Gegen Frankreichs Expräsident Nicolas Sarkozy ist in der Korruptions- und Spendenaffäre um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ein Verfahren eingeleitet worden. Dem 58-Jährigen wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Bordeaux Vorteilnahme vorgeworfen. Sein Anwalt kündigte noch am Donnerstagabend Beschwerde gegen die Entscheidung an.

Zuvor war Sarkozy erneut angehört und mit einem wichtigen Zeugen in der Affäre konfrontiert worden. Aus Justizkreisen hieß es, er sei im Justizpalast von Bordeaux dem einstigen Butler Bettencourts gegenübergestellt worden. Dabei ging es demnach darum, herauszufinden, wie oft Sarkozy bei der Milliardärin während seines Präsidentschaftswahlkampfes 2007 zu Gast war.

In der sogenannten Bettencourt-Affäre geht es um den Vorwurf, dass die heute 90-Jährige, die seit 2006 an fortschreitender Demenz leidet, den damaligen Wahlkampf Sarkozys mit illegalen Spenden unterstützt haben soll. Zudem besteht der Verdacht, dass sie auch nach der Wahl Geld an die französischen Konservativen zahlte.

Sarkozy bestreitet Vorwürfe

Während seiner Amtszeit als Präsident war Sarkozy durch seine Immunität geschützt. Nach deren Aufhebung wurde er im November vergangenen Jahres erstmals zu den Vorwürfen befragt. Zuvor hatten Ermittler seine Büros und seine Wohnung durchsucht.

Sarkozy hat stets versichert, dass er während des Wahlkampfs 2007 nur einmal im Hause Bettencourt gewesen sei, um dort kurz den wenig später verstorbenen Mann der Milliardärin, André Bettencourt, zu treffen. Mehrere Bedienstete hatten hingegen ausgesagt, sie hätten Sarkozy mehrfach während dieser Zeit gesehen. Er habe dabei auch die L'Oréal-Erbin getroffen. Eine frühere Buchhalterin sagte zudem aus, sie habe für eine Wahlkampfspende 150.000 Euro Bargeld organisieren sollen.

Gegen Sarkozys Vertrauten Eric Woerth, den langjährigen Schatzmeister der Konservativen, laufen in dem Zusammenhang bereits zwei Ermittlungsverfahren. Er hatte deshalb sein Amt als Arbeitsminister abgeben müssen. In Frankreich sind Parteispenden von Privatpersonen nur bis zu einer Höhe von 7.500 Euro im Jahr erlaubt.