Rätselhafter TodIsrael erwägt Ermittlungen im Fall des "Gefangenen X"

Der Tod eines mutmaßlichen Geheimagenten in einem israelischen Gefängnis beschäftigt nun die Behörden. Es ist die Rede von "möglicher Fahrlässigkeit".

Das Ayalon-Gefängnis bei Tel Aviv, in dem der Häftling einsaß

Das Ayalon-Gefängnis bei Tel Aviv, in dem der Häftling einsaß  |  © Nir Elias/Reuters

Das israelische Justizministerium erwägt strafrechtliche Ermittlungen im Fall des Häftlings, der 2010 in einem israelischen Gefängnis Selbstmord begangen haben soll. Es soll sich bei dem Mann laut Medienberichten um einen mutmaßlichen Mossad-Agenten mit australisch-israelischer Staatsbürgerschaft handeln. Die Richterin, die den Fall untersuchte, leitete ihren Abschlussbericht wegen "möglicher Fahrlässigkeit" an die Staatsanwaltschaft weiter.

Aus Sicht eines Mitarbeiters im Justizministerium ist damit klar, dass der Fall nicht einfach zu den Akten gelegt wird: "Wenn sie nichts Verdächtiges herausgefunden hätte, hätte sie den Fall nicht an uns abgegeben", zitierte die Zeitung Jediot Achronoteinen ungenannten Mitarbeiter des Ministeriums in Jerusalem.

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Israel hatte die Existenz des "Gefangenen X" erst am Mittwoch bestätigt. Demnach ist er Israeli mit ausländischem Pass. Australische Medien hatten den Fall aufgedeckt. Einheimische Medien sind in Israel gehalten, über Geheimdienstangelegenheiten im Interesse der nationalen Sicherheit gar nicht zu berichten. Premier Benjamin Netanjahu hatte noch am Dienstag prominente Medienvertreter zu sich geladen. Er soll sie aufgefordert haben, den Fall des Häftlings zu ignorieren, damit Israels Ansehen keinen Schaden nehme, berichteten Medien.

Tod durch Ersticken

Laut australischen Medien ist der Häftling Ben Zygier. Vor zwölf Jahren wanderte er demnach nach Israel aus. Er soll seinen Namen in Ben Alon geändert und für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet haben. Einem ungenannten australischen Sicherheitsverantwortlichen zufolge gab er Informationen über israelische Geheimdienstoperationen weiter. Dabei nutzte er gefälschte australische Pässe. Spekuliert wird darüber, dass er als Doppelagent gearbeitet haben könnte. Der Fall dürfte das Verhältnis der israelischen und australischen Geheimdienstler belasten.

Was Zygier in Haft vorgeworfen wurde, ist unbekannt. Laut der Berichte steht er im Verdacht, an der Ermordung des Hamas-Chefs Mahmoud Al-Mabhouh 2010 in den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt gewesen zu sein. Eine andere Spur führt in den Iran: Gemeinsam mit zwei weiteren Australiern, die ebenfalls israelische Staatsbürger waren, soll Zygier laut Guardian in Europa im Auftrag des Mossad eine Scheinfirma gegründet haben, um elektronische Bauteile in den Iran zu verkaufen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, tst
  • Schlagworte Israel | Tod | Justizministerium | Benjamin Netanjahu | Medien | Ermittlung
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