IrakkriegAmerika verdrängt die Ära Bush

Der Einmarsch in den Irak jährt sich zum zehnten Mal, doch die USA würden das Thema am liebsten vergessen. Daran ändern auch Folter-Enthüllungen nichts. von 

Der frühere US-Präsident George W. Bush während eines Truppen-Besuchs in Kalifornien

Der frühere US-Präsident George W. Bush während eines Truppen-Besuchs in Kalifornien  |  © David McNew/Getty Images

Wie unterschiedlich Europa und Amerika auf den Irakkrieg zurückblicken, hat sich kürzlich erst gezeigt. Die neuesten Enthüllungen über Foltergefängnisse im Irak haben in den USA praktisch kein Echo ausgelöst, dagegen berichteten die meisten Medien in Europa über die Reportage des britischen Guardian und der BBC umfangreich.

Weder CNN noch die großen US-Zeitungen griffen das Thema auf, nicht einmal die New York Times oder ausgesprochen linke Blätter wie The Nation und Mother Jones. Der linke Autor Doug Henwood vermutet, das liege an einer unterwürfigen Haltung der Presse gegenüber der Macht. Es gebe aber auch das Gefühl: "Das sind Nachrichten von gestern. Das mit dem Irak ist vorbei, und wir müssen nicht mehr darüber nachdenken."

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Der Guardian und die BBC haben sich dennoch die Mühe gemacht. Sie enttarnten ein Netz von Foltercamps im Irak, das von zwei Militärberatern und ehemaligen US-Offizieren im Auftrag von Pentagonchef Donald Rumsfeld aufgebaut wurde. Beide unterstanden dem damaligen Oberbefehlshaber David Petraeus, der letztes Jahr nach einem Sexskandal als CIA-Chef zurücktreten musste.

Sexskandal interessierte mehr

Während die Sexkapaden von Petreaus wochenlang die Schlagzeilen beherrschten, fanden die neuerlichen Enthüllungen keinen Niederschlag. Obwohl es durchaus einen aktuellen Bezug gibt: Die Recherchen gehen auf Dokumente zurück, die der US-Soldat Bradley Manning auf Wikileaks veröffentlicht haben soll. Er steht im Juni wegen Geheimnisverrats vor Gericht und hat sich bereits für schuldig erklärt. Auf ihn könnten 20 Jahre Haft zukommen. Manning sagt, er habe aus Gewissensgründen gehandelt.

Kurz vor dem zehnten Jahrestag des Einmarschs der USA in den Irak am 20. März 2003 zeigt sich: Viele Amerikaner haben ein schwieriges Verhältnis zum Irakkrieg. Obwohl Präsident George W. Bush nach dem Anschlag auf das World Trade Center eine Zustimmungsrate von 90 Prozent hatte, und immerhin noch 70 Prozent, als die USA in den Irak einmarschiert sind, kann sich heute keiner mehr so recht daran erinnern. Die Amerikaner fühlen sich als die eigentlichen Opfer des Krieges. Anlässlich des Jahrestags erscheinen durchaus Berichte in Zeitungen, aber mit dem Fokus auf die "Wut über den verlorenen Groschen" – die hohen Kriegskosten. So berichteten die Washington Post und das Wall Street Journal und andere Blätter über Geldverschwendung beim Wiederaufbau des bombardierten Landes.

Eine detailliertere Bilanz ist am kommenden Montag zu erwarten. Dann wird auf dem Nachrichtensender MSNBC eine Dokumentation laufen, die auf einem Buch der Autoren David Corn und Michael Isikoff beruht: Hubris: Selling the Iraq War. Der Film soll entlarven, wie "Amerika und die Welt von der Bush-Regierung durch Betrug in einen Krieg geführt wurde", der laut Corn "4.484 tote amerikanische Soldaten, 32.226 verwundete Militärs und mehr als 100.000 tote irakische Zivilisten hinterlassen" und über drei Billionen Dollar gekostet hat.

