IrakDas katastrophale Irak-Erbe des George W. Bush

Vor zehn Jahren sind die USA in den Irak einmarschiert. Die Invasionsbilanz ist verheerend: Das Land ist zermürbt von Gewalt, Korruption und Nepotismus. von 

Sunniten demonstrieren in Fallujah

Sunniten demonstrieren in Fallujah gegen die schiitische dominierte Regierung in Bagdad, 15. März 2013.  |  © Mohanned Faisal/Reuters

Barack Obama hat das Kapitel für sich abgeschlossen. Kommenden Mittwoch, am zehnten Jahrestag des amerikanischen Irak-Feldzuges, ist er zwar im Nahen Osten unterwegs. Doch die Reise geht nicht nach Bagdad, sondern nach Israel und in die palästinensischen Gebiete. Der US-Präsident nimmt einen weiteren Anlauf, Frieden zu stiften in einer Region, die nicht zuletzt durch den Irak-Einmarsch vor zehn Jahren zu den gewalttätigsten und instabilsten auf der Welt zählt.

"Die verheerenste außenpolitische Entscheidung in der Geschichte Amerikas" nannte der bekannte US-Kolumnist Peter van Buren den Entschluss von Obama-Vorgänger George W. Bush, Saddam Hussein mit einem Krieg zu stürzen. Mehr als 190.000 Menschen starben seither nach einer aktuellen Studie der Brown University in den USA, 16.000 Menschen aus den Bürgerkriegsjahren 2006 bis 2008 werden immer noch vermisst. 60 Milliarden Dollar Aufbaumittel sind in das ramponierte Land geflossen, "mit geringen positiven Effekten", wie jetzt der Abschlussbericht des US-Bevollmächtigen für die Rekonstruktion im Irak bilanzierte. Acht Milliarden sind spurlos verschwunden, insgesamt wird der Krieg im Zweistromland die USA bis 2053 laut der Brown-Studie 2,2 Billionen Dollar kosten.

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Auch die innere Stabilität macht 15 Monate nach dem endgültigen Abzug der US-Armee keine Fortschritte, ganz im Gegenteil. Nach wie vor sind die Iraker nicht Herr im eigenen Haus. Kaum ein Tag vergeht ohne Bombenanschläge, obwohl mittlerweile auf 50 Einwohner ein Polizist oder Soldat kommt. Im Jahr 2012 wurden nach einer Bilanz von Iraq Body Count insgesamt 4.471 Iraker Opfer politisch motivierter Gewalt, der höchste Stand seit 2009, und gut 400 Tote mehr als im Vorjahr 2011.

Die Sunniten begehren auf

Zum zehnten Jahrestag der US-Invasion sind allein in Bagdad mindestens 50 Menschen bei Bombenanschlägen getötet worden. Betroffen waren am Dienstag schiitische Viertel in Bagdad und südlich der Hauptstadt. Ärzte sprachen von 160 Verletzten. Mehrere Autobomben sind in der Nähe eines beliebten Marktes explodiert. Vergangene Woche starben in Bagdad 22 Menschen, 30 wurden verletzt, als Attentäter mit synchronisierten Bomben drei Ministerien beschädigten und sich ein stundenlanges Gefecht mit Sicherheitskräften lieferten. Doch auch in den Provinzen gärt es. "Wir leben wie Außenseiter" skandierten die Demonstranten in den zentralirakischen Städten Ramadi und Fallujah.

Immer wieder blockieren Tausende die Autobahn zwischen Bagdad und Jordanien, eine der wichtigsten Verkehrsadern des Landes. "Raus mit dem Iran" und "Maliki ist ein Lügner", riefen sie wütend – der Irak erlebt seit drei Monaten die größte Protestwelle der sunnitischen Minderheit seit dem Sturz von Saddam Hussein. Ausgelöst wurden die anhaltenden Unruhen Ende 2012, als Regierungschef Nuri al-Maliki neun Leibwächter des sunnitischen Finanzministers Rafaie al-Esawi verhaften ließ.

Ihnen wird vorgeworfen, an politischen Auftragsmorden beteiligt zu sein. Ein Jahr zuvor hatte sich der Premier bereits in einer ähnlichen Aktion den sunnitischen Vizepräsidenten Tareq al-Hashemi vorgeknöpft. Dieser floh in die Türkei ins Exil, während er zu Hause "wegen terroristischer Tätigkeiten" zum Tode verurteilt wurde. Finanzminister Rafaie al-Esawi ist inzwischen zurückgetreten, ebenso Landwirtschaftsminister Ezzedine al-Dawleh, sie waren zwei der wichtigsten Vertreter der Sunniten im Kabinett Maliki.

