Hugo ChávezDer Überzeugungstäter hinterlässt viele Probleme

Wie kein anderer hat der Sozialist Hugo Chávez die politische Landschaft Lateinamerikas geprägt: Von Idealen getrieben, hinterlässt er ein gespaltenes Venezuela. von 

Ein Bild von Hugo Chávez im Fenster des Ölkonzerns PDVSA in Caracas

Ein Bild von Hugo Chávez im Fenster des Ölkonzerns PDVSA in Caracas  |  © Jorge Silva/Reuters

Nun hat der greise kubanische Revolutionsführer Fidel Castro auch noch seinen wichtigsten Erben überlebt: Hugo Chávez ist tot. Der venezolanische Präsident starb am Dienstag in Caracas an einer Krebserkrankung. Castro war sein politischer Ziehvater – und eigentlich sollte Chávez nach dem Tod von Castro die Rolle der Galionsfigur der lateinamerikanischen Linken übernehmen.

Der Sozialist aus Sabaneta prägte wie kein anderer in den vergangenen fast 15 Jahren die politische Landschaft Lateinamerikas. Chávez war ein politischer Überzeugungstäter. Die Ungerechtigkeit in seinem südamerikanischen Heimatland ließ den Oberstleutnant zum Sozialisten werden. Zunächst versuchte er die Macht mithilfe eines Militärputsches zu erlangen. Der Staatsstreich 1992 schlug fehl, doch bei seinen Landsleuten wurde Chávez populär, weil er es gewagt hatte, gegen die herrschenden Eliten aufzubegehren.

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Später versuchte es Chávez auf dem legalen Weg. 1998 erzielte er in den Präsidentschaftswahlen einen eindrucksvollen Sieg. Es sollte der Beginn des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" werden, wie ihn Chávez taufte, bis 2012 folgten drei weitere Wahlsiege. Der letzte war nicht mehr ganz so strahlend.

Von Chávez Idealen ist nicht mehr viel übrig

Von den Idealen, die Chávez einst antrieben, die gesellschaftlichen Verhältnisse in Venezuela umzukehren, ist nicht viel übrig geblieben. Heute sind es die Sozialisten, die in Caracas rauschende Partys feiern. Sie fahren die teuersten Autos, haben die schönsten Freundinnen und die neusten Smartphones. Der Ölreichtum des Landes macht es möglich.

Wie vor der Ära Chávez verschwinden auch heute wieder Milliarden in dunklen Kanälen. Statt in dringend notwendige Investitionen, wird das Geld in die marode Erdölindustrie gepumpt. Wer einmal am verseuchten Maracaibo-See spazieren gegangen ist, kennt die ganze Misere der Umweltzerstörung. Die verheerende Explosion einer riesigen Raffinerie im vergangenen Jahr machte auch dem Rest der Welt deutlich, wie es um den Zustand der Infrastruktur bestellt ist.

Frei vom Makel der Korruption

Chávez selbst war frei vom Makel der Korruption. Dem Revolutionsführer waren teure Statussymbole fremd, stattdessen suchte er stets die offene Bühne. Legendär waren seine oft stundenlangen Fernsehshows, in denen Chávez seine Politik feierte. Wer die Sendung einmal gesehen hat, begriff schnell, wie das System Chávez funktioniert. Linientreue Journalisten und loyale Politiker – fast durchweg im roten Hemd – klatschen Beifall und nicken artig. Ähnlich sahen die live übertragenen Kabinettssitzungen aus. Ein solches Klima von opportunistischen Statisten förderte den Aufstieg von aalglatten Parteifunktionären, die keinerlei Interesse daran hatten, mit interner Kritik anzuecken.

Die Folgen für das Land sind verheerend: Mord und Totschlag kosteten allein im vergangenen Jahr etwa 20.000 Menschen das Leben, Caracas ist die gefährlichste und unberechenbarste Hauptstadt des Kontinents. Die Polizei ist korrupt, die Aufklärungsrate ist erbärmlich. Das Problem ist zum Teil hausgemacht.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ds

    11 Leserempfehlungen
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    Angesichts einer circa 56mal höheren Mordrate in Venezuela bin ich mit der ach so brutalen deutschen Polizei doch recht zufrieden...

