Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat die Korruptionsvorwürfe gegen ihn und Mitglieder seiner Volkspartei (PP) zurückgewiesen. Die Anschuldigungen seien falsch, sagte der Regierungschef bei einer im Fernsehen übertragenen Sondersitzung des Parteivorstands in Madrid. "Ich habe niemals Schwarzgelder erhalten oder verteilt", sagte Rajoy.

Rajoy kündigte an, er werde ab Montag auf der Website der Regierung seine Steuer- und Vermögenserklärungen offenlegen. Auch bei den Parteirechnungen werde es "höchste Transparenz" geben, sagte er.

Rajoy hatte den Parteivorstand zur Krisensitzung einberufen, nachdem seiner Partei in der Zeitung El País vorgehalten worden war, an den Regierungschef und andere Mitglieder der Parteiführung jahrelang Schwarzgelder gezahlt zu haben. Generalstaatsanwalt Eduardo Torres-Dulce sagte am Freitag, die vom Blatt veröffentlichten Papiere enthielten ausreichende Indizien, um Ermittlungen einzuleiten.

Rajoy soll pro Jahr 25.000 Euro erhalten haben

El País hatte unter Berufung auf die abgedruckten Abrechnungen berichtet, fast alle Mitglieder der Parteiführung hätten zwischen 1990 und 2009 neben ihren normalen Gehältern von der PP regelmäßig zusätzliche Zahlungen erhalten. Gegen den früheren PP-Schatzmeister Luis Bárcenas ermittelt die Justiz in einem Korruptionsfall, in dem es um Verbindungen zwischen PP-Mitgliedern und einem Netz von Unternehmern geht. Aus geheimen Papieren von Bárcenas gehe hervor, dass Rajoy pro Jahr rund 25.000 Euro erhalten habe.

Rajoy räumte am Samstag zwar eine Affäre großen Ausmaßes ein und versprach auch interne Untersuchungen. Zugleich kündigte er aber an, er und die PP würden sich gegen jeden Angriff wehren. Man wolle nicht nur die Regierung mit Gerüchten destabilisieren, sondern in Spanien in wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeiten große Unruhe verbreiten.

Der sozialistische Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba sieht das Ansehen der Regierung in Gefahr. Immer mehr Oppositionspolitiker riefen in den vergangenen Tagen Rajoy zum Rücktritt auf. Diese Forderung stellten auch rund 1.000 Demonstranten, die am Freitagabend bis nach Mitternacht vor dem PP-Hauptsitz in Madrid protestierten. Eine entsprechende Internet-Petition wurde bis Samstagnachmittag von knapp 700.000 Menschen unterzeichnet. "Jagen wir alle Diebe davon", heißt es darin.