Leserkommentare
    • rsi99
    • 08. März 2013 17:27 Uhr

    ... daran, dass der aktuelle Friedensnobelpreis-Präsident gerade im Rampenlicht steht, weil er Abschüsse per Drohne von Amerikanischen Mitbürgern möglich macht, sowie sie auf einer Terror-Verdachts-Liste erscheinen. Ohne Prozess und Verurteilung. Das beschäftigt die Amerikaner viel mehr, als die Entgleisungen im Irak

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    Nach 1945 begann doch die kollektive Verdrängung der Greuel im III.Reich. Die nahm doch noch dreissig Jahre später groteske bis gewalttätige Formen in allen Teilen der Bevölkerung an. Erstes Beispiel: heuteShow, Thema Karneval, ein Ausschnitt einer grossen Karnevalsfeier 1973. Der Büttenredner:"..zickezacke..",das Publikum:"...heu,heu,heu." Der Redner:"..Sieg...", das Publikum:"..Heil. Aber alle aus voller Kehle. Danach betretenes Schweigen und "weggucken". Zweites Beispiel: Die Aufarbeitung heute der Gewalttätiigkeiten gegen Jugendliche, von den Massnahmen des Jugendamtes bis hin zu den Quälereien in den Heimen. Was steckte da noch für ein unseliger Geist dahinter. Als Jugendlicher in den Siebzigern habe ich kaum ältere Erwachsene getroffen, die wirklich bereut hätten. Oft habe ich den Spruch gehört, das wir für die Ordnung einen kleinen Hitler bräuchten u.a. . Das in den USA, vor allem bei den neuesten bekanntgewordenen Unmenschlichkeiten, verdrängt wird, wundert mich nicht.

  1. Verzeihung, aber Manning hat sich zwar schuldig erklärt, aber nur in Teilanklagepunkten. So viel Zeit muss sein. Wenn ich mich recht entsinne hat er sich nur in 10 von 22 Anklagepunkten schuldig erklärt und vehement den Anklagepunkt "Aiding the enemy" gewehrt. Überhaupt sollte man diesem Mann mehr Aufmerksamkeit schenken. Ihm ist es zu verdanken, dass wir überhaupt ein paar Informationen über die Verbrechen speziell im Irak haben. Und er hat sich nur an Wikileaks gewendet, weil so etablierte Zeitungen wie die New York Times sich nicht für die Informationen interessiert haben. So viel zur Qualitätspresse.

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    Man sollte sich vielleicht auch fragen, warum derjenige, der Verbrechen "meldet", bestraft wird, während die Täter unbehelligt bleiben.
    Die Zeit sollte man sich zusätzlich in dieser Diskussion nehmen.

  2. "Immerhin hat sich inzwischen eine Initiative gegründet, die die Freilassung von Bradley Manning fordert. Es zirkuliert ein Aufruf, Solidaritätsadressen und Videos an Manning zu schicken. Allerdings ist der Erfolg bisher mager: 6.718 Leute haben für den Soldaten unterschrieben – weltweit."

    Naja, von einer Unterschriftenaktion wird sich das US Militär eh nicht beeindrucken lassen.

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  3. ... bezahlen ( können ). Ein Krieg dauert normalerweise auch nicht nur 6 Wochen, wenn's denn dann bei 6 Jahren bleibt, ging's noch schnell. Im Krieg sterben nicht nur Feinde, sondern auch eigene Leute.
    Das alles sollte man sich früh genug vor Augen führen und wenn dann noch der Wille dazu da ist - "sündige tapfer" und jammere nicht.

  4. Vielleicht waren die Konservativen um Bush wirklich so weltfremd. Oder wie ist das Zitat von David Frum, dem früheren Bush-Redenschreiber, zu verstehen?: "Er (= der Irakkrieg) hat 4.000 Amerikaner getötet und Tausende verwundet. Hätten wir das gewusst, wären wir nicht in den Krieg gezogen."
    Oder sind nur Verluste der Gegenseite gewünscht? Leider werden keine Zahlen für die irakische Seite erwähnt. An diese Opfer denken die Amerikaner offenbar auch 10 Jahre später nicht.
    Der Irakkrieg war ein Bruch des Völkerrechts. Die Bush-Administration müsste in Den Haag angeklagt werden und sei es nur symbolisch, denn die USA erkennen den Internationalen Strafgerichtshof bekanntlich nicht an.