Leserkommentare
  1. und es ist trotzdem nichts besser geworden im Irak.
    Sollte man über die bequeme personalisierte Schuldzuweisung an den Satan Bush nicht mal wegkommen und etwas tiefgründiger analysieren.
    Egal, ob Obama das Kapitel für sich abgeschlossen hat (was allerdings kaum für ihn spricht).

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    Bush war eine marionette, viel zu naiv um mit bösartigem Kalkül vorzugehen. Viel wichtiger waren die Hintermänner mit bezeichnenden namen wie "Rummsfeld".

    • va
    • 19. März 2013 17:07 Uhr

    Die amerikanischen Truppen sind ja nicht gemeinsam mit Bush ausgewechselt worden. Das ist immer noch die gleiche Truppe mit den gleichen Fehlern.

    Schließlich hat die Bush-Regierung die Entscheidung getroffen, in den Irak einzumarschieren, und hat damit einen Flächenbrand ausgelöst, der sich jetzt nicht ohne weiteres löschen lässt.

  2. Das Konzept des Nationbuilding kann man dann wohl auch endlich mal als gescheitert anerkennen und dieses Kapitel zu den Akten legen. Man kann Kulturen, die nicht in der Lage sind sich demokratisch selbst zu bestimmen, nicht einfach die Erleuchtung der Demokratie geben. Die Geschichte zeigt, die funktionierenden Demokratien dieser Welt haben sich diese entweder mit immensem Blutzoll erkämpft oder nach unermesslichem Leid adaptiert.

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    • scrut
    • 19. März 2013 13:00 Uhr

    >>Man kann Kulturen, die nicht in der Lage sind sich demokratisch selbst zu
    >>bestimmen, nicht einfach die Erleuchtung der Demokratie geben.

    Ich behaupte, dass jede Nation und fast jede Kultur - besonders die Menschen im Irak - in der Lage ist, sich demokratisch zu organisieren.
    Allerdings schafft man nicht gerade optimale Voraussetzungen dafür, wenn man erst 30 Jahre lang einen brutalen Diktator aufbaut, die Zivilbevölkerung mit Sanktionen traktiert, danach das gesamte Land in Schutt und Asche legt, Millionen von Menschen die Lebensgrundlage nimmt, hunderttausende Menschen ermordet, einigen Stammesfürsten einseitig Waffen und Geld gibt, wahllos Menschen verschleppt, foltert und dann die Täter nicht einmal zur Rechenschaft zieht.
    So schafft man nur die Grundlage für endlose Bürgerkriege - und genau das und die damit einhergehende Rechtlosigkeit erleben die Menschen im Irak seit 10 Jahren.

    Aber nicht, weil sie zu Demokratie nicht in der Lage sind, sondern weil wir nicht den Nährboden für Demokratie, sondern den Nährboden für Gewalt ausgelegt haben.

  3. "Es war das glatte Gegenteil einer Verschwörung: In aller Öffentlichkeit schmiedeten ultrarechte US-Denkfabriken schon 1998 Pläne für eine Ära amerikanischer Weltherrschaft, für die Entmachtung der Uno und einen Angriffskrieg gegen den Irak. Konzepte für eine solche Politik existieren in der Tat. Sie wurden bereits in den neunziger Jahren in ultrarechten "Think Tanks" entwickelt - Denkfabriken, in denen Kalte Krieger aus dem Dunstkreis von Geheimdiensten und Erweckungskirchen, von Rüstungs- und Ölkonzernen gespenstisch anmutende Pläne für eine neue Weltordnung schmiedeten. (...) In den Visionen der Falken wird das Völkerrecht durch das Recht des Stärkeren ersetzt. (...) Zehn PNAC-Mitglieder, die diesen Brief beziehungsweise den Gründungsaufruf unterzeichnet haben gehören mitlerweile zur Bush Regierung (Cheney,Rumsfeld,Wolfowitz,Armitage,Perle,Kristol,Khalilzad...)."(SPON 2003)

    Unötig zu erwähnen,dass die Bush Regierung, Hussein auch mit 9/11 in Verbindung brachte, was nachweislich Unfug war.
    Aus dem PNAC Strastegiepapier "Rebuilding America´s Defenses" :
    “Further, the process of transformation, even if it brings revolutionary change, is likely to be a long one, absent some catastrophic and catalyzing event – like a new Pearl Harbor.”

    Dieses neue Pearl Harbour geschah am 11.9.2001,es wäre zu verhindern gewesen und die Hintergründe (z.B. Involvierung Saudi Arabiens,"Versagen" der Geheimdienste,"Versagen" des Sicherheitsapparates) sind nach wie vor nicht geklärt.

