"Wir haben keinen Papst und bald auch keine Regierung mehr. Was können wir machen?" Manche Italiener können der Lage im Land nur noch mit Humor begegnen: "Eine Party", schlagen sie vor. Doch der Finanzmarkt versteht keine Witze: Die Mailänder Börse drehte zum Wochenbeginn erst mal ins Minus. Am Freitag hatte die Rating-Agentur Fitch Italien aufgrund der fortdauernden politischen Instabilität um einen Punkt heruntergestuft.

Italien braucht dringend eine Regierung, die einige notwendige Reformen in Gang bringen kann, unter anderem die des Wahlgesetzes. Die Zeit dafür ist aber sehr knapp. Am 15. März wird sich das neue Parlament zum ersten Mal versammeln. Daraufhin sollen sich die Fraktionen bilden und die Vorsitzenden der zwei Häuser gewählt werden. Das dürfte auch ein erster Test für die weiteren Verhandlungen werden.

Früher, in der sogenannten zweiten Republik, hätte die eine oder die andere Koalition eine deutliche Mehrheit gehabt. Wäre diese Mehrheit ins Wanken gekommen, hätten sich immer auch einige Abgeordnete gefunden, die problemlos "im Namen des Gemeinwohls" die Seiten gewechselt hätten. Wie Sergio De Gregorio zum Beispiel, der zurzeit unter Verdacht steht, von Silvio Berlusconi drei Millionen Euro erhalten zu haben, um 2007 die Prodi-Regierung zu stürzen.

So etwas scheint im Moment nicht mehr möglich zu sein. Aufgrund des umstrittenen Wahlgesetzes sind die zwei Häuser des Parlaments sehr ungleich besetzt. Während die Mitte-Links-Koalition eine starke Mehrheit im Abgeordnetenhaus stellt, ist der Senat in drei Blöcke geteilt: Mitte-Links, Mitte-Rechts und Beppe Grillos Fünf-Sterne-Bewegung. "Im italienischen Parlament gibt es zurzeit drei starke Minderheiten, aber keine Mehrheit", sagt der Verfassungsrechtler Michele Ainis.

Der Wahlsieger und Chef der Mitte-Links-Koalition Pier Luigi Bersani strebt eine Allianz mit der Fünf-Sterne-Bewegung an. Um Grillos Abgeordneten seine Kompromissbereitschaft zu zeigen, will Bersani ihnen die Präsidentschaft für eines der beiden Häuser anbieten. Zudem hat er acht Gesetzesvorschläge gemacht, die er gern mit den Grillo-Anhängern umsetzen würde – unter anderem eine Halbierung der Zahl der Parlamentsabgeordneten, eine radikale Senkung der Verwaltungskosten und ein Gesetz gegen die Interessenkonflikte der Politiker.

"Grillini" wollen keine Kompromisse eingehen

Doch trotz wiederholter Aufrufe von Prominenten und Intellektuellen gingen die 163 Grillo-Abgeordneten bisher nicht darauf ein. Der Komiker hatte die Angebote in seinem Blog als "Viehhandel" verspottet. Die zwei designierten Fraktionschefs bekräftigten außerdem, alle Fünf-Sterne-Abgeordneten hätten dasselbe Statut unterschrieben, nach dem keine Kompromisse mit den anderen Parteien möglich seien.

Die Stimmung unter den "Grillini" ist jedoch nicht so eindeutig. Grillo griff deshalb zu radikalen Mitteln und drohte am Sonntag seinen Rückzug an, sollten die Abgeordneten doch eine Allianz mit Bersanis PD eingehen wollen – wohl auch, um die Idee einer Online-Volksabstimmung im Sinne der Netzwerk-Bewegung gleich im Keim zu ersticken.

Die Fünf-Sterne-Abgeordneten beteuern, dass sie alle Gesetzesvorschläge befürworten werden, die mit ihrem Programm übereinstimmen. Gleichzeitig aber wollen sie keiner Regierung ihr Vertrauen aussprechen. Ohne ein solches Vertrauensvotum ist eine Regierungsbildung nicht möglich.

Gibt es eine Alternative? Bersani hat mehrmals ausgeschlossen, dass die zweite Variante – eine große Koalition mit Berlusconis PDL – überhaupt infrage kommt.