Ein Panzer auf der IDEX 2013. Die größte Messe für Staatssicherheit und Rüstungsgüter im Nahen Osten findet alle zwei Jahre in Abu Dhabi statt. © DPA/Ali Haider

Amerikanische Rüstungstechnik made in China? Verwundert schaute mancher Besucher der Rüstungsmesse International Defence Exhibition & Conference (Idex) auf einen gepanzerten Jeep am Stand des Konzerns China North Industries Corporation (Norinco) an. Das Fahrzeug erinnert stark an einen Geländewagen des US-Militärs, den HMMWV. Der Jeep sei eine eigene Entwicklung, versicherte jedoch ein Norinco-Mitarbeiter. Alles am Stand sei made in China.

Norinco bezeichnet sich selbst als global führendes Unternehmen bei Waffensystemen fürs Heer. Das Unternehmen präsentierte auf der Idex in Abu Dhabi außerdem einen Raketenwerfer, der mit einem von Lockheed Martin entwickelten System vergleichbar sein soll, und ein unbemanntes Flugzeug, das wie die amerikanische Predator-Kampfdrohne aussieht.

Der Pavillon der "China Defence Industry" zog auf der Messe im Februar viele Besucher an, das Interesse an chinesischen Rüstungsgütern war nicht nur auf der Idex groß. Erstmals seit Ende des Kalten Krieges gehört China zu den fünf größten Rüstungsexporteuren der Welt. Nach Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri, die an diesem Montag veröffentlicht wurden, lag China zuletzt mit einem Anteil von 5 Prozent hinter den Vereinigten Staaten (30 Prozent), Russland (26), Deutschland (7) und Frankreich (6). China verdrängte damit Großbritannien aus der Rangliste.

Längst überzeugt die chinesische Rüstungsindustrie ihre ausländischen Kunden nicht mehr nur mit günstigen Preisen. Auch die Technik wird besser. China baute lange Zeit vor allem ausländische Waffensysteme nach – meist illegal. Chinas Geheimdiensten wird immer wieder vorgeworfen, gezielt ausländische Rüstungsunternehmen auszuspionieren. So stellt der Bundesverfassungsschutz fest, dass sich die Geheimdienste besonders für "sicherheitspolitische Aspekte sowie konkrete rüstungsspezifische Informationen" interessieren. China gehe es vor allem um die Modernisierung der eigenen Armee. Jüngst berichteten amerikanische Medien über Cyberangriffe auf die Netzwerke amerikanischer Rüstungsunternehmen. Die Hacker sollten in China sitzen und für den Staat arbeiten.

Pakistan gehört zu Chinas größten Kunden

Wie erfolgreich die chinesische Industrie beim Nachbauen ist, zeigt sich beim J-31-Jet, der über Stealth-Technik verfügt. Radaranlagen können solche Flieger kaum orten. Ende 2012 testete die chinesische Luftwaffe den J-31. Experten fiel sofort auf, dass die Maschine wie eine Kopie der amerikanischen F-22 aussieht, die von Lockheed Martin gebaut wird. Zudem arbeiten chinesische Entwickler an neuen Kampfhubschraubern, die dem Modell Tiger gleichen sollen, die Eurocopter unter anderem für die Bundeswehr baut.

China kopiert mittlerweile zum Teil aber auch ganz legal. So sind die Harbin-Z-9 Helikopter eine Lizenzfertigung des Eurocopter Modells AS 365 Dauphin. Jüngst hat China zwölf dieser Helikopter an Kambodscha verkauft, vier davon als Angriffsversion mit Anti-Panzer-Raketen.

Der Aufstieg Chinas als Waffenexporteur sei jedoch vor allem auf Verkäufe an Pakistan zurückzuführen, sagt Paul Holtom von Sipri. Rund 55 Prozent der chinesischen Exporte gingen von 2008 bis 2012 dorthin. Die Regierung in Islamabad rüstet seit Jahrzehnten gegen den Nachbarn Indien auf. So kaufte sie in China zuletzt 77 Kampfjets vom Typ JF-17, drei F-22P-Fregatten und 285 MBT-2000-Panzer, die teilweise in Pakistan in Lizenz nachgebaut wurden. Außerdem orderte das pakistanische Militär eine große Anzahl Raketen für den Luftkampf, den Angriff auf Bodenziele, zum Zerstören von Panzern und zur Abwehr feindlicher Bomber.