PräsidentschaftswahlVize-Regierungschef Kenyatta vor Wahlsieg in Kenia

Die Präsidentschaftswahl in Kenia wird wohl Uhuru Kenyatta für sich entscheiden. Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch der Abstand zu Premier Odinga ist groß.

Wird wohl der künftige kenianische Präsident: Uhuru Kenyatta bei seiner Stimmabgabe

Wird wohl der künftige kenianische Präsident: Uhuru Kenyatta bei seiner Stimmabgabe

Im Rennen um das Präsidentenamt in Kenia liegt der stellvertretende Ministerpräsident Uhuru Kenyatta in Führung. Der 51-Jährige kommt nach Auswertung von etwa 8.000 von knapp 32.000 Wahllokalen auf rund 55 Prozent. Ministerpräsident Raila Odinga vereint dagegen bisher nur rund 40 Prozent der Stimmen auf sich. Offiziellen Angaben zufolge soll die Wahlbeteiligung mehr als 70 Prozent betragen haben.

Die Wahlkommission hat eine Woche lang Zeit, das offizielle Ergebnis bekannt zu geben. Sollte keiner der insgesamt acht Kandidaten im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreichen, fällt die Entscheidung in einer Stichwahl am 11. April.

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Neben dem Präsidenten – Amtsinhaber Mwai Kibaki durfte nach zwei Amtsperioden nicht erneut antreten – haben die Kenianer auch das Parlament, Senatoren und Provinzgouverneure neu bestimmt. Bei der Abstimmung stand auch ein prominenter Name auf der Liste: Malik Obama, der Halbbruder von US-Präsident Barack Obama, möchte in seinem Heimatbezirk Siaya im Westen des Landes Gouverneur werden. Er fühle sich durch die Leistungen seines jüngeren Bruders inspiriert, sagte der 54-Jährige: "Es ziemt sich für den Erstgeborenen, ebenfalls einen Beitrag zu leisten, und ich möchte das hier in Kenia tun, in Afrika."

Für Kenia ist es die erste Wahl seit der Einführung einer neuen Verfassung, die den Abstimmungsprozess transparenter gestalten und Ausschreitungen wie bei der Parlamentswahl 2007 verhindern soll.

Damals trieb die tiefe ethnische Zerrissenheit das ostafrikanische Land beinahe in den Bürgerkrieg. Mehr als 1.200 Menschen wurden getötet, Hunderttausende vertrieben. Konkreter Auslöser war die Stichwahl, bei der sich sowohl Präsident Mwai Kibaki als auch Raila Odinga zum Wahlsieger erklärt hatten. Erst nach monatelangen Gewaltausbrüchen in zahlreichen Landesteilen einigten sich die Kontrahenten auf einen Kompromiss: Kibaki blieb Staatschef, Odinga wurde Premier.

Auch der vermeintliche jetzige Wahlsieger spielte bei diesen Unruhen eine unrühmliche Rolle. Der Sohn des ersten Präsidenten Jomo Kenyatta soll ethnische Gruppen zu Gewalt angestiftet haben. Er muss sich deshalb, ebenso wie der Kandidat für die Vize-Präsidentschaft William Ruto, vor dem Weltstrafgericht in Den Haag verantworten.

Bei der diesjährigen Abstimmung bleib es im Vergleich dazu nahezu friedlich. Vereinzelt kam es zu Bandenüberfällen, bei denen nach Polizeiangaben neun Sicherheitskräfte und sechs Angreifer getötet wurden. In der Küstenstadt Mombasa kamen bei Anschlägen zwölf Menschen ums Leben. Polizeichef Jared Ojuok machte die separatistische Gruppe Mombasa Republican Council (MRC) für die Taten verantwortlich. Sie hatte im Vorfeld damit gedroht, die Wahlen zu behindern.

 
Leser-Kommentare
  1. ...wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag gesucht?

    2 Leser-Empfehlungen
  2. die Probleme noch lange nicht gelöst.

    Die verschiedenen Volksgruppen in Kenia bekämpfen sich seit Jahrzehnten. Der Westen schaut zu. Eigen Interessen Westlicher Unternehmen, die durch "Land Enteignung" die fruchtbaren Böden der Bevölkerung entziehen führen zu Armut und Hunger. Kaffee- und Blumen- und Gemüse Plantagen treiben die Kenianischen Bauern ins Elend. Korrupte Politiker machen sich mit Hilfe Europäischer Agrar Konzerne die Taschen voll.

    Hieran wird sich durch die Wahlen kaum etwas ändern.

    Da von der EU kaum Hilfe zu erwarten ist können die EU Bürger durch Verzicht protestieren um den Menschen in Kenia zu helfen.

    Wenn die Kenianer die Neo Kolonialen Fesseln los sind dann können sie sich zum großen Teil mit dem vorhandenen, fruchtbaren Land weitgehend selbst ernähren.

  3. Hier die Weltbankzahlen zur Bevölkerungsentwicklung von Kenia:

    Kenia 1960: 8 Millionen
    Kenia 1975: 14 Millionen
    Kenia 1990: 23 Millionen
    Kenia 2009: 39 Millionen

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