LändervergleichWarum Inderinnen kaum Einkommen erwirtschaften

Topjobs für Frauen sind in China und Indien normal. Doch das Gros der gewerblichen Berufe ist für Inderinnen tabu – während Chinesinnen unersetzlich sind. von Imke Vidal

Bauarbeiterinnen im indischen Mumbai

Bauarbeiterinnen im indischen Mumbai  |  © SAJJAD HUSSAIN/AFP/Getty Images

Mächtige und starke Frauen haben das moderne Indien geprägt. Indira Gandhi regierte einst die weltgrößte Demokratie und Sonia Gandhi ist heute noch die mächtigste Frau Indiens, die Schriftstellerin Arundhati Roy gehört zu den wichtigsten Intellektuellen des Landes und manche Managerin hat es unter Indiens Superreiche geschafft. Erfolgreiche Frauen gibt es in Indien überall, Gleichberechtigung ist gesetzlich verankert. Alles scheint möglich im modernen Indien – doch das gilt nur für eine kleine weibliche Elite des Milliardenvolkes.

Der Anteil der Berufstätigen unter den Frauen liegt in Indien bei nur 25 Prozent. Rund 15 Prozent der Frauen, die schon einmal eine feste Stelle hatten, sind zudem arbeitslos. Bei den Männern liegt die Arbeitslosigkeit von vormals Festangestellten bei nur fünf Prozent. Im Vergleich mit anderen asiatischen Ländern liegt Indien daher weit hinten, wenn es um die Berufstätigkeit von Frauen geht.

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In China dagegen herrschen auf den ersten Blick bessere Zustände. Der Anteil arbeitender Frauen liegt bei 70, unter Akademikerinnen gar bei 81 Prozent. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen beträgt durchschnittlich fünf Prozent. Dabei wirkt das KP-regierte China nach außen oft schnöde und männerdominiert. Anders als Indien wurde das moderne China zudem noch nie von einer Frau regiert und gerade in den Führungsetagen fällt den Kommunisten die Gleichstellung von Mann und Frau bis heute schwer. Trotzdem sprechen die Zahlen für sich: Auf dem Arbeitsmarkt ist die chinesische Frau längst unersetzlich.

Frauen auf dem Bau: Verstärkung für den Ehemann

Das gilt auch für harte körperliche Arbeiten. Auch in Indien arbeiten Frauen beispielsweise auf dem Bau, nur kann das nicht als Beleg voranschreitender Emanzipation gedeutet werden. In China verdienen Bauarbeiterinnen 63,6 Prozent dessen, was Männer mit derselben Arbeit verdienen, in leitender Position immerhin 87,4 Prozent. Sie verrichten dieselben Arbeiten wie Männer und sind sozial gleichgestellt. In Indien aber verdienen Frauen auf dem Bau nur 50 Prozent oder weniger und bekommen zumeist nicht einmal einen eigenen Vertrag.

Frauen auf indischen Baustellen gelten in der Regel nur als Verstärkung für den Ehemann, nicht als selbstständige Arbeitnehmerinnen. Sie erledigen niedere Aufgaben, schleppen Steine oder mischen Beton. Mauern hochziehen aber dürfen nur ihre Männer. Eine indische Bauarbeiterin kann deshalb nur minimal zum Familieneinkommen beitragen. Finanzielle Unabhängigkeit erreicht sie nie.

Auch scheint es in Indien für schlecht ausgebildete Frauen beinah unmöglich, einen besser bezahlten gewerblichen Job zu finden. Für Männer mit niedrigem Bildungsniveau bleibt zumindest die Möglichkeit, als Taxi- oder Busfahrer etwas mehr zu verdienen. Zumal diese Arbeit körperlich weniger belastend ist als auf dem Bau in der indischen Hitze. Bus- oder Taxifahrerinnen aber sucht man in Indien vergeblich. "Fahrerjobs verlangen eine gewisse Mobilität", sagt Kavita Krishnan, Generalsekretärin der All India Progressive Woman’s Association, "sie gelten außerdem nicht als besonders sicher."

