Großbritannien und möglicherweise auch Frankreich wollen nach Informationen des Spiegels die syrischen Rebellen militärisch ausbilden. Die EU habe den Weg für die Entsendung von Militärausbildern freigemacht, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Offiziell spreche Brüssel nur von "technischer Unterstützung". Intern hätten die EU-Staaten aber klargestellt, dass damit auch die Ausbildung von Kämpfern an Waffen gemeint sei. Die Ausbilder sollten vermutlich aus Großbritannien und Frankreich kommen. Deutschland werde keine Experten schicken, heiße es aus Kreisen der Bundesregierung. Großbritannien hatte im EU-Ministerrat auch für die Bewaffnung syrischer Rebellen geworben, sich aber nicht durchgesetzt.

Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, plädierte dem Spiegel zufolge aus strategischem Interesse des Westens für Waffenlieferungen an die Gegner Präsident Baschar al-Assads. "Bislang haben wir die Grundlage dafür gelegt, dass wir in der Nach-Assad-Welt keine Freunde mehr in Syrien haben", sagte er. Das Argument, Waffen könnten in falsche Hände gelangen, ziehe nicht. "Wenn der Westen die Waffen selbst liefert, hat er noch eher die Chance, Einfluss darauf zu nehmen, was mit ihnen passiert."

Assad kritisiert Syrienpolitik

Assad bezeichnete die Syrienpolitik der britischen Regierung in einem Interview mit der Sunday Times als "naiv, verwirrt und unrealistisch". Er warf London vor, das EU-Waffenembargo aufheben zu wollen, um die Rebellen zu bewaffnen. Britische Hilfe zur Beilegung des Konflikts lehnte er mit den Worten ab: "Wir erwarten nicht, dass ein Brandstifter zum Feuerwehrmann wird."

Einen von der bewaffneten Opposition geforderten Gang ins Exil lehnte Assad weiter ab. Es sei eine unsinnige Vorstellung, dass die Kämpfe nach seinem Abgang enden würden, sagte er der Zeitung. Dies hätten die Konflikte in Libyen, im Jemen und in Ägypten beispielhaft gezeigt. Wie jeder Patriot denke er nicht daran, außerhalb seines Landes zu leben.

Im Interview signalisierte Assad zwar Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition, lehnte Verhandlungen mit Terroristen aber ab. Es gebe politische Gruppierungen und bewaffnete Terroristen, sagte er. Voraussetzung für Gespräche seien, dass Militante ihre Waffen zuvor niederlegten.

Fast 200 Tote bei Kampf um Polizeistation

In der nordwestsyrischen Provinz Aleppo wurden bei tagelangen Gefechten um eine Polizeistation laut Oppositionsaktivisten fast 200 Menschen getötet. Unter den Toten befänden sich Rebellen wie auch Einsatzkräfte des Regimes, die in achttägigen gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden seien, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Allein am heutigen Sonntag seien mindestens 34 Soldaten getötet worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Den Angaben zufolge brachten die Rebellen die Polizeischule in Chan al-Assal nahezu vollständig unter ihre Kontrolle. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad vor knapp zwei Jahren wurden in dem Land nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 70.000 Menschen getötet.