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    Die Konservativen werden schon nicht so dumm gewesen sein, dass sie gedacht hätten, dass es keine Verluste gibt. War ihnen wahrscheinlich einfach nur egal und sowieso leicht zu verdrängen,weil es nicht die eigenen Hinterteile waren auf die geschossen wurde. Schauen Sie sich doch in Deutschland um, wer am lautesten nach Beteiligung an Kriegseinsätzen schreit. Alte Männer, die nicht mehr in den Krieg ziehen müssten, selbst wenn es eine allgemeine Einberufung gäbe.

    Steht im Text, aber nochmal:

    "Eine detailliertere Bilanz ist am kommenden Montag zu erwarten. Dann wird auf dem Nachrichtensender MSNBC eine Dokumentation laufen, die auf einem Buch der Autoren David Corn und Michael Isikoff beruht: Hubris: Selling the Iraq War. Der Film soll entlarven, wie "Amerika und die Welt von der Bush-Regierung durch Betrug in einen Krieg geführt wurde", der laut Corn "4.484 tote amerikanische Soldaten, 32.226 verwundete Militärs und mehr als 100.000 tote irakische Zivilisten hinterlassen" und über drei Billionen Dollar gekostet hat."

    .. . oder nicht, ist symbolisch. Ich denke, man kann durchaus in Abwesenheit verhandeln. Die Frage ist nur, wenn z.B. George Bush als Kriegsverbrecher schuldig gesprochen wird und , na, 20 Jahre Haft angeordnet werden, was dann. Verlässt der mal die USA und wird dann auch tatsächlich verhaftet? Was würde das politisch in den USA bewegen? Einen Drohnenangriff auf den Haag, ein SEAL Team , deren Mitglieder ja alles im Kampf geil finden, befreit Bush dann? Das muss man sich mal fragen.

  5. Die Konservativen werden schon nicht so dumm gewesen sein, dass sie gedacht hätten, dass es keine Verluste gibt. War ihnen wahrscheinlich einfach nur egal und sowieso leicht zu verdrängen,weil es nicht die eigenen Hinterteile waren auf die geschossen wurde. Schauen Sie sich doch in Deutschland um, wer am lautesten nach Beteiligung an Kriegseinsätzen schreit. Alte Männer, die nicht mehr in den Krieg ziehen müssten, selbst wenn es eine allgemeine Einberufung gäbe.

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  6. Ich wusste bislang nichts davon.

    und zu Hummingbird: einen Versuch ist es wert.

    Eine Leserempfehlung
  7. ... so unglaublich an der Sache stört ist die Gier. Bush war im Prinzip nur das Vehikel um reich zu werden. 8 Jahre lang haben sich die Geschäftsleute in den USA ausgetobt, und nicht nur Die, haben Millionen und Milliarden gescheffelt. Der Preis waren unzählige Tote und die Bürgerrechte.

    Es k... mich an. In der neuen "Zeit" ist im Wirtschaftsteil ein Artikel zu lesen, über die "Generation Y", dämlicher Name, aber es trifft zu, es strömen immer mehr junge Menschen auf den Arbeitsmarkt für die Status und Geld nur zweitrangig sind. Wichtiger ist zum Beispiel Anstand. Zu dieser Generation fühle ich mich dazugehörig. Bush steht für das große Finale der "Reagan-Generation", in Reaktion auf die Linke in den 60ern und 70ern, Yuppie- Typen halt. Es wird Zeit dass diese Menschen abtreten.

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    Ich gehöre altersmäßig zu dieser Generation und offen gesagt, ich halte diese zur Schau getragene Gleichgültigkeit für eine Masche. Viele in dieser Generation sehen wenig Möglichkeiten für sich momentan viel Geld zu verdienen, daher passen sie ihre momentanen Prioritäten an und verlagern sich auf die Privatsphäre, was übrigens dann auch oft genug ziemlich spießig anmutet, wenn man dann den Gartenzwerg nach Feng Shui ausrichtet. Und man sollte nicht vergessen; für das private Glück braucht man auch Geld. Spätestens wenn es darum geht die Kinder an eine gute Schule zu schicken und man dem staatlichen Bildungssystem nicht mehr vertraut, wird es eng. Besonders interessant wird es, wenn es wieder aus der Krise rausgeht und die exorbitanten Profitmöglichkeiten wie Ende der 90er wieder auftauchen.

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  • Schlagworte USA | Dick Cheney | Donald Rumsfeld | BBC | David Petraeus | Irak
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