Der italienische Komiker und Politiker Beppe Grillo © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Der Protestpolitiker und Überraschungssieger der Parlamentswahl in Italien, Beppe Grillo, rechnet mit dem Zusammenbruch des politischen Systems in seinem Land: "Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate – und dann ist hier Schluss", sagte Grillo dem Focus. "Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr."

Weiter forderte Grillo, Italiens Staatsschulden neu auszuhandeln. "Wir werden erdrückt – nicht vom Euro, sondern von unseren Schulden. Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot. Es gibt da keine Alternativen." Der Staat sei wie eine Aktiengesellschaft: "Wenn ich Aktien einer Gesellschaft gekauft habe, die bankrott geht, dann habe ich eben Pech. Ich habe riskiert – und verloren." Wenn sich die Bedingungen nicht änderten, solle Italien den Euro verlassen und zur Lira zurückkehren.

Er wolle weder mit dem Chef der Mitte-Links-Allianz, Pier Luigi Bersani, noch mit dem rechtsgerichteten Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi eine Koalition eingehen, sagte Grillo. "Wenn die PD Bersanis und Berlusconis PDL vorschlagen würden: sofortige Änderung des Wahlgesetzes, Streichung der Wahlkampfkostenerstattung, maximal zwei Legislaturperioden für jeden Abgeordneten – so eine Regierung würden wir selbstverständlich sofort unterstützen", sagte Grillo. "Aber sie werden das nie tun. Sie bluffen nur, um Zeit zu gewinnen."

Ergebnis als Generalprobe

Grillo zeigte sich erleichtert, dass seine Bewegung nicht gleich eine Regierungsmehrheit bekommen hat. "Das hier ist jetzt die Generalprobe", sagte er. "Wir wären vielleicht etwas besorgt gewesen, wenn wir gleich die Mehrheit bekommen hätten."

Grillos Fünf-Sterne-Bewegung hatte bei der Parlamentswahl überraschend mehr als 25 Prozent der Stimmen bekommen. Bersanis Parteienbündnis gewann knapp die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, verfehlte aber eine Mehrheit im Senat. Da für die Verabschiedung von Gesetzen eine Mehrheit in beiden Kammern benötigt wird, ist unklar, ob es eine handlungsfähige Regierung geben wird.

Zuletzt hatte Bersani gesagt, er wolle eine Minderheitsregierung führen. Eine Koalition mit Berlusconi schloss er aus.