BürgerkriegSyrische Opposition sagt Weltgemeinschaft ab

Enttäuschung bei der syrischen Opposition: Die Welt schaue dem Morden in ihrem Land seit zwei Jahren untätig zu. Internationale Konferenzen will sie künftig boykottieren.

Eine syrische Frau mit ihrem Sohn in Aleppo

Eine syrische Frau mit ihrem Sohn in Aleppo  |  © Aamir Qureshi/GettyImages

Das größte syrische Oppositionsbündnis Nationale Koalition hat seine Beteiligung an der Internationalen Konferenz der Freunde Syriens im kommenden Monat in Rom abgesagt. Auch an den geplanten Gesprächen in Russland und den USA will die Koalition nicht teilnehmen.

Das Bündnis begründete seine Entscheidung mit dem "beschämenden" internationalen Schweigen zu den "täglich gegen das syrische Volk verübten Verbrechen". Adib Shishakly, ein Sprecher der Nationalen Koalition, sagte dem US-Sender CNN, die Opposition habe genug von der internationalen Gemeinschaft, die Konferenzen abhalte, ohne die nötige Unterstützung für Syrien bereitzustellen.

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In einer Erklärung der Koalition wurde insbesondere die russische Führung kritisiert, weil sie die Regierung von Präsident Baschar al-Assad weiterhin mit Waffen unterstützt. "Hunderte wehrlose Zivilisten werden durch Scud-Raketen getötet, und die Zerstörung der historischen Kulturstadt Aleppo geht systematisch weiter."

Bislang 70.000 Tote

Die Menschen in der zweitgrößten syrischen Stadt werden immer wieder Opfer von Angriffen. Allein am Freitag sollen bei Raketenangriffen fast 30 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden sein. Die Regierung setzte bei den Kampfhandlungen hier immer wieder Raketenwerfer, Kampfflugzeuge und Hubschrauber ein. 

Seit rund zwei Jahren kämpft die Opposition gegen das Assad-Regime. In dem Konflikt, der sich zu einem Bürgerkrieg entwickelt hat, wurden nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu 70.000 Menschen getötet. Sowohl die Rebellen als auch die Regierungstruppen sollen dabei mehrere Massaker an der Zivilbevölkerung begangen haben. Hunderttausende flohen in die Türkei, in den Libanon und Irak sowie nach Jordanien.

USA enttäuscht über Absage

Die internationale Gemeinschaft müht sich um Hilfe für die Menschen, konnte sich bislang aber noch zu keiner gemeinsamen politischen oder militärischen Lösung durchringen. Jedwede Kritik am Regime oder Sanktionen wurden im UN-Sicherheitsrat bislang von den beiden Vetomächten Russland und China blockiert. Der Sondergesandte Lakhdar Brahimi versucht, zwischen den Fronten zu vermitteln – bislang ohne Erfolg.

Die USA jedenfalls reagierten nun enttäuscht auf die Absage der syrischen Opposition. Ein Vertreter der Regierung nannte den Boykott kontraproduktiv. Das Bündnis würde sich damit die Gelegenheit für eine erste Zusammenkunft mit dem neuen Außenminister John Kerry entgehen lassen.

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Leserkommentare
  1. Die sogenannte syrische Opposition, die sich auch mal gerne als Freiheitskämpfer tituliert, sollte langsam merken, dass viele Menschen vorsichtig und skeptisch werden, wenn die schwarze Flagge der Islamisten (wie in Mali) geschwenkt wird.

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    • zfat99
    • 23. Februar 2013 12:06 Uhr

    "Sowohl die Rebellen als auch die Regierungstruppen sollen dabei mehrere Massaker an der Zivilbevölkerung begangen haben."

    15 Leserempfehlungen
  2. ...noch einem Islamistenregime in den Sattel zu helfen. Denn was wäre die Folge? Die Hilfsgelder um die es geht werden für Waffen und Wohlstand der Machthaber verbraucht, die Bevölkerung leidet Hunger. Dies wird benutzt um der Welt zu drohen weil sie nicht genug hilft. Im Endeffekt würde nur ein neuer Terrorstaat geschaffen und mit sinnlosen Millionen unterstützt.

    30 Leserempfehlungen
  3. Bisher sind alle Verhandlungslösungen daran gescheitert, dass sich "die Opposition" einfach geweigert hat, daran teilzunehmen. Dadurch kam auch ein relativ früh angesetzter Waffenstillstand nicht zustande.

    Die Kommentatoren sagen es immer und immer wieder: Die bewaffnete Opposition, also die Söldnertruppen, die durch die "Freunde Syriens" mit Waffen, Logistik & Rückzugsmöglichkeiten versehen werden, haben gar keinen Rückhalt in der Bevölkerungen und somit auch keine Chance, in freien Wahlen die Regierung zu übernehmen.

    Deshalb versuchen sie mit allen Mitteln, einen Regime-Change auf die blutige Art herbeizuführen.

    Da sie sich dabei jederzeit auf fremdes Territorium zurückziehen können, um dann erneut (und frisch ausgerüstet) anderswo in Syrien Terror verbreiten zu können, ist so der Konflikt militärisch nicht zu lösen.

    Also: Waffenhilfe beenden, dann dauert auch der Bürgerkrieg nicht mehr lange und der Weg zu einer Verhandlungslösung wird nicht länger einseitig blockiert.

