Der zyprische Präsidentschaftskandidat Nikos Anastasiades ©REUTERS/Yorgos Karahalis

Vor dem Hintergrund eines drohenden Staatsbankrotts wählen die Zyprer einen neuen Staatspräsidenten. Als Favorit der Wahl gilt der Chef der konservativen Oppositionspartei Disy, Nikos Anastasiades. Er soll nach Umfragen mehr als 40 Prozent der Stimmen bekommen. Demoskopen halten einen Sieg von Anastasiades schon in der ersten Runde durchaus für möglich.

Zwei Gegenkandidaten liefern sich nach Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug in eine mögliche Stichwahl. Es sind der linke Politiker Stavros Malas, der von der regierenden kommunistischen Partei Akel unterstützt wird, und der Vertreter der politischen Mitte, Giorgos Lillikas. Sie kommen in Umfragen jeweils auf rund 20 Prozent.

Die Wahllokale sind seit Sonntagmorgen geöffnet und sollen um 18 Uhr Ortszeit (17 MEZ) schließen. Sollte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erzielen, ist für den 24. Februar eine Stichwahl vorgesehen. Insgesamt sind 550.000 Zyprer zur Wahl aufgerufen.

Der amtierende Präsident, der Kommunist Dimitris Christofias, tritt nicht erneut an. Als Grund für seinen Rückzug nannte er die festgefahrenen Verhandlungen zwischen griechischen und türkischen Zyprern über eine Wiedervereinigung des Landes.

Troika prüft Folgen einer Pleite Zyperns

Hauptaufgabe des neuen Präsidenten wird es sein, den drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Zypern braucht dringend Finanzhilfen, nach eigenen Angaben sind rund 17 Milliarden Euro nötig. Das Land hatte bereits im Juni Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds erbeten, der Antrag ist jedoch umstritten. Zypern wird besonders von Deutschland vorgeworfen, nicht entschieden gegen Steuerbetrug und Schwarzgeld etwa aus Russland vorzugehen.

Inzwischen prüfen laut einem Bericht der Bild-Zeitung die möglichen Geldgeber, welche Folgen eine Pleite Zyperns haben würde. Die Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) hätte dafür ein Szenario durchgerechnet.

Betroffen wäre demnach vor allem Griechenland. Dort unterhalten mehrere zyprische Großbanken ein Filialnetz mit mehr als zehn Prozent der griechischen Spareinlagen. Ohne Hilfsgeld würden diese Banken pleitegehen. Banken anderer Euro-Staaten wären dagegen kaum betroffen. Die Berechnungen der Troika gehen laut Bild unter anderem auf Druck der Bundesregierung zurück.