Zehntausende Menschen haben in den Euro-Krisenländern Spanien und Portugal gegen die Wohnungsnot und die Verarmung der Bevölkerung protestiert. In Spanien richteten sich die Proteste in rund 50 Städten gegen die zahlreichen Zwangsräumungen von Wohnungen. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Rettet die Menschen, nicht die Banken". Sie forderten eine soziale Wohnungspolitik sowie ein sofortiges Ende der Zwangsräumungen.

An der größten Kundgebung in Barcelona nahmen am Samstagabend nach Angaben der Veranstalter 80.000 Menschen teil, die Polizei sprach von 12.500 Demonstranten. Zu den Protesten hatte die "Plattform der Hypothekenbetroffenen" aufgerufen. Die meisten Kundgebungen verliefen friedlich.

In Madrid musste die Polizei eingreifen, als der frühere sozialistische Justizminister Juan Fernando López Aguilar und eine weitere Oppositionspolitikerin, die an der Kundgebung teilnehmen wollten, von Demonstranten angegriffen wurden. Beide mussten den Protest unter Polizeischutz verlassen.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise wurden in Spanien Zehntausende Wohnungen aufgrund richterlicher Verfügungen zwangsweise geräumt. In einigen Fällen nahmen sich Wohnungsbesitzer das Leben, weil sie ihre Bankkredite nicht bedienen konnten und daher ihre Bleibe verlieren sollten.

Staatsschulden um Rekordbetrag gestiegen

Unterdessen sind die Staatsschulden des Landes nach Informationen der Zeitung El País im Jahr 2012 trotz drastischer Einsparungen um den Rekordbetrag von 146 Milliarden Euro gestiegen. Nie zuvor in der spanischen Geschichte hätten die Verbindlichkeiten des Staates in einem Jahr so stark zugenommen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf offizielle Quellen.

Die Gesamtschulden des Staates beliefen sich damit auf über 882 Milliarden Euro. Dies entspreche 84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zuletzt sei dies in Spanien im Jahr 1910 so hoch gewesen, schrieb die Zeitung. Im ersten Jahr der Amtszeit der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy seien die Staatsschulden um 400 Millionen am Tag gestiegen.

Die Zunahme sei vor allem auf das Defizit im Staatshaushalt zurückzuführen. Trotz aller Einsparungen sei die Neuverschuldung nicht abgebaut worden. Daneben spielten nach dem Bericht von El País drei weitere Faktoren eine Rolle: die EU-Rettungsaktion für marode spanische Banken, die sich mit 40 Milliarden Euro auf die Staatsschulden niederschlug, die Begleichung unbezahlter Rechnungen staatlicher Institutionen und die spanischen Beiträge zu den EU-Rettungspaketen für Griechenland, Portugal und Irland.

Portugiesen fordern Rücktritt der Regierung

In Portugal forderten die Demonstranten derweil auf Kundgebungen in 24 Städten des Landes den Rücktritt der Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho. In Lissabon, Porto und weiteren portugiesischen Städten hatte die kommunistische Gewerkschaft CGTP unter dem Motto "Gegen Armut und Ausbeutung" zur ersten großen Demonstration dieses Jahres aufgerufen und mit einem weiteren Generalstreik gedroht.

Der CGTP-Generalsekretär Armenio Carlos kündigte außerdem an, dass die Gewerkschaften sich am 2. März der Demonstration der einflussreichen Bürgerinitiative "Zum Teufel mit der Troika" anschließen werde. Diese Organisation hatte am 15. September 2012 einen der größten Proteste der vergangenen Jahrzehnte in Portugal organisiert. Nach Medienschätzungen ging damals im 10,5-Millionen-Einwohner-Land eine Million Menschen auf die Straßen.