DiplomatiePräsidenten Serbiens und Kosovos treffen sich erstmals

Die Begegnung hat hohe symbolische Bedeutung: Zum ersten Mal haben sich die Präsidenten des Kosovo und Serbiens getroffen – auf neutralem Terrain.

Der serbische Präsident Tomislav Nikolić nach dem Treffen mit Kosovos Präsidentin Atifete Jahjaga in Brüssel

Der serbische Präsident Tomislav Nikolić nach dem Treffen mit Kosovos Präsidentin Atifete Jahjaga in Brüssel  |  © Yves Herman/Reuters

Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien haben sich die Staatschefs beider Länder getroffen. Der serbische Präsident Tomislav Nikolić und die kosovarische Präsidentin Atifete Jahjaga sprachen am Mittwoch in Brüssel knapp eine Stunde lang unter Vermittlung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton miteinander. Die Begegnung sei "konstruktiv" gewesen, sagte Ashton. Konkrete Ergebnisse nannte sie nicht.

Beide Politiker hätten ihr versichert, sie wollten den von der EU vermittelten Dialog ihrer Länder weiterhin unterstützen, berichtete Ashton. Sie ermutigte Nikolić und Jahjaga, "die Anstrengungen fortzusetzen, die nötig sind, um sich der Europäischen Union weiter anzunähern". Die Außenbeauftragte hatte sich vor der gemeinsamen Unterredung zunächst mit Nikolić und dann mit Jahjaga separat getroffen.

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Nikolić wiederholte nach den Treffen die Position seines Landes, die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anzuerkennen. Zudem kündigte er an, die Gespräche würden unter der Bedingung fortgesetzt, dass die 40.000 Serben im Norden des Kosovo umfassende Autonomie erhielten.

Eine "starke symbolische Bedeutung"

Ein EU-Diplomat erklärte, die Begegnung von Nikolić und Jahjaga habe "eine starke symbolische Bedeutung". Sowohl die serbische und also auch die kosovarische Opposition hatten das Treffen stark kritisiert.

Das Kosovo hatte sich im Februar 2008 für unabhängig erklärt. Serbien betrachtet es dagegen nach wie vor als seine Provinz. Vor allem wegen des Nordens, dessen serbische Bewohner die Unabhängigkeit des Kosovo ablehnen, ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und teils gewalttätigen Zusammenstößen gekommen. Seit März 2011 verhandeln Vertreter beider Staaten unter Vermittlung der EU unter anderem über Grenz- und Zollfragen. Zuletzt verständigten sie sich im Dezember 2012 auf die Einrichtung mehrerer gemeinsamer Grenzposten.

Der serbische Regierungschef Ivica Dacic und sein kosovarischer Amtskollege Hashim Thaçi verhandelten seit Oktober 2012 vier Mal persönlich in Brüssel und sollen sich dort am 22. Februar erneut treffen. In beiden Ländern bestimmen die Ministerpräsidenten die Politik, während die Präsidenten ähnlich wie in Deutschland vor allem repräsentative Aufgaben haben.

Fortschritte in der Normalisierung der Beziehung zwischen Serbien und dem Kosovo sind eine Voraussetzung für den Start von Beitrittsverhandlungen Serbiens mit der EU. Auch die kosovarische Führung strebt eine engere Bindung an die EU an.

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Leserkommentare
  1. ...mehr aber auch nicht.
    Zustandegekommen auf Druck der EU.
    Hinter sich gebracht mich Ach und Krach.
    Ändern tut sich nichts.
    Ausser das die EU uns erzählen kann "es geht voran" in Vorbereitung auf die Aufgabe der eigenen Positionen bezüglich Bedingungen für EU Mitgliedschaft bzw Anwartschaft.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Europäische Union | Kosovo | Autonomie | Catherine Ashton | Serbien | Beziehung
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