreich angegriffen, und Frankreich verteidigt sich?

    "Frankreich und die Soldaten der afrikanischen Wirtschaftsallianz kämpfen auf Bitte der malischen Regierung an der Seite der Armee."

    Die selbe Armee kurz zuvor die gewählte Regierung Malis gestürzt hatte?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Gao | Militär | Anschlag | Attentat | Dschihad | Selbstmordattentäter
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