In China dagegen sind Taxi- und Busfahrerinnen keine Seltenheit. Taxifahrerinnen sind sogar gefragt, denn sie gelten als höflicher und Frauen fühlen sich sicherer, wenn sie bei einer Frau mitfahren. "91 Prozent der Taxi- oder Busfahrerinnen verdienen in China heute ebenso viel wie männliche Fahrer", weiß Yang Hui von der All-China Women's Federation. So ähnlich sieht es in China in den meisten Berufen aus. Dennoch haben es Frauen auch in China schwer, sich gegen männliche Konkurrenz durchzusetzten. "Wegen des Konzeptes traditioneller Stereotypen, fällt es manchen Arbeitgebern schwer, das Potenzial von Frauen zu erkennen, selbst wenn diese hervorragende Qualifikationen vorweisen", erklärt Yang.

Leserkommentare
  1. "Dabei wirkt das KP-regierte China nach außen oft schnöde und männerdominiert."

    Ha, dass ich nicht lache. Deutschland kann mit de asiatischen Frauenquote nicht mithalten. Vielleicht der wichtigste Grund für den wirtschaftlichen Niedergang Deutschland: Frauen wollen hier nicht arbeiten UND DAZU Kinderkriegen.

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    Männer müssen hier nur arbeiten. Von Frauen wird erwartet, dass sie hier arbeiten "UND DAZU Kinder kriegen". Als hätte das Kinder kriegen mit den Männern nichts zu tun.

  2. Männer müssen hier nur arbeiten. Von Frauen wird erwartet, dass sie hier arbeiten "UND DAZU Kinder kriegen". Als hätte das Kinder kriegen mit den Männern nichts zu tun.

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  3. oder nur ausbeutet, wird auf lange Sicht verlieren. Ganz einfach geschätzt blendet man damit locker 50% an intelektuellem Potential aus.

    Auf der Verliererseite ganz oben auf der Liste: Islamische Länder.
    Tja, und etwas überraschend ist auch Indien trotz komplett anderem kulturellem Hintergrund nun auch auf dieser, meiner Liste.

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    • msknow
    • 29. März 2013 20:16 Uhr

    Ich würde Ihren Gedanken sogar erweitern wollen:
    Der tatsächlichen Natur der Erziehung folgend sage ich gerne - "Kluge Mütter haben kluge Kinder"
    Wer also tatsächlich zukunftsorientiert Politik betreibt, muss zwangsläufig Frauen in der Bildung fördern bzw. alles vermeiden, was weiblich Bildung verhindert. Und Bildung darf nicht mit Ausbildung verwechselt werden. Daher müssen Frauen tatsächlich in allen Bereich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
    Neurologen sagen sogar, Frauen sind zwingend die besseren Führungskräfte. Denn Testosteron in emotionalem Stress und Verstand schließen sich aus. Sieht echt Scheiße aus für Indien.

  4. Bei der oben angegebenen niedrigen Quote von Inderinnen frage ich mich, wie "Arbeit" definiert wurde?

    Vermutlich als Erwerbstätigkeit außer Haus?

    Viele Inderinnen arbeiten (um nicht zu sagen: schuften) in der Landwirtschaft, nur gehört das Land der eigenen Familie. Ich nehme an, diese Frauen wurden in der Statistik nicht berücksichtigt, dabei ist dies doch gleichwertige Arbeit.

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    ...als gleichwertige Arbeit.

    Alles, was die Frau für ihre Familie tut wird eben nicht als gleichwertige Arbeit gesehen, sondern als gar keine Arbeit. (Es stellt sich die Frage, wer wirklich die Frau entwürdigt.)

    Als gleichwertige Arbeit gilt nur fremdbestimmte Lohnarbeit für Dritte.

    Genau unter dieser Prämisse werden diese ganzen Erhebungen geschönt. Ich wundere mich immer wieder warum sich so viele davon verschaukeln lassen...

  5. Frau Vidal, lässt sich doch wohl ganz leicht damit erklären, dass es in Indien in ganz hohem Maße von der Wertvorstellungswelt, also zumindest in niedrigeren und mittleren sozialen Schichten,
    darum geht, dass eine Frau primär Mutter und Hausfrau ist, bzw. zu sein hat.

