Ennahda-ParteiTunesiens Innenminister wird neuer Regierungschef

Ali Larayedh von der regierenden Ennahda-Partei wurde mit der Regierungsbildung beauftragt. Er muss nun die Konservativen seiner Partei auf seine Seite ziehen.

Tunesiens Innenminister Larayedh

Tunesiens Innenminister Larayedh  |  © Fethi Belaid/AFP/Getty Images

Der tunesische Innenminister Ali Larayedh wird Ministerpräsident des nordafrikanischen Landes. Präsident Moncef Marzouki hat den Vorschlag der Ennahda-Partei angenommen.

Das höchste Gremium der islamistischen Regierungspartei hatte zuvor stundenlang über den Kandidaten beraten. Noch am heutigen Abend wolle Marzouki dem künftigen Ministerpräsidenten die Ernennungsurkunde überreichen, teilte Präsidentensprecher Adnène Mancer mit.

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Larayedh war in der Zeit des früheren Präsidenten Ben Ali Zine el Abidine, der Anfang 2011 gestürzt wurde, inhaftiert und gefoltert worden. Er folgt Hamadi Jebali nach, der Anfang der Woche zurückgetreten war, nachdem er mit seinem Plan zur Bildung einer Expertenregierung gescheitert war. Den größten Widerstand leisteten Hardliner seiner eigenen Partei.

Die Ennahda führt die Übergangsregierung seit ihrem Wahlsieg 2011. Beteiligt ist neben der CPR um Marzouki auch die sozialdemokratische Ettakatol.

Tunesien, in dem Anfang 2011 der sogenannte Arabische Frühling begonnen hatte, befindet sich derzeit in einer schweren politischen Krise. Anfang Februar war der Oppositionspolitiker Chokri Belaïd ermordet worden. Landesweit gab es seitdem Proteste gegen die Ennahda, die von Belaïds Umfeld für dessen Tod verantwortlich gemacht wird.

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Leserkommentare
  1. Wenn in der letzten Zeit von der dringenden Notwendigkeit einer Regierungsumbildung die Rede war - daran basteln sie erfolglos sei Monaten - wurde an erster Stelle der zu ersetzenden Personen dieser Innenminister genannt, der untätig zuschauen liess, als der salafistische Mob die amerikanische Botschaft und Schule in Brand steckte, bei friedlichen Protestmärschen aber schon mal in die Menge schiessen liess, während die Bevölkerung sich den nach der Revolution summarisch amnestierten Straftätern völlig schutzlos ausgeliefert sieht.

    Das verheisst nichts Gutes.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, kg
  • Schlagworte Moncef Marzouki | Bildung | Frühling | Innenminister | Ministerpräsident | Protest
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