Euro-Skeptiker : Grillo sieht Italien außerhalb der Euro-Zone

Gegen Beppe Grillo kann in Italien schwer regiert werden. In einem Interview sagte der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung nun: "De facto ist Italien schon aus dem Euro raus."

Beppe Grillo, der bei der italienischen Parlamentswahl überraschend stark abgeschnitten hat, sieht keine Chance für einen Verbleib seines Landes in der Euro-Zone. "De facto ist Italien doch schon aus dem Euro raus", sagte der Chef der Bewegung Fünf Sterne dem Handelsblatt. Er gehe davon aus, dass auch die nordeuropäischen Staaten Italien nur so lange halten würden, bis sie die Investitionen ihrer Banken in italienische Staatsanleihen hereingeholt hätten. "Dann werden sie uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel."

Der frühere Komiker Grillo ist als Euro-Skeptiker bekannt. Seine Bewegung war bei der Parlamentswahl drittstärkste Kraft geworden.

Grillo will aber weder mit dem Mitte-links-Bündnis von Pier Luigi Bersani koalieren noch mit dem Rechtsbündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi. Eine neue Regierung aus Fachleuten lehnt er ebenfalls ab. Auch Bersani will keine Koalition mit Berlusconi.

Zuletzt brachte er eine Minderheitsregierung ins Spiel – an der sich Grillos Bewegung nicht beteiligen würde, die sie aber von Fall zu Fall unterstützen könnte. Grillo sicherte zu: "Wir werden Gesetz für Gesetz entscheiden, ob wir zustimmen oder nicht." Ein Vertrauensvotum für andere Parteien werde es aber nicht geben.

Grillo sieht seine Bewegung als politisches Zukunftsmodell. "Die alten Parteien sind am Ende", sagte er. Die Fünf-Sterne Politiker seien jünger als andere, 90 Prozent hätten einen Uni-Abschluss, die Hälfte seien Frauen. Italien sei am Anfang einer neuen Ära, aber die alten Parteien merkten das nicht. "Entweder sie folgen uns, oder sie sind verloren."

Sympathie für die Schweiz

An der Arbeit des abgewählten Regierungschefs Mario Monti kann Grillo erwartungsgemäß kaum Gutes finden: "Monti war nur ein Konkursverwalter im Namen der Banken", sagte er. "Statt oben bei den Topverdienern und im Staatsapparat zu kürzen, hat er den Bürgern unten höhere Steuern aufgebrummt."

In dem Interview erläuterte Grillo auch sein Konzept für Italien: Mit einem Notfallplan wolle er Arbeitslose und Unternehmen unterstützen. Firmen, die Jobsuchende unter 35 einstellten, sollten Steuererleichterungen erhalten. Dafür werde er die Kosten der Politik senken: etwa den Afghanistan-Einsatz des Militärs beenden, Spielautomaten besteuern, Zuschüsse für Zeitungen streichen, Gemeinden zusammenlegen und Pensionen kürzen. Spitzenmanager sollten nicht mehr als zwölfmal soviel wie ihre Mitarbeiter verdienen. Über das Gehalt sollten die Kleinaktionäre abstimmen.

Einen ähnlichen Plan gibt es in der Schweiz, wo die Bürger demnächst über die Eins-zu-zwölf-Regel abstimmen.

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