Sipri-StudieRüstungskonzerne verkaufen erstmals seit zwei Jahrzehnten weniger

Die globale Finanzkrise hat Auswirkungen auf die Rüstungsindustrie: Die Umsätze der Großen gingen 2011 deutlich zurück. Die Branche erschließt nun neue Sektoren.

Der Jet F-22 Raptor nach seiner Montage bei Lockheed Martin in Marietta, Georgia (USA)

Der Jet F-22 Raptor nach seiner Montage bei Lockheed Martin in Marietta, Georgia (USA)  |  © Tami Chappell/Reuters

Bisher wuchs die Branche stets. Nun wirken sich Haushaltskürzungen im Zuge der weltweiten Finanzkrise negativ auf den Rüstungssektor aus: Erstmals seit fast 20 Jahren gingen die Verkäufe der großen Rüstungskonzerne zurück, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri errechnete. Die weltweit 100 größten Waffenkonzerne hätten 2011 fünf Prozent weniger umgesetzt als im Jahr zuvor. Der Studie nach war es das erste Mal seit 1994, dass die Verkäufe nicht stiegen.

Die Ursachen sind für die Friedensforscher klar: "Sparprogramme, geplante und umgesetzte Kürzungen bei den Militärausgaben sowie der Aufschub bei Genehmigungen von Waffenprogrammen haben den Waffenverkauf in Nordamerika und Westeuropa zurückgehen lassen", schreiben die Autoren des Berichts. Hinzu kommt, dass sich das Militär aus Afghanistan und dem Irak zurückzog. Weiterhin wirkten sich die zeitweiligen Sanktionen gegen Libyen aus.

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Die Branche reagierte bereits: Einige Unternehmen hätten sich militärisch spezialisiert, andere hätten sich verkleinert oder auf verwandte Märkte ausgedehnt, etwa auf den Bereich Internetsicherheit. Als wichtigsten Wachstumsmarkt nannte das Institut die sogenannten Cyberwaffen: Für die Abwehr von Angriffen oder Angriffe auf Computersysteme stellten die Staaten trotz aller Sparmaßnahmen zusätzlich Geld bereit.

EADS auf Platz sieben

Dieses Segment genauer einzuschätzen, ist schwierig: Weil es häufig keine Trennung zwischen zivilen und militärischen Aufträgen gebe, lässt sich der Bereich Rüstung nicht klar eingrenzen. Auch chinesische Hersteller sind in der Studie nicht berücksichtigt, weil verlässliche Daten fehlen.

Die Liste der betrachteten Unternehmen wird von amerikanischen und europäischen Firmen angeführt, die 60 beziehungsweise 29 Prozent des Marktes ausmachen. Der weltgrößte Rüstungskonzern bleibt weiterhin Lockheed Martin in den USA mit einem Umsatz für diesen Bereich von 36,3 Milliarden Dollar. Boeing (USA) kommt mit 31,8 Milliarden Dollar auf Platz zwei. Auf dem dritten Rang lag der britische Konzern BAE Systems of Britain mit 29,2 Milliarden Dollar im Jahr 2011. Der europäische Konzern EADS liegt auf dem siebten Platz.

Als größtes deutsches Rüstungsunternehmen platzierte Sipri Rheinmetall auf dem 26. Platz mit einem rüstungsbezogenen Umsatz von drei Milliarden Dollar.

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Leserkommentare
  1. sind sicher zu vernachlässigen. Die Privatisierung des Kriegsgeschäfts ist lukrativ. Im Irak-krieg waren die privaten Firmen das zweitstärkste Kontingent nach den US-Streitkräften, ja größer als das britische Kontingent.

    In der Euphorie für die Privatisierung - inklusive des Militärs - ist für die Privaten noch viel zu holen. Die Plutokratien werden es schon richten.

    3 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 18. Februar 2013 10:07 Uhr

    ...damit dauert es bestimmt nicht mehr lange bis es irgendwo gewaltig kracht...

    2 Leserempfehlungen
    • Mika B
    • 18. Februar 2013 10:25 Uhr

    Das beste wäre man würde die Rüstungsindustrie auf der Welt Verstaatlichen, zumal sie ja sowieso von Steuerzahler leben.
    Eine staatliche Rüstungsindustrie müsste dann zumindest nicht mehr profitorientiert Arbeiten, denn "Profitorientiert" heißt in dieser Brange "Kriegsorientiert".
    Man mag sich gar nicht Vorstellen was hier allein Lobbyarbeit und die mit der Rüstungsgeschäften einhergehende Korruption für den Frieden Welt eigentlich bedeutet, wieviel Kriege wohl nicht nur von der Politik "Eingefädelt" wurden.
    Zudem die Staatshaushalte ruinieren und schlußendlich das Leben von Menschen.
    Dies würde unter Staatlicher Aufsicht zwar nicht gänzlich verschwinden aber zumindest in seinen Auswüchsen Eingedämmt werden können.

    2 Leserempfehlungen
  2. Sie sind gerade im Umbruch von den klassischen Waffensystemen hin zu den günstigeren ferngesteuerten Systemen.

    Quasi Kampfjet vs Drohne. Da erklärt sich auch ein wenig der Umsatzrückgang.

    Aber Sorgen machen sollten wir uns nicht, auch der Rettet-die-Branche-Reflex sollte unterbleiben.

    Töten ist immer ein Geschäft - das wird schon wieder.

    Eine Leserempfehlung
    • aurorix
    • 18. Februar 2013 12:08 Uhr

    Na, da wird es aber allerhöchste Zeit, dass Merkel sich mal wieder auf Dienstreise begibt, um in diversen zwielichtigen Staaten wie Saudi-Arabien, Nordkorea oder auch Libyen auf Einhaltung der Menschenrechte zu pochen.
    Und wenn sie schonmal da ist, könnte sie ja auch gleich...

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, tst
  • Schlagworte Boeing | EADS | Militär | Dollar | Finanzkrise | Rüstung
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