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    An investigation by a committee in the House of Representatives in 2004 identified “237 misleading statements about the threat posed by Iraq that were made by President Bush, Vice President Cheney, Secretary Rumsfeld, Secretary Powell, and National Security Advisor Rice. These statements were made in 125 separate appearances, consisting of 40 speeches, 26 press conferences and briefings, 53 interviews, 4 written statements, and 2 congressional testimonies.” According to the committee, at least 61 separate statements “misrepresented Iraq’s ties to al-Qaeda.” A Senate investigation in 2006 also covered these lies.

    http://web.archive.org/web/20060514140012/http://www.house.gov/reform/mi...

    Es sind Konzerne wie Blackwater, die die US-Truppen im Irak unterstützt haben. Spezialunternehmen, die für Sicherheit, Logistik und Wiederaufbau zuständig waren - und dabei noch mehr verdienten als bislang bekannt. 138 Milliarden Dollar flossen an diese Dienstleister, geht aus einer Analyse der "Financial Times" hervor. Ein teurer, privatisierter Krieg.

    Zu Beginn der Irak-Invasion am 20. März 2003 war die US-Regierung unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush noch von deutlich niedrigeren Kosten ausgegangen: Sie veranschlagte für Militär und Wiederaufbau Gesamtkosten in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Dollar. Doch die Ausgaben explodierten. Insgesamt hat der Krieg der Studie "Costs of War Project" zufolge rund 2,2 Billionen Dollar gekostet.

    Davon profitierten besonders die Spezialfirmen wie Kellogg Brown and Root, Aegis, Ecolog und auch Blackwater, das sich später umbenannte. Die USA haben mehr private Anbieter als in irgendeinem anderen Konflikt zuvor engagiert, teilweise waren fast genau so viele Angestellte von Service- und Sicherheitsunternehmen vor Ort wie Soldaten. Zurzeit sind laut "Financial Times" noch 14.000 Firmenmitarbeiter im Irak, davon 5500 Sicherheitsleute. Das Pentagon spricht von rund 8500 Mitarbeitern und rund 2300 Sicherheitsleuten.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/wer-wirklich-am-irak-krieg-verdien...

    • TottiZ
    • 19. März 2013 12:52 Uhr

    Der Mann gehört nach Den Haag vor den internationalen Gerichtshof, um sich zu verantworten. Das gleiche gilt für die gesamte Bush Administration.

    Eine freie Meinung!

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  4. Bush war eine marionette, viel zu naiv um mit bösartigem Kalkül vorzugehen. Viel wichtiger waren die Hintermänner mit bezeichnenden namen wie "Rummsfeld".

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  5. ...soviele Jahre nach Bush und nach Ende der US-Militärpräsenz immer noch den USA die Schuld zu geben, dass dort alles drunter und drüber geht.

    Ein ausführlicher Artikel zu den eigentlichen Drahtziehern der Misswirtschaft und des Terrors, zu den iranischen Safawiden, wäre wesentlich besser gewesen.

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    Keineswegs albern. Wer ein so ein Verbechen begangen hat, der kann sich durch einfaches Abtauchen nicht reinwaschen (lassen) - nicht einmal nach Jahrzehnten! Diese Vogel Strauß Taktik ist zwar beliebt, funktioniert allerdings nur bei den Mächtigen dieser Welt.

    ...deswegen ruft man ja auch hier, Bush ist ein Verbrecher, während die Demonstranten im Irak rufen: "Maliki ist ein Lügner".

    Andere Worte, anderer Klang, man kann es oben nachlesen.

    Oder glauben Sie tatsächlich,was Sie hier vertreten,es erinnert mich stark an die eingebetteten Medien ,die ja heute noch alles geben ,um die Wahrheit zu vernebeln,weil sie anscheinennd gekauft sind.

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitet verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    9 Leserempfehlungen
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    dass die USA dort abgezogen sind oder?

    & die sunnitischen / schiitischen Aufständischen brauchen keine unterstützung von westlichen Staaten um sich & andere zu bekämpfen - das hat auch schon gut funtkioniert als die SUA dort noch die Führung inne hatten

    aber schöne Verschwörungstheorie - Israel ist Schuld , dazu Uk & USA - das ist ja mal was ganz Neues.

    schön wenn alles so einfach ist

  7. Das katastrophale Naher und Mittlerer Osten -Erbe des USRael...?

    Eine Leserempfehlung
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Wir wünschen uns eine differenzierte Diskussion von Argumenten. Danke, die Redaktion/jk

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