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Danke. Die Redaktion/kvk

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Danke. Die Redaktion/kvk

    Plutonium?

  2. Ein altes Sprichwort lautet: "Ueber Tote soll man nicht schlecht reden".

    Gerade um die Demokratie hat sich Chavez sehr verdient gemacht.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/ds

    33 Leserempfehlungen
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    • Ver-O
    • 06. März 2013 8:36 Uhr

    Also bitte, ich empfehle alle Leute, die hier Gutes über Chavéz schreiben, nach Venezuela auszuwandern. Dort können sie in ein Barrio wohnen und versuchen am Wochenende nicht getötet zu werden. Auch will ich sie in den Supermärkten vor leeren Regalen stehen sehen. Ach! Demos? Sowas wird natürlich nicht geduldet. Und dann kann man entscheiden, ob Chavéz gut war oder nicht. Jemand, der die Gesellschaft so polarisiert hat, die Familien auseinander gebracht hat, kann kein guter Mensch sein.
    Übrigens, USA ist der Teufel aber Venzuela verkauft den Amis weiterhin Erdöl. Und dumm ist, die venezolnische Wirtschaft ist so marode, dass Venzuela Benzin aus USA kaufen muss!

    eine gewaltige Scheibe abschneiden und als Beispiel nehmen."

    Es ist geradezu ins Auge stechend, dass Chávez nach den gleichen "Heilungsversuchen", die der IWF in Griechenland dem Volk antut, das damalige korrupte System zu einem Ende brachte. Der Oberste Gerichtshof hätte den vormaligen Präsidenten Pérez nicht absetzten können und der neue Präsident Caldera hätte keine Chance gehabt.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Es ist beeindruckend, wie unproblematisch die hiesigen Journalisten die aalglatte Regierungskompatibilität, die sie den venezolanischen Machtbegleitern anloben, auf ihrer Seite dulden.

    Der Splitter im fremden Auge.

    in Lobhudeleien und Strömen von Krokodilstränen.
    Einfach nur widerlich....damals in Korea sah das noch anders aus.

  3. "Statt in dringend notwendige Investitionen wird das Geld in die marode Erdölindustrie gepumpt." Es wird eben viel zu wenig Geld in die Erdölindustrie gesteckt. Die Anlagen sind zwischenzeitlich veraltet und die Spezialisten durch Gefolgsleute ersetzt worden.
    Das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft sind einem erbärmlichen Zustand und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie zurückgegangen. Wenn der Ölreichtum einmal versiegt ist, wird das Land - anders als Norwegen - wenig haben, worauf es zurückgreifen kann um seinen Wohlstand zu halten. Der Wohlstand im Land wird vornehmlich in den USA (Haupthandelspartner) und im Ausland erwirtschaftet.

    17 Leserempfehlungen
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    den Norwegen zurück, wenn das Erdöl versiegt. imltho ein schlechter Vgl.

  4. ...die Zukunft wird zeigen was die Politiker auf dem Kontinent daraus machen.
    Die Geschichte wird Chavez, trotz seiner vielen Fehler, diesen Dienst an den Menschen Südamerikas hoch anrechnen, davon bin ich überzeugt.

    37 Leserempfehlungen
  5. Angesichts einer circa 56mal höheren Mordrate in Venezuela bin ich mit der ach so brutalen deutschen Polizei doch recht zufrieden...

    21 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  6. sind sie herr autor ,wirklich in der lage das lebenswerk von Hugo Chavez so einzuschätzen. ?

    menschen , welche sich auflehnen
    gegen die koloniale und aggressive politik der usa haben wahrlich mehr achtung verdient !
    gruß aus leipzig

    52 Leserempfehlungen
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    Das kleine Leben im armen Kuba ist weniger wert als das Leben im Elend unter den reichen Großgrundbesitzern bis '59.

    • zfat99
    • 06. März 2013 7:50 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

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