Feldlager Kundus"Die Bundeswehr hat uns allein gelassen"

Sie fürchten die Rache der Taliban: Ehemalige Übersetzer der Bundeswehr haben vor dem Feldlager in Kundus protestiert und um Ausreise oder Asyl in Deutschland gebeten.

Ein Versorgungskonvoi verlässt das Lager Kundus der Bundeswehr.

Ein Versorgungskonvoi verlässt das Lager Kundus der Bundeswehr.

Aus Angst vor Attentaten durch die Taliban haben ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr vor dem Feldlager in Kundus Asyl in Deutschland verlangt. Etwa 35 Afghanen versammelten sich vor dem Camp und forderten Schutz. "Die Sicherheitslage verschlechtert sich hier, und die Bundeswehr hat uns allein gelassen", sagte der 24-jährige Übersetzer Aliullah Nasar. "Die Bundeswehr muss uns dabei helfen, außer Landes zu kommen, oder uns Asyl in Deutschland gewähren."

Die Mitarbeiter der Bundeswehr in Afghanistan befürchten, dass die Taliban sie für ihre Zusammenarbeit mit den ausländischen Truppen bestrafen wollten. In Deutschland beschäftigen sich das Innen- und das Verteidigungsministerium sowie das Auswärtige Amt damit, was mit den bedrohten ehemaligen Mitarbeitern geschehen soll.

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Ein Bundeswehr-Sprecher in Kundus sagte, man habe Nasari versichert, die Ängste auch ehemaliger Mitarbeiter würden sehr ernst genommen. "Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung und Fürsorgepflicht für Ortskräfte sehr bewusst." Jedem Ex-Mitarbeiter stehe es frei, sich mit seinen Sorgen schriftlich an die Bundeswehr zu wenden.

Karsai verhandelt in Katar

Unterdessen ist der afghanische Präsident Hamid Karsai zu Gesprächen über die Eröffnung einer Vertretung der islamistischen Taliban nach Doha gereist. Sein Sprecher sagte, bei den Gesprächen in Katar werde es auch um den Friedensprozess in Afghanistan gehen. Die gegen die Regierung in Kabul kämpfenden Taliban-Rebellen lehnen direkte Gespräche mit Karsai ab, den sie als Marionette der USA bezeichnen.

Die Taliban hatten sich zu Jahresbeginn bereit erklärt, eine dauerhafte Vertretung in Katar zu eröffnen, um Verhandlungen mit den USA zu führen. Die Regierung in Kabul protestierte zunächst dagegen, dass Washington separat Kontakte zu den Taliban aufbaute, um den Konflikt in Afghanistan beizulegen. Angesichts des bis Ende 2014 vorgesehenen Abzugs der Nato-geführten Kampftruppen aus Afghanistan steht Karsai jedoch zunehmend unter Druck, sich mit den Taliban zu arrangieren.

Bei einem Angriff eines Nato-Hubschraubers in Afghanistan sind am Samstag zwei Kinder und neun mutmaßliche Taliban-Kämpfer ums Leben gekommen. Die Soldaten seien von afghanischen Polizisten in der Stadt Ghasni im Südosten des Landes um Unterstützung gebeten worden, weil diese von Aufständischen angegriffen worden seien, sagte ein Nato-Sprecher. Nach afghanischen Angaben wurden acht Zivilisten verletzt. Die Nato will den Berichten über Opfer in der Bevölkerung nachgehen.

 
Leser-Kommentare
    • ZH1006
    • 30.03.2013 um 18:38 Uhr

    Auch das ist nicht richtig. Hubschrauberpilotinnen beim Militär, Schulen für Mädchen, Gemüsekooperativen dank Bewässerungsprojekten, all das wäre ohne die hier kritisierten Einsätze nicht möglich gewesen.

    Antwort auf "Ein Recht auf Asyl"
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    • spacko
    • 30.03.2013 um 19:34 Uhr

    ... was die Taliban machen werden mit den Hubschrauberpilotinnen beim Militär, Schulen für Mädchen, Gemüsekooperativen dank Bewässerungsprojekten? Etwas Anderes als mit den Übersetzern? Immer noch so naiv?

    • spacko
    • 30.03.2013 um 19:34 Uhr

    ... was die Taliban machen werden mit den Hubschrauberpilotinnen beim Militär, Schulen für Mädchen, Gemüsekooperativen dank Bewässerungsprojekten? Etwas Anderes als mit den Übersetzern? Immer noch so naiv?

  1. ansonsten müsst ich die nämlich reichlich zynisch finden.

    die 2000 zukünftig ehemaligen mitarbeiter deutscher behörden und NGOs werden sicher schwer was reissen bei der fortschreitenden demokratisierung (?) ihrer heimat. gerade bei den ganzen dann-nicht-mehr-übersetzern täte ja einiges an persönlichen ressourcen freiwerden für ein engagement in der erwachsenenbildung an der volkshochschule von kandahar oder mazar i sharif. wenn denen deswegen dann gelegentlich das eine oder andere familienmitglied abhanden kommen sollte - naja, kein job hat nur schöne seiten. bzw. - immer noch besser, als gar keine ressonanz

  2. 19. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

  3. in andere Kulturen rein hängt, wenn man davon keinerlei
    Ahnung hat und denen auf Befehl von dem Amerikaner
    Bush sogenannte Demokratie aufzwingen will.
    So werden Menschen missbraucht, wie in Vietnam usw.
    von Leuten deren Verstand versagt hat.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Ich fürchte nur, der Brain Drain droht in jedem Fall, wahlweise durch Evakuierung/Flucht oder durch Terror und Tod, davor schützen auch die modernsten Waffen nicht. Die Aufgabe eines Mädchenschullehrers ist das Unterrichten von Mädchen, nicht die Abwehr importierter Gewalt.

    Mein erster Gedanke beim Lesen der Meldung war an ein Bild vom amerikanischen Rückzug aus Saigon http://www.faz.net/polopoly_fs/1.402087!/image/168238215.jpg_gen/derivatives/article_full/168238215.jpg mit der Folge: 400.000 Tote in Umerziehungslagern/durch Hinrichtungen und 1,5 Millionen Flüchtlinge.

    Der Frieden in Afghanistan wird lang und furchtbar, wahrscheinlich länger als der über 30jährige Krieg. Um über 30 Jahre Krieg wurde von der Mehrheit der Zivilbevölkerung nicht gebeten.

    Um sich deren Realität in Zahlen zu vergegenwärtigen: das Durchschnittsalter in Afghanistan liegt bei 18 Jahren, in D bei 46, die afghanische Lebenserwartung liegt nur knapp darüber, bei 48, in D bei 80. Über 30% der Kinder unter 5 Jahren in A haben Untergewicht, in D 1%. Auf 1000 Einwohner kommen in A 0,2 Ärzte, in D 3,5. Alphabetisiert sind 28% der Afghanen, in D 96%, Stromverbrauch pro Kopf/Jahr in D 6.600 KWh, in A 7,5. Exportumsatz in D 1.400 Milliarden $, in A 2,6.

    Der Krieg wurde von der ISAF nicht gewonnen und Aflaton hat völlig recht: 'technokratische Verantwortungslosigkeit', von 'langjährigen Bemühungen um Frieden und Menschenrechte' sollte man lieber nicht sprechen, das ist Wortkosmetik.

    Eine Leser-Empfehlung
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  5. Die