BürgerkriegEU will syrische Rebellen militärisch ausbilden

Im Kampf gegen das Regime sollen die syrischen Rebellen von Ausbildern aus der EU unterstützt werden. Machthaber Assad vermutet eine geplante Bewaffnung des Widerstands.

Rebellen im Kampf gegen das syrische Militär

Rebellen im Kampf gegen das syrische Militär  |  © Zac Baillie/AFP/Getty Images

Großbritannien und möglicherweise auch Frankreich wollen nach Informationen des Spiegels die syrischen Rebellen militärisch ausbilden. Die EU habe den Weg für die Entsendung von Militärausbildern freigemacht, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Offiziell spreche Brüssel nur von "technischer Unterstützung". Intern hätten die EU-Staaten aber klargestellt, dass damit auch die Ausbildung von Kämpfern an Waffen gemeint sei. Die Ausbilder sollten vermutlich aus Großbritannien und Frankreich kommen. Deutschland werde keine Experten schicken, heiße es aus Kreisen der Bundesregierung. Großbritannien hatte im EU-Ministerrat auch für die Bewaffnung syrischer Rebellen geworben, sich aber nicht durchgesetzt.

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Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, plädierte dem Spiegel zufolge aus strategischem Interesse des Westens für Waffenlieferungen an die Gegner Präsident Baschar al-Assads. "Bislang haben wir die Grundlage dafür gelegt, dass wir in der Nach-Assad-Welt keine Freunde mehr in Syrien haben", sagte er. Das Argument, Waffen könnten in falsche Hände gelangen, ziehe nicht. "Wenn der Westen die Waffen selbst liefert, hat er noch eher die Chance, Einfluss darauf zu nehmen, was mit ihnen passiert."

Assad kritisiert Syrienpolitik

Assad bezeichnete die Syrienpolitik der britischen Regierung in einem Interview mit der Sunday Times als "naiv, verwirrt und unrealistisch". Er warf London vor, das EU-Waffenembargo aufheben zu wollen, um die Rebellen zu bewaffnen. Britische Hilfe zur Beilegung des Konflikts lehnte er mit den Worten ab: "Wir erwarten nicht, dass ein Brandstifter zum Feuerwehrmann wird."

Einen von der bewaffneten Opposition geforderten Gang ins Exil lehnte Assad weiter ab. Es sei eine unsinnige Vorstellung, dass die Kämpfe nach seinem Abgang enden würden, sagte er der Zeitung. Dies hätten die Konflikte in Libyen, im Jemen und in Ägypten beispielhaft gezeigt. Wie jeder Patriot denke er nicht daran, außerhalb seines Landes zu leben.

Im Interview signalisierte Assad zwar Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition, lehnte Verhandlungen mit Terroristen aber ab. Es gebe politische Gruppierungen und bewaffnete Terroristen, sagte er. Voraussetzung für Gespräche seien, dass Militante ihre Waffen zuvor niederlegten.

Fast 200 Tote bei Kampf um Polizeistation

In der nordwestsyrischen Provinz Aleppo wurden bei tagelangen Gefechten um eine Polizeistation laut Oppositionsaktivisten fast 200 Menschen getötet. Unter den Toten befänden sich Rebellen wie auch Einsatzkräfte des Regimes, die in achttägigen gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden seien, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Allein am heutigen Sonntag seien mindestens 34 Soldaten getötet worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Den Angaben zufolge brachten die Rebellen die Polizeischule in Chan al-Assal nahezu vollständig unter ihre Kontrolle. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad vor knapp zwei Jahren wurden in dem Land nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 70.000 Menschen getötet.

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Leserkommentare
  1. eine Heer von Schwerverbrechern vor Europas Türen mit Panzer-Knacker Know-How auszustatten. Der Blowback wird nicht lange auf sich warten lassen...

    22 Leserempfehlungen
    • gquell
    • 03. März 2013 13:42 Uhr

    Dann zieht sich der Konflikt noch länger hin und es sterben noch mehr unschuldige Zivilisten.
    Es ist schwer einzusehen, warum wir uns in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates einmischen sollen. Bei der Vita des Westens können Demokratie und Menschenrechte nun wirklich nicht mehr als Begründung herhalten.
    Warum wird nicht verhandelt und zwar wie sich das unter zivilisierten Menschen gehört - ohne Vorbehalte!

