Seit Wochen schon versucht US-Präsident Barack Obama den Amerikanern klar zu machen, wie unangenehm das Leben ab diesem Freitag werden kann. Welche verheerenden Auswirkungen mit den automatischen Budgetkürzungen (Sequester) verbunden wären, die ab dann greifen – es sei denn, es gäbe noch in letzter Minute eine Einigung mit den Republikanern im Kongress. Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Hysterie ist unbegründet. Denn die Effekte wären nicht über Nacht spürbar, das hat selbst Obama eingeräumt.

Der Handlungsdruck ist deutlich geringer als zu früheren Stichtagen im Haushaltsstreit, als die USA zugleich mit dem Erreichen der Schuldenobergrenze hätten zahlungsunfähig werden können. Nun geht es um rund 85 Milliarden Dollar, die der Staat in diesem Jahr nicht ausgeben könnte, beziehungsweise 1,2 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren.

Obama nennt die drohenden Kürzungen "eine selbst zugefügte Wunde", und wird nicht müde aufzuzählen, welche Schmerzen damit verbunden wären. Ein Großteil beträfe das Budget des Verteidigungsministeriums und damit Zehntausende Jobs in der Rüstungsindustrie. Vor Werftarbeitern in Newport News, Virginia, warnte der Präsident deshalb am Dienstag unter lautstarkem Applaus: "Der Sequester wird Amerikas Wirtschaft schwächen, er wird unsere militärische Handlungsfähigkeit schwächen und er wird Leistungen schwächen, von denen viele Menschen abhängen."

Neben dem Pentagon würde eine Vielzahl staatlicher Programme unter dem Sparzwang leiden. Zuschüsse für College-Gebühren wären in Gefahr, Staatsanwälte gezwungen, Fälle nicht weiterzuverfolgen, Krebsvorsorgeuntersuchungen und Impfungen müssten reduziert werden, sagt die Regierung. Kürzungen von Sozialleistungen, lange Warteschlangen an den Flughäfen, weniger Personal an Schulen – Schreckensszenarien gibt es viele.

Obama versprach: "Es wird nicht passieren"

Angesichts solcher Befürchtungen sollten dieser Tage Gespräche bis tief in die Nacht die Regel sein. Doch Senat und Kongress debattieren nicht über ein neues Gesetz. Und es gibt auch keine Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, vor denen Journalisten auf den erlösenden Kompromiss warten könnten.

Dass Obama erst für Freitag die Spitzen von Republikanern und Demokraten aus Senat und Kongress ins Weiße Haus geladen hat, zeigt: Er lässt es darauf ankommen, dass die Kürzungen greifen. Im Wahlkampf hatte er noch darauf bestanden, der Sequester sei nicht seine Idee gewesen. Schon daran kann man zweifeln, glaubt man Bob Woodward von der Washington Post: Demnach ging die Initiative durchaus vom Weißen Haus aus. Während einer TV-Debatte mit seinem Herausforderer Mitt Romney versprach der Präsident darüber hinaus: "Es wird nicht passieren."

Das versetzt ihn in eine schwierige Lage, wenn er nun wiederholt den Republikanern die Schuld zuschiebt, sollte nicht bald ein Ausweg gefunden sein. Allerdings scheint dieses blame game zu funktionieren, wie aktuelle Umfragen zeigen: Die Mehrheit der Amerikaner steht auf seiner Seite.