Die Parlamentswahl in Italien ist im Abgeordnetenhaus zugunsten des Mitte-Links-Bündnisses von Pier Luigi Bersani ausgegangen. Seine Koalition kam dort nach Auszählung aller Stimmen auf 29,54 Prozent und wird mit 340 Sitzen stärkste Kraft. Sie liegt denkbar knapp vor dem Bündnis des früheren Premier Silvio Berlusconi, das 29,18 Prozent erhielt, aber aufgrund einer Besonderheit im italienischen Wahlsystem nur 124 Abgeordnete stellen wird.

Im Senat erhielt Bersanis Zusammenschluss zwar die meisten Stimmen, aber nicht die Mehrheit der Sitze wie im Abgeordnetenhaus. Er kam auf 31,63 Prozent und 113 Sitze. Für Berlusconis Bündnis stimmten 30,72 Prozent, was 116 Sitzen entspricht. Im Senat ist Bersanis Lager also auf Partner angewiesen. Das ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil der Senat über jedes Gesetz abstimmt.

Auf Platz drei im Senat liegt die überraschend starke Protestbewegung Fünf Sterne des Komikers Beppe Grillo mit 23,79 Prozent und 54 Sitzen. Auf dem vierten Platz folgt der scheidende Regierungschef Mario Monti, der mit seinem Bündnis der Mitte 9,13 Prozent der Stimmen und 18 Sitze erhielt.

Reichlich 75 Prozent Wahlbeteiligung

Im Abgeordnetenhaus wurde Grillos Bewegung mit 25,55 Prozent der Stimmen sogar stärkste Einzelpartei. Sie entsendet 108 Parlamentarier in diese Kammer. Montis Koalition kommt auf 10,56 Prozent und verfügt über 45 Mandate.

Das Land befinde sich in einer "sehr heiklen Lage", sagte Bersani in einer ersten Reaktion. "Wir werden die Verantwortung, die diese Wahlen uns gegeben haben, im Interesse Italiens meistern." Grillo sprach von einem "fantastischen" Ergebnis. Er sagte den etablierten Politikern voraus, dass sie nur noch "wenige Monate überstehen" würden. Monti rief die künftige Regierung auf, die von den Italienern "bereits erbrachten Opfer" nicht aufs Spiel zu setzen.

Gut 75 Prozent der wahlberechtigten Italiener hatten laut Innenministerium ihre Stimme abgegeben, 2008 waren es rund 81 Prozent gewesen. Bereits am Wahlabend hatte Bersanis Demokratische Partei (PD) das von ihr geführte Bündnis zum Sieger der Parlamentswahl erklärt.

Trotz des relativ schwachen Abschneidens seines bürgerlichen Bündnisses äußerte sich Monti positiv. "Einige sind vielleicht von einem etwas besseren Ergebnis ausgegangen, aber ich bin sehr zufrieden", sagte er.

Besonderheit im Wahlsystem

Für die drittgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone und die gesamte Währungsgemeinschaft ging es bei der vorgezogenen zweitägigen Parlamentswahl um den künftigen Regierungskurs in der Krise: Entscheidend ist, ob das hoch verschuldete Land rasch eine stabile Regierung bekommt.

Angesichts des unklaren Wahlausgangs reagierten die Märkte negativ. An der Wall Street brachen die Indizes ein, in Tokio schloss der Nikkei-Index mit 2,26 Prozent weniger ebenfalls deutlich im Minus.

Die Wahl war notwendig geworden, weil der parteilose Regierungschef Monti zurücktrat. Staatschef Giorgio Napolitano hatte daraufhin im Dezember das italienische Parlament aufgelöst. Die Euro-Staaten sowie die Finanzmärkte befürchteten, dass sich bei einem Wahlsieg Berlusconis die Schuldenkrise wieder verschärfen könnte. Er hatte im Wahlkampf starke Steuererleichterungen versprochen. Bersani kündigte dagegen an, den Reformkurs der bisherigen Regierung fortzusetzen. Monti hatte Italien im Bemühen um die Sanierung der Staatsfinanzen einem harten Sparkurs unterworfen.