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    Es wird nicht verhandelt, weil mit Assad schlecht zu verhandeln ist. Und die gegenseitigen Ziele und Ansichten viel zu weit auseinander liegen, um eine Einigung zu erzielen.

    ich bin nicht nur über die europäischen Regierungen und die Presse empört, die den armen unterdrückten syrischen Frauen und Kindern nicht helfen wollen. Ich bin doch auch sehr verwundert, warum in den europäischen Großstädten keine Massendemonstrationen gegen das bestialische syrische Unrechtssystem gehalten werden. Für Homoehe und gegen Sozialkürzungen sind sich die feinen europäischen Gesellschaften aber nicht zu schade.

    Dieser Krieg muss so lange geführt werden bis das böse, blutrüstige Regime fällt, auch wenn am Ende nur 10 überleben!!!!!!!!!!

  2. Die beste westliche Intervention wäre es, die losgelassenen Hunde wieder an die Leine zu nehmen und das gleiche von Russland/Iran/China zu verlangen. Das Problem dabei ist jedoch, dass dies nicht mehr möglich ist.
    Es gibt keinerlei Kontrolle mehr über "Rebellen" und was danach folgt?
    Wie kann man ein Land nur so zu Grunde richten und diese Frage müssen sich alle Beteiligten, Regierung, Rebellen, der Osten und der Westen gefallen lassen, denn die Leidtragenden sind vor allem die Syrer, deren Wünsche komplett übergangen werden, jedoch nimmt jede Fraktion für sich in Anspruch, die Interessen eben jener zu vertreten.

    Ein Ende dieses Konflikts kann es nur noch geben in dem der Konflikt entweder ausblutet, es zu einer schlimmen humanitären Katastrophe kommt (dazu muss man nur fleißig weiter Waffen ins Land bringen) oder aber die externen Einflüsse für eine wirkliche diplomatische Lösung genutzt werden. Also kein Öl mehr ins Feuer gießen.

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  3. mit Waffenexporte, Ausbilder und alles was mit dem Militär und töten zu tun hat.

    "Bislang haben wir die Grundlage dafür gelegt, dass wir in der Nach-Assad-Welt keine Freunde mehr in Syrien haben",
    Eine Grundlage wäre jetzt:
    Humane Unterstützung der Zivilbevölkerung, Krankenhäuser, Zelte, Wasser, Asyl.

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  4. Ausbilder aus Frankreich??? Ernsthaft jetzt? Damit sie in Syrien die Dschihadisten ausbilden welche sie in Mali grade bekämpfen? Das ganze ist an Irrsinn kaum noch zu überbieten. Ich hoffe das die EU möglichst bald ihre Quittung - zumindest auf politischer Ebene - erhält und dem ganzen Zirkus ein Ende gesetzt wird. Mir fehlen mittlerweile nur noch die Worte.

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    möglicherweise. Es formiert sich gerade hochkarätiger politischer Widerstand in Form einer neuen Partei, wird leider nur wieder totgeschwiegen in der dt. Medienlandschaft, außer von der FAZ. Vielleicht die erhoffte Alternative?

    http://www.faz.net/aktuel...

    Hier versteckt Frankreich seine Ziele als EU Aussenpolitik. Man stelle sich vor, arabische Staaten unterstuetzen einen innerstaatlichen Konflikt in der EU ganz offiziel und gegen internationales Recht - das Geschrei waere ohrenbetaeubend!

    Mit dieser EU will ich nichts mehr tun haben.

    > Ausbilder aus Frankreich??? Damit sie in Syrien die
    > Dschihadisten ausbilden welche sie in Mali grade bekämpfen?

    Wenn jemand Waffen hergibt, ist die Kontrolle, wer die Waffen erhält, nicht gegeben.

    Wenn jemand Kämpfer ausbildet, kann er sich immer noch selbst entscheiden, wen genau er ausbildet. Wenn die Franzosen freiwillig Djihadisten ausbilden, wären sie dumm. Wenn die Franzosen nicht in der Lage sind, die 10% Djihadisten von den 90% nicht-Djihadisten auf Seiten der Kämpfer gegen Assad zu unterscheiden, wären sie blind.
    Ich möchte ihnen weder das eine noch das andere utnerstellen.

