USANorth Dakota verbietet Abtreibung ab der 6. Schwangerschaftswoche

Sobald der fetale Herzschlag gehört werden kann, dürfen Frauen in North Dakota nicht mehr abtreiben. Auch nicht mit der Begründung eines genetischen Defekts beim Baby.

Der US-Bundesstaat North Dakota hat das strengste Abtreibungsrecht des Landes erlassen. Gouverneur Jack Dalrymple unterschrieb ein Gesetz, das Frauen einen Schwangerschaftsabbruch verbietet, sobald der fetale Herzschlag gehört werden kann, berichtete die USA Today

Der Herzschlag beim Fötus kann knapp sechs Wochen nach der Empfängnis vernommen werden. Auch Abtreibungen mit der Begründung eines genetischen Defektes beim Baby sind künftig nicht mehr erlaubt.

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Juristen rechnen damit, dass das Gesetz aus North Dakota verfassungswidrig ist. Der Oberste Gerichtshof in den USA hatte 1973 beschlossen, dass eine Abtreibung möglich ist, bis der Fötus außerhalb des Mutterleibs lebensfähig ist. Das ist in der Regel nach der 24. Schwangerschaftswoche der Fall.

Frauenrechtlerinnen kritisieren das Gesetz, weil es die Gesundheit von Frauen gefährde. Viele würden zu illegalen, geheimen Abtreibungen gezwungen und könnten damit ihr Leben riskieren. Die Gruppe Naral Pro-Choice America kritisierte, dass die neue Vorschrift keine Ausnahmen für Vergewaltigungsopfer und bei Inzestfällen mache.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 27. März 2013 9:41 Uhr

    Im Grunde ist das konsequent. Bei der Abtreibung wird eben ein menschliches Wesen geötet.

    Warum und wieso, aus "Notwehr" wegen Gefahr für die Mutter, wegen Vergewaltigung oder zur Verhinderung solcher Tötungen im nicht kontrollierbaren und mit Gefahren verbunden Bereich oder "mein Bauch gehört mir" sind doch ein gesellschaftlich bewertete Motive und Aspekte persönlicher Ansichten.

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  1. 2. Frage:

    Kann man zu einer Abtreibung nicht einfach den Bundesstaat "wechseln"?

  2. Gerade den Herzschlag bzw. den cardiovaskulären Entwicklungsstand des Fötus als Grenze für den Geltungsbereich der Menschenrechte zur Rate zu ziehen, scheint mir äusserst willkürlich bzw. der Sentimentalität geschuldet. Die Grenze, die der Supreme Court 1973 setze, scheint mir sowohl aus biomedizinischer als auch aus ethischer Sicht vernünftiger.

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    • TDU
    • 27. März 2013 14:03 Uhr

    Zit.: "Gerade den Herzschlag bzw. den cardiovaskulären Entwicklungsstand des Fötus als Grenze für den Geltungsbereich der Menschenrechte zur Rate zu ziehen, scheint mir äusserst willkürlich bzw. der Sentimentalität geschuldet."

    Welch eine arrogante und auch "dumme" Auffassung in dieser Absolutheit. Übersieht sie doch die Möglichkeit zu Zwangsabtreibungen da, wo es nicht so rechtstaatlich zugeht wie hierzulande. Eine "freiwillige" Entscheidung lässt sich auch da herbeiführen.

    Und Sentimentalität zu vermuten, haut allen den Frauen eins auf den Kopf, für die Abtreibung beileibe nicht nur ein medizinischer Eingriff ist.

    Zit: "Die Grenze, die der Supreme Court 1973 setze, scheint mir sowohl aus biomedizinischer als auch aus ethischer Sicht vernünftiger." Die kenne ich nicht, aber es ist eine Frage der Bewertung.

    Was ist eigentlich mit dem Unfallopfer, dessen Herz noch schlägt, dessen Kopf sich aber im komatösen Zustand befindet und ein willkürliches am Leben erhalten das Leben der Angehörigen beeinträchtigen würde und die Familie schlicht finanziell ruinieren könnte?

    Abschalten. Der Herzschlag allein wäre doch als Kriterium fürs Leben unvernünftig. Aber gerne, das Krankenhaus ist eh voll.

    Ganz abgesehen davon, dass das Herzt nicht nur in christlichen Gesellschaften immer mehr war als nur ein Organ. Aber vermutlich alles Chemie, das "gebrochene Herz".

    Mein Kritik gilt nicht Ihrer Einstellung, sondern Ihrer Vereinfachung durchaus komplizierter Probleme.

  3. Eine wahllose Frist von 3 Monaten und akzeptierte Spätabtreibungen, das ist eine miserable Regelung. Wir brauchen klare biologische Kennziffern, ab wann ein Fötus unter den Schutz des Staates fällt. Der erste eigene Herzschlag scheint mir ein interessanter Zeitpunkt dafür zu sein, kann man ihn doch auch relativ einfach messen.

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    Der Herzton sagt rein gar nichts aus über ein Menschenleben oder Nicht-Leben. Im Grunde gibt es sogar vom Körper selbst vorgenommene Spätabtreibungen, wenn dieser den Fötus abstößt.

    Und hier beginnt das Problem: Wenn so etwas passiert, raten Sie mal wie schnell fundamentalistische Vollidioten schreien: "Absicht! Bringt sie in den Knast!" Das heißt es können unschuldige Frauen einfach Marke "Hexenjagd" eingesperrt werden.

    Das ist das eine Problem, das andere ist, dass solche Leute, die solche Gesetze machen (wie Sie es dann auch bevorzugen) nicht mal ansatzweise Ahnung haben wie der Verlauf einer Schwangerschaft ist, wie die Entwicklung einer Zygote hin bis zur Geburt ist (höchstens nach dem Motto: "Da verschmilzt was und zack! Leben ist da und Mensch ist auch da") und damit jegliches Wissen über die Entwicklung in der Gebärmutter verleugnen. Wenn Leute Gesetze machen, die keine Ahnung von der Materie haben - dann ist es willkürlich. Und die Abmessung der Herztöne ist verdammt willkürlich.

    Am Ende beschweren sich dann alle wie bei der verstorbenen Frau in Irland warum niemand ihr geholfen hat - aber hier greift dann die Willkür: Das Leben eines Embryo ist mehr wert als das eines bereits lebenden Menschen (ohne den ein Embryo im Übrigen auch nicht leben kann).
    Auch Spätabtreibungen haben einen Sinn: oftmals bedeutet dies nämlich auch eine gefährliche Schwangerschaft für eine Frau - aber wie gesagt, am lautesten sind die, die leider von der Materie keine Ahnung haben.

  4. Der Herzton sagt rein gar nichts aus über ein Menschenleben oder Nicht-Leben. Im Grunde gibt es sogar vom Körper selbst vorgenommene Spätabtreibungen, wenn dieser den Fötus abstößt.

    Und hier beginnt das Problem: Wenn so etwas passiert, raten Sie mal wie schnell fundamentalistische Vollidioten schreien: "Absicht! Bringt sie in den Knast!" Das heißt es können unschuldige Frauen einfach Marke "Hexenjagd" eingesperrt werden.

    Das ist das eine Problem, das andere ist, dass solche Leute, die solche Gesetze machen (wie Sie es dann auch bevorzugen) nicht mal ansatzweise Ahnung haben wie der Verlauf einer Schwangerschaft ist, wie die Entwicklung einer Zygote hin bis zur Geburt ist (höchstens nach dem Motto: "Da verschmilzt was und zack! Leben ist da und Mensch ist auch da") und damit jegliches Wissen über die Entwicklung in der Gebärmutter verleugnen. Wenn Leute Gesetze machen, die keine Ahnung von der Materie haben - dann ist es willkürlich. Und die Abmessung der Herztöne ist verdammt willkürlich.

    Am Ende beschweren sich dann alle wie bei der verstorbenen Frau in Irland warum niemand ihr geholfen hat - aber hier greift dann die Willkür: Das Leben eines Embryo ist mehr wert als das eines bereits lebenden Menschen (ohne den ein Embryo im Übrigen auch nicht leben kann).
    Auch Spätabtreibungen haben einen Sinn: oftmals bedeutet dies nämlich auch eine gefährliche Schwangerschaft für eine Frau - aber wie gesagt, am lautesten sind die, die leider von der Materie keine Ahnung haben.

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  5. 6 Wochen sind zu wenig. In Anbetracht der Tatsache, daß viele Frauen auch nach der Empfängnis noch mindestens eine Regelblutung haben, bleibt die Schwangerschaft im ersten Monat oft unbemerkt.

    Erst bei Ausbleiben der nächsten Periode wird Frau dann stutzig, macht einen Schwangerschaftstest und dann ist es zu spät. Es ist ja nicht so, daß man parallel die Familienplanung durch gescheite Empfängnisverhütung erleichtern würde.

    Aber was erwartet man von einem Land, in dem evangelikale Reaktionäre in öffentlichen Schulen lehren, daß das Loch Ness Monster die Evolutionstheorie widerlegt.

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    • TDU
    • 27. März 2013 14:03 Uhr

    Zit.: "Gerade den Herzschlag bzw. den cardiovaskulären Entwicklungsstand des Fötus als Grenze für den Geltungsbereich der Menschenrechte zur Rate zu ziehen, scheint mir äusserst willkürlich bzw. der Sentimentalität geschuldet."

    Welch eine arrogante und auch "dumme" Auffassung in dieser Absolutheit. Übersieht sie doch die Möglichkeit zu Zwangsabtreibungen da, wo es nicht so rechtstaatlich zugeht wie hierzulande. Eine "freiwillige" Entscheidung lässt sich auch da herbeiführen.

    Und Sentimentalität zu vermuten, haut allen den Frauen eins auf den Kopf, für die Abtreibung beileibe nicht nur ein medizinischer Eingriff ist.

    Zit: "Die Grenze, die der Supreme Court 1973 setze, scheint mir sowohl aus biomedizinischer als auch aus ethischer Sicht vernünftiger." Die kenne ich nicht, aber es ist eine Frage der Bewertung.

    Was ist eigentlich mit dem Unfallopfer, dessen Herz noch schlägt, dessen Kopf sich aber im komatösen Zustand befindet und ein willkürliches am Leben erhalten das Leben der Angehörigen beeinträchtigen würde und die Familie schlicht finanziell ruinieren könnte?

    Abschalten. Der Herzschlag allein wäre doch als Kriterium fürs Leben unvernünftig. Aber gerne, das Krankenhaus ist eh voll.

    Ganz abgesehen davon, dass das Herzt nicht nur in christlichen Gesellschaften immer mehr war als nur ein Organ. Aber vermutlich alles Chemie, das "gebrochene Herz".

    Mein Kritik gilt nicht Ihrer Einstellung, sondern Ihrer Vereinfachung durchaus komplizierter Probleme.

    Antwort auf "Kommentar"
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    "Welch eine arrogante und auch "dumme" Auffassung in dieser Absolutheit. Übersieht sie doch die Möglichkeit zu Zwangsabtreibungen da, wo es nicht so rechtstaatlich zugeht wie hierzulande. Eine "freiwillige" Entscheidung lässt sich auch da herbeiführen.

    Inwiefern hat dies mit der Frage zu tun, bis zu welchem Zeitpunkt eine Abtreibung erlaubt sein sollte.

    "Und Sentimentalität zu vermuten, haut allen den Frauen eins auf den Kopf, für die Abtreibung beileibe nicht nur ein medizinischer Eingriff ist."

    Darum geht es hier schlichtweg nicht; es geht darum zu ermitteln wann ein sich entwickelnder Mensch seine Menschenrechte (inklusive Recht auf Leben) erhalten sollte. Das ist primär eine Frage der Ethik und sekundär eine Frage der Biologie.

    "Was ist eigentlich mit dem Unfallopfer, dessen Herz noch schlägt, dessen Kopf sich aber im komatösen Zustand befindet und ein willkürliches am Leben erhalten das Leben der Angehörigen beeinträchtigen würde und die Familie schlicht finanziell ruinieren könnte?"

    Das ist eine bioethische Frage deren Antwort hier schlichtweg aus dem Rahmen fällt. Das ändert allerdings nicht daran, dass zum Beispiel v.a. die neuronale Aktivität ein weitaus besserer Indikator für menschliches (Über-)Leben ist. Warum den Herzschlag wählen und nicht sagen wir die renale Aktivität - beides sind nur Indikatoren von sich im Fetus/Embryo entwickelnen physiologisches Prozessen, die wir jedoch bei allen Säugern vorfinden.

    "Ganz abgesehen davon, dass das Herzt nicht nur in christlichen Gesellschaften immer mehr war als nur ein Organ. Aber vermutlich alles Chemie, das "gebrochene Herz"."

    Genau das meine ich mit Sentimentalität. Hier wird eine äusserst komplizierte bioethische Fragestellung auf unsinnige Symbolismen ("Das Herz als Symbol des Lebens") reduziert. Einer kritischen Überprüfung der bioethischen Umstände und der damit verbundenen biomedizinischen Fakten hält dieses Argument nämlich nicht stand.
    Sie dürfen mich allerdings gerne überzeugen: warum gerade der Herzschlag?

    • TDU
    • 27. März 2013 14:11 Uhr

    Zit.: "aber wie gesagt, am lautesten sind die, die leider von der Materie keine Ahnung haben."

    Na die Kritker abwürgen?. Zu Beginn der Debatte waren die am lautesten, die Abtreibung wollten. Ob die nun die medizinischen Kenntnisse gehabt haben, die Sie verlangen darf bezweifelt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Baby | Gesundheit | USA
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