Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, Premier David Cameron und Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf (von links), die drei Co-Leiter des Post-2015-Panels (London 2012) ©  WPA Pool/Getty Images

Es ist nicht ganz neu, dass Großbritannien sich international in einer besonderen Position sieht. Die vergangenen Monate haben erneut Beispiele dafür geliefert. Premier David Cameron etwa war im vergangenen Jahr seiner Nominierung durch den Generalsekretär als einer der drei Co-Leiter des hochrangigen UN-High Level Panels zuvorgekommen. Cameron unterstellte, dass Ban Ki Moon ihn sowieso vorschlagen werde. Das Panel soll über ein Folgeabkommen der Millenniumentwicklungsziele (Post-2015) beraten.

Führungsansprüche in internationalen Debatten meldete der britische Premier dann deutlich vergangenen November im Wall Street Journal an. Ohne falsche Bescheidenheit positionierte Cameron dort die Rolle Großbritanniens in Sachen globaler Armutsbekämpfung und Entwicklungszusammenarbeit als herausragend und fordert Britian’s leadership auch zukünftig ein: "Unsere Erfahrung mit Entwicklungszusammenarbeit gibt uns auch die Legitimität, einen völlig neuen Ansatz zur Bekämpfung der Ursachen von Armut anzuführen."

Nun hat sich Großbritannien in den vergangenen Jahren in der Entwicklungspolitik durchaus Verdienste erworben. Die britische Entwicklungsagentur DFID zählt international zu den schlagkräftigsten Organisationen ihrer Art. Großbritannien liegt bei den Leistungen für Entwicklungszusammenarbeit im vorderen Bereich. Das Land ist unter den Gebern – derzeit nach den USA und Deutschland – der drittgrößte Zahler für Entwicklungszusammenarbeit; gemessen an seiner wirtschaftlichen Leistungskraft belegt das Land den sechsten Platz unter den Gebern.

Vorrang traditioneller Ansätze

Uneigennützig ist die britische Hilfe jedoch nicht, sie dient etwa dem Erhalt britischer Einflusssphären. Und dort, wo sie einen wichtigen Beitrag für mehr Wirksamkeit leisten könnte – nämlich bei der Überwindung zersplitterter Geberstrukturen durch eine stärkere Europäisierung der Entwicklungszusammenarbeit – folgt die britische Hilfe dem europaskeptischen Gesamtkurs der britischen Politik und bremst so eine effektive gemeinsame Hilfe aus.

Dennoch: Gerade in der Debatte über mehr Wirksamkeit in der Entwicklungszusammenarbeit (aid effectiveness) hat Großbritannien in früheren Jahren entscheidende Impulse gegeben. Diese positiven Akzente drohen heute durch lautstark erhobene Führungsansprüche verloren zu gehen. Dabei geht es vor allem um zwei Prozesse, die derzeit mit einer britischen Führungsrolle verbunden sind: (1) Das bereits genannte Panel für Post-2015 und (2) die sogenannte Globale Partnerschaft für Entwicklungswirksamkeit.

Für das globale Post-2015-Rahmenwerk hält sich Großbritanniens Premier an altbekannte Maxime: Wachstum hat Vorrang und Armutsbekämpfung wird in Entwicklungsländern mithilfe der Geber unterstützt. Unbestritten ist wirtschaftliches Wachstum eine zentrale Voraussetzung für die Beseitigung von Armut und in vielen Ländern wird auch Entwicklungszusammenarbeit ihre Rolle behalten. In internationalen Debatten fragt man sich jedoch: Welchen Sinn hat eine solche globale Agenda noch für Schwellenländer? Eine bevormundende traditionelle Armutspolitik dürfte hier auf wenig Gegenliebe treffen.