Alleingänge wie der Frankreichs in Mali sind die nachvollziehbare Folge. Auf die Frage, warum die EU-Battlegroup (derzeit: Polen, Frankreich, Deutschland) nicht involviert wurde, antwortete ein Berater des französischen Verteidigungsministers auf der Sicherheitskonferenz so: Es musste schnell gehen – und wir wussten, dass nicht alle Länder der Battlegroup schnell reagieren können würden.

Darin zeigt sich das ganze Drama der europäischen Sicherheitspolitik.

Eine Nato auf Sinnsuche, eine EU ohne gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik – das passt nicht zu dem Appell, der auch in München wieder mit Verve vorgetragen wurde: militärische Kräfte und Fähigkeiten in der Nato und der EU zusammenzulegen.

Mehr Kooperation angesichts schrumpfender Militärbudgets

Smart Defense hatte das Rasmussen vor zwei Jahren genannt, pooling and sharing ist eine andere Bezeichnung dafür. Eigentlich gäbe es viele vernünftige Gründe dafür, Dinge wie die Luftüberwachung, Beschaffung, Logistik und Ausbildung Nato- oder EU-weit zusammenzulegen. Angesichts schrumpfender Militärbudgets drohen Staaten, militärische Fähigkeiten zu verlieren, warnen Militärs. Kooperation könnte sie davor bewahren. Hinzu kommt eine Welt, die sich rasend schnell entwickelt. Es sei immer schwerer zu erkennen, wann ein Risiko zu einer Bedrohung wird, sagte ein Nato-General in München. Deshalb brauche man Kräfte, die schnell eingesetzt werden können. Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, nannte einen weiteren Grund: Da die USA sich nach Asien wendeten, müssten die Europäer Krisen in ihrer Region selbst regeln können.

Eine derartige Militärkooperation würde von den beteiligten Staaten einiges abverlangen, vor allem den Verzicht von nationaler Souveränität. Hollands Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert, eine Anhängerin von Smart Defense, warb deshalb in München dafür, Souveränität neu zu definieren. "Die Militärs sind da weiter als die Politiker", sagte sie.

Doch ohne gemeinsame Strategie oder wenigstens Vision sind diese Pläne reine Makulatur. Sie können erst angepackt werden, wenn Europa und die Nato in Fällen wie Libyen mit einer Stimme sprechen. Die Sicherheitskonferenz in München hat nicht erkennen lassen, dass damit in nächster Zeit zu rechnen ist.