  5. jetzt aus strategisch politischen Kalkül zu handeln? Millitärausbilder nützen nichts und heizen den Krieg an. Besser wäre eine Beobachtermission unter der Federführung der Arabischen Liga inder auch Saudi Arabien und Katar ihre Bewaffneten zurückpfeifen müssten.
    Die Vorletzte Münchner Sicherheitskonferenz führte meines erachtens erst mit zu der Bewaffnung der Opposition durch Saudi Arabien und Katar und dieses Denken führt nur zu weiteren Eskalation des Konfliktes.
    Verhandlungen stellen keine Niederlage dar und selbst wenn der Westen sich es mit beiden Parteien verbockt hat, gibt es noch die Syrische Bevölkerung die diese Politik der Nichteinmischung die man betreibt wohl noch am meisten begrüßen. Wir sollten mit unseren Partnern Saudi Arabien und Katar brechen und diese Auffordern ihre Waffenlieferungen einzustellen und Verhandlungen voranzutreiben. Auch sollte eine Beobachtermission die in den relativ sicheren Gebieten aggiert vielleicht in betracht gezogen werden, die zumindest am anfang große erfolge von Seiten der Arabischen Liga zu verbuchen hatte und wenn man sich nicht entschlossen hätte diese zurückzuziehen und Waffen zu liefern womöglich auch erfolg gehabt hätte. Fehler passieren, aber man sollte diese nicht wiederholen indem man nun mit Millitärausbildern auf einen Sturz des Regimes setzt, wo spätestens 2014 Wahlen sind.

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  6. was man mit Millitärausbildern erreichen will? Am Ende greifen doch nur noch mehr Menschen die sich so zurückziehen und abwarten zu den Waffen und gehen in den Tod.

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  7. Wenn man mit westlichen Ausbildern Einigkeit in der Opposition erreichen würde und entgegenkommen in Form von Verhandlungen, wäre das ja wünschenswert, das ist aber dann wohl eher wunschdenken und wir würden uns wohl noch mehr in diesen Konflikt verstricken.
    Meines erachtens sollte über solche Schritte erst nach Verhandlungen nachgedacht werden und dann mit Rückendeckung von Russland. So Reihen wir uns in die parteiischen Kräfte wie dem Iran, Saudi Arabien und Katar ein und verfolgen eine Geostrategische Linie, auf der Syrien wohl auch kaum zu stabilität zurückfinden kann.

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    Seit über 2 Jahren führt man Verhandlungen durch - mit dem Ergebnis dass Russland munter weiter Waffen und Munition an Assad liefert und die USA und alle westlichen Initiativen blockiert, wo es nur kann (was m.M.n eine Strategie ist, die in die Sackgasse führt und überhaupt keinen Weitblick beweist.)
    Es gibt halt gemeinsame Interessen mit Katar und Saudi-Arabien und dazu gehört, den Assad und sein System wegzukriegen. Das sollten sie akzeptieren.

    Fazit: Die FSA sollte bewaffnet werden - hätte man das eher gemacht, wäre Aleppo längst in der Hand der Rebellen und man würde nun vor den Toren von Damaskus stehen.

    So wie man hört, hätte Assad nicht so lange durchgehalten wegen der tatkräftigen Beihilfe der Iraner...aber auch das wird letztlich nichts mehr nützen. Nur das der Bürgerkrieg künstlich in die Länge gezogen worden ist.

    Und Stabilität können nur die Syrer selbst erreichen - nach der Entmachtung des Assad-Systems und einer gewissen Phase des Chaos werden geordnete Umstände eintreten, weil in Syrien sind die Menschen ziemlich urbanisiert und die Erfahrungen des "Stahlbades" des Bürgerkreiges wird sein übriges getan haben - außerdem wartet mit der Türkei als boomende Wirtschaftsmacht eine freundlich gesinnter Staat den Handel auszuweiten.

    Jedenfalls: Nichts im Nahen Osten ist schwarz und weiss und schon garnicht einfach.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Bundesregierung | Europäische Union | Vereinte Nationen | Ausbildung | EU-Ministerrat | Exil
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