Bürgerkrieg : Über Syrien herrscht nur noch Pessimismus
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Die einzige Option sind Schutzzonen

Daran hat die Weltgemeinschaft ihren Anteil. Die Uneinigkeit im Sicherheitsrat hat die Brutalisierung erst möglich gemacht. Und je länger dieser Krieg dauert, desto schwerer ist er zu stoppen. Derzeit sehe es so aus, so formulierte es Brahimi kürzlich in einem UN-Bericht, als gebe es keine Lösung, die Syrien nicht komplett zerstören würde.

Die Konfliktparteien, sagte Brahimi, seien inzwischen so sehr in den Kampf verstrickt, sie könnten das Problem nicht lösen. Ebensowenig könnten dies die regionalen Mächte. Die letzte Instanz, die helfen könne, sei der Sicherheitsrat. Und da wurde Brahimi deutlich: "Tut endlich eure Arbeit!", rief er vom Podium. Man darf davon ausgehen, dass er vor allem Russland meinte.

Auch der syrische Oppositionsführer al-Chatib machte der internationalen Gemeinschaft schwere Vorwürfe: Sie handle nicht, sie messe bloß die Länge der Bärte der Rebellen, rede von Dschihadisten und Terroristen, anstatt Assads Massaker zu thematisieren.

Doch selbst wenn Russland irgendwann einlenken würde, auf was sollte man sich im UN-Sicherheitsrat jetzt einigen? Brahimi, der heute mit US-Vize Joe Biden und Russlands Außenminister Sergei Lawrow über Syrien reden will, hofft unverdrossen auf eine politische Lösung: auf Verhandlungen, die zu einer Übergangsregierung führen. Zu seiner Freude erhielt er dabei Unterstützung von al-Chatib. Der Oppositionsführer sagte, man sei bereit, unter bestimmten Bedingungen mit dem Assad-Regime über einen friedlichen Wandel zu verhandeln. "Wir strecken die Hände aus", rief er. Sollte dieser Weg aber nicht funktionieren, so müsste die internationale Gemeinschaft militärisch helfen.

Das aber ist höchst unwahrscheinlich. Für eine Intervention ist es im Grunde inzwischen zu spät, zumindest für Luftschläge wie in Libyen ist die Lage in Syrien viel zu unübersichtlich. Und wohl kaum ein Land wäre willens und fähig, Bodentruppen im großen Stil zu schicken und viele Gefallene in Kauf zu nehmen.

Bestenfalls denkbar wäre die Einrichtung einer oder mehrerer Schutzzonen im Grenzgebiet zur Türkei, verbunden mit einer Flugverbotszone. Dies würde zwar die Spaltung Syriens einleiten, aber eben auch Rückzugsräume für die Abertausenden Kriegsflüchtlinge schaffen.

Die Kämpfe dürften solche Schutzzonen nicht beenden. Zu viele Fraktionen kämpfen inzwischen um Einfluss, sie haben zu viel investiert, zu viele Opfer gebracht und zu viele Verbrechen begangen, um einfach aufzugeben.

Syrien hat eine dunkle Zukunft vor sich, wenn nicht bald etwas geschieht, darüber war man sich an diesem Freitagabend in München einig. Hinzufügen lässt sich: Selbst wenn es gelänge, die Konfliktparteien doch noch an den Verhandlungstisch zu bekommen, selbst wenn daraus eine Übergangsregierung hervorginge, mit der Sunniten, Alawiten, Kurden, Islamisten, Land- und Stadtbevölkerung leben könnten, selbst dann wird dieser verheerende, zersetzende Krieg Syrien noch lange prägen. Zu viele Menschen haben unter ihm gelitten.

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Kommentare

77 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Wo sind all die Friedensmarschierer hin, wo sind sie geblieben?

Wenn Sie sich darüber wundern, dann schauen sie mal in die Syrienthreads des Spon-Forums. Dort treffen Sie sie alle wieder. Unter anderem. Sie bashen unverdrossen auf die USA und den eigentlich schon viel zu friedensverliebten US-Präsidenten ein. Worauf sonst? Der Feind ist immer die Nato, auch wenn mit Putins Unterstützung über 100.000 Menschen sterben und/oder verschwinden. Die linken Pazifisten sind Menschen die gerne die andere Wange auch hinhalten, ... solange es nicht die eigene ist!
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