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    • yutopya
    • 23. Februar 2013 17:06 Uhr

    "Waffenhilfe beenden, dann dauert auch der Bürgerkrieg nicht mehr lange und der Weg zu einer Verhandlungslösung wird nicht länger einseitig blockiert"

    Das sehe ich nicht so. Es wäre außenpolitisch sehr kurzsichtig (und historisch betrachtet eher fragwürdig), zu meinen, alle beteiligten Parteien würden sich schon gemeinsam an den Tisch setzen, um eine dialogische Lösung des Problems zu finden, würde man eine Einmischung Dritter sofort unterbinden - so funktioniert Politik heutzutage einfach nicht mehr. Glauben Sie denn, dass ein Staat wie der Iran seine politischen Interessen hinsichtlich Syriens nicht auch dann noch durchsetzen würde, wenn andere davon absehen? Zweifelhaft, in Anbetracht der Tatsache, was selbiger Staat für die Realisierung seines Atomprogramms in Kauf nimmt.
    Und warum eigentlich "gar keinen Rückhalt in der Bevölkerung"? Ich denke, dass weder Sie noch ich über ausreichend Informationen verfügen, eine so pauschale Aussage treffen zu können, zumal ich mir 70.000 Tote innerhalb 2er Jahre ohne jegliches Aufbegehren der Zivilbevölkerung nicht vorstellen kann.

  4. Die demokratische Revolution Syriens braucht die Unterstützung der westlichen Wertegemneinschaft zur Etablierung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

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    • otyak
    • 23. Februar 2013 13:10 Uhr

    Von welcher Wertegemeinschaft sprechen Sie denn?

    die selbst den Papst überfordert?

  5. In meinen Augen ist das größte Problem die Frage:,,Wer ist wer im Syrien-Konflikt?"

    Wer ist ,,der Gute" und wer ist ,,der Böse", wer ist der Terrorist, wer der Kämpfer für Recht und Ordnung und Freiheit?

    Das ist hier im ,,Westen" unheimlich schwierig zu ermessen, weil man sich immer nur auf die Meldungen stützen kann, welche verschiedene Medien aus und über Syrien bringen.
    Diese Meldungen sind oft genug genau gegensätzlich.

    Die Rebellen sagen, die Assad-Truppen hätten ein Massaker an der Zivilbevölkerung begangen, die Assad-Seite sagt, die Rebellen hätten ein Massaker an der Zivilbevölkerung begangen... Und von BEIDEN Seiten weiss man, dass sie das jeweils tatsächlich schon getan haben.

    Außerhalb Syriens, gerade hier im relativ fernen Europa und erst in den USA, steht man quasi da und weiss nicht, wem man nun helfen soll, wer da die ,,Wahrheit" spricht und eher Unterstützung verdient habe.

    9 Leserempfehlungen
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    Zustimmung ihrem Kommentar, aber die Frage des Guten und des Bösen in einem Bürgerkrieg ist immer vor dem Ausbruch der Kämpfe schon beantwortet.

    Alle sind Verlierer im Kampf der Guten gegen die Bösen.

  6. im UN-Sicherheitsrat bislang von den beiden Vetomächten Russland und China blockiert."

    Jedwede Kritik an der dauerhaften Verbreitung offensichtlicher Lügen wird von der Zeit-Redaktion bislang ignoriert...

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  7. Wo sind sie geblieben - die Friedensaktivisten, die Lichterketten, die Ostermaschierer, die Antiamerikaner, die UN-Blaulichter. Was ist geblieben von der Mahnung an Srebrenica, an Ruanda oder den Kongo.
    All die Kritiker an der USA als Weltpolizist, all die Anhänger der multipolaren Welt, alle die immer behaupteten mit Reden könne man Konflikte lösen sind nun in der Verantwortung - doch sie nehmen sie nicht wahr.
    Tucholskis Satz ! "Alle Soldaten sind Mörder" mag stimmen, aber ohne Soldaten sind alle Mörder!

    10 Leserempfehlungen
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    Die sind immer noch da. Und wenn Ihnen mal paar Tatsachen einsehen würden, würden Sie nicht so reden.

    Es war in Syrien die besagte Opposition, die nie reden wollte. Man hat jegliche Zusammenarbeit, zum Schutz der Bevölkerung, abgelehnt.

    Ihre so friedliche Opposition hat hier einen blutigen Krieg begonnen, ohne zuerst verhandelt zu haben (wobei man hier China und Russland mit ins Boot holen hätte können).

    Aber nein, stattdessen kann man sehen, wie ihre sog. Freiheitskämpfer eigentlich ticken. Denen geht es nicht um Freiheit, sondern um die eigene Macht. Und wenn das passiert, dann gibt es ein weiteres Massaker.

    Und ja, nur durch Reden kann man Konflikte beseitigen, denn Ihre "hau drauf Methode" fördert nur eins: Hass.

    PS:

    Es ist schon interessant, wie man 9/11 so hervorhebt, aber die tausende Tote aka "Kollateralschäden" einfach so hinnimmt.

    Und damit wollen Sie den gegenseitigen Hass beenden? Viel Glück in den nächsten 1.000 Jahren!

    Was soll denn der letzte Satz "aber ohne Soldaten sind alle Mörder!" inhaltlich hergeben? Sind in Tonga alle Moerder, weil Tonga kein Militaer hat? Was ist das denn fuer eine Logik? Sie glauben wahrscheinlich auch, haette jeder Haushalt eine Nuklearrakete, wuerde es keine Verbrechen mehr geben oder wie? Und wenn Ihnen die Lage in Syrien nicht gefaellt, verdingen Sie sich doch als Soeldner, warum muessen immer die anderen (die Kritiker) was machen, Sie aber nicht?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, jam
  • Schlagworte CNN | John Kerry | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Außenminister | Bürgerkrieg
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