    Unabhängigkeit oder Lohnarbeit sind daher sozusagen nach wie vor Fremdworte, die kulturell (bis auf die erwähnte Elite von Frauen) so gar nicht verankert ist.
    Das weibliche Rollenbild ist in Indien GANZ ganz anders verankert, als in China.

    China ist ein kommunistisches Land, Indien eine Demokratie und der Hinduismus, der auch mit zu dieser Art von Frauenselbstverständnis beiträgt, spielt nach wie vor IN den erwähnten sozialen Schichten eine recht beeinflussende Rolle.

    in den genannten Schichten, von denen hier die Rede ist, in hohem Maße mit. Übrigens habe ich wiederrum indische Frauen erlebt, für die es absolut normal ist, dass der verdienende Ehemann seiner Frau das Geld zur monatlichen Verwaltung abgibt, weil die Denke, die dahinter steckt, ist, dass Frauen besser wissen, wofür das Geld gebraucht wird und man es ihnen somit auch traditionell überlässt.

    Wozu also Mond mit Sonne, Tag mit Nacht, Äpfel mit Birnen oder Inderinnen mit Chinesinen vergleichen ???

    Bloß, weil beides ZUFÄLLIG in Asien liegt?

    Das macht keine Qualität von Recherche aus, noch stellt es irgendeine Differenzierung dar.

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  6. worauf sich die 25% genau beziehen. Vielleicht Erwerbseinkommen in der verabeitenden Industrie oder so? Oder offiziell versteuerte Einkommen?

    Denn diese Zahl ist für die Situation der Frauen in Indien insgesamt ganz offensichtlich falsch und wohl nicht direkt mit den 70% der chinesischen Statistik vergleichbar.

    Auf dem Land - und da leben immerhin noch so um die 60% der Bevölkerung - arbeiten in Indien alle Frauen - meist Landwirtschaft, aber auch Straßenbau, Straßenreinigung usw. - bis auf diejenigen, die der Oberschicht angehören (dürfte auf dem Land so höchstens 5% ausmachen). Sie erzielen Einkommen - auch wenn das oft dem Ehemann oder Vater ausgehändigt wird.

    In der Stadt sind Frauen jenseits der 35 noch oft Hausfrauen, aber jüngere und meist gut ausgebildete Mittelschicht-Frauen haben - mit nur wenigen Ausnahmen - alle ihre Berufe und Jobs - Ärztin, Behördenangestellte, Bankmitarbeiterin, Lehrerin, Call-Center-Mitarbeiterin, Programmiererin usw.

    Rechnen wir (überwiegend städtische) Mittelschicht und Landbevölkerung zusammen, verbleiben immer noch einige hundert Millionen Menschen. Auch die Frauen dieser Gruppe sind überwiegend berufstätig - das Spektrum reicht von Fabrikarbeiterinnen über die genannten Hilfskräfte auf dem Bau und Straßenfeger bis zu Krankenschwestern, Verkäuferinnen, Wasch- und Putzkräfte etc.

    Und dass viele Arbeitsverhältnisse in Indien "informell" gestaltet sind, oder auf Taglöhnerei basieren, macht Einkommensstatistiken auch nicht präziser.

  7. 7. Gut

    , dass immer wieder über diese Problematik berichtet wird!
    Nachdem die Frauen schon auf der Straße nicht sicher sein können, sollten sie wenigstens selbst etwas zum Einkommen beitragen. Auch sowas hebt das Selbstwertgefühl ... Aber politisch ist das wohl nicht erwünscht. Entsetzlich...

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  8. ...als gleichwertige Arbeit.

    Alles, was die Frau für ihre Familie tut wird eben nicht als gleichwertige Arbeit gesehen, sondern als gar keine Arbeit. (Es stellt sich die Frage, wer wirklich die Frau entwürdigt.)

    Als gleichwertige Arbeit gilt nur fremdbestimmte Lohnarbeit für Dritte.

    Genau unter dieser Prämisse werden diese ganzen Erhebungen geschönt. Ich wundere mich immer wieder warum sich so viele davon verschaukeln lassen...

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  • Schlagworte China | Indien | Indira Gandhi | Arbeitslosigkeit | Arundhati Roy | Diskriminierung
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