Immerhin, ein Bauwerk ist in Changsha fertig: ein 32 Meter hoher Kopf. Der Steinklotz ragt von der Spitze der Orangeninsel aus in den Xiang-Fluss und soll das jugendliche Antlitz von Chinas einstigem Revolutionsführer Mao Zedong darstellen, wie er verträumt in Richtung der Yuelu-Berge schaut.

Mao war einst als Student in Changsha. In dieser Zeit soll er zum Kommunismus konvertiert sein. Die Stadtoberen von heute sind stolz darauf, 2009 ließen sie die gigantische Statue errichten. Von beiden Uferseiten aus gesehen, ist der Steinkopf nun der zentrale Blickfang – zumal der Rest der Stadt eine einzige Baustelle ist.

Es gibt wahrscheinlich keine Stadt auf der Welt, in der so viele neue Wolkenkratzer hochgezogen werden wie derzeit in der Sieben-Millionen-Metropole Changsha, Hauptstadt der südchinesischen Provinz Hunan. 800 Hochhäuser seien in den vergangen Jahren errichtet worden, heißt es auf der offiziellen Website der Stadt. Mehr als 200 befänden sich noch im Bau. "Changsha hat eben Nachholbedarf", sagt der Taxifahrer Zhou Qifen. 

Bis heute ist Hunan die Provinz, aus der die meisten Wanderarbeiter kommen. Weil bei mehr als 100 Millionen Einwohner nicht genug Agrarland für alle da ist, zogen vor allem in den Neunziger- und Nullerjahren Millionen ins prosperierende Perflussdelta in Chinas Südprovinz Guangdong. Seit sich China vor 30 Jahren wirtschaftliche öffnete, hat schätzungsweise jeder vierte Hunaner schon mal am Perflussdelta gearbeitet, der "Werkbank der Welt". Es waren vor allem Menschen aus Hunan, die lange Zeit die Nike- und Adidas-Schuhe für den Weltmarkt nähten, iPhones zusammenschraubten und den Barbie-Puppen die blonden Haare verpassten.

Doch seit Kurzem kehrt sich die Entwicklung um. Die Löhne am Perflussdelta steigen – gerade so viel, dass immer mehr Unternehmer ihre Produktionsstätten ins chinesische Binnenland verlagern oder gleich nach Vietnam und Bangladesch. Für die Wanderarbeiter aber eben nicht stark genug, um in einer der verbliebenen Fabriken am Delta zu bleiben. Denn die Lebenshaltungskosten sind ebenfalls in die Höhe geschossen. "Viele Wanderarbeiter kehren nach Hunan zurück", sagt Taxifahrer Zhou, der selbst viele Jahre lang in Guangzhou gearbeitet hat. Und für die Heimkehrer würden nun in Changsha neue Fabriken, Ausbildungsstätten und Wohnanlagen geschaffen.

Von Bosch bis Coca Cola sind alle da

Tatsächlich hat sich die Region um Changsha, die lange Zeit von der Landwirtschaft geprägt war, inzwischen selbst zu einer Werkbank entwickelt. Baumaschinenhersteller Sany, weltweit die Nummer sechs der Branche und seit einiger Zeit auch Eigentümer des deutschen Traditionsunternehmens Putzmeister, hat seinen Hauptsitz in Changsha. Apple-Zulieferer Foxconn hat eine Großfabrik für mehrere Zehntausend Arbeiterinnen und Arbeiter errichtet, ebenso Bosch, Coca Cola, Hitachi und Mitsubishi.

Im Jahr 2001 lagen die Auslandsinvestitionen gerade einmal bei rund 500 Millionen US-Dollar, seither sind auf mehr als das Fünffache gestiegen. Allein im vergangenen Jahr legte die Wirtschaftsleistung um 14,5 Prozent zu, fast doppelt so viel wie im Rest des Landes.

Die Provinzregierung will auch den Forschungssektor weiter ausbauen. 50 Universitäten und Hochschulen mit mehr als einer halben Million Studenten sowie rund 100 Forschungsinstitute zählt die Stadt bereits. In den nächsten Jahren sollen weitere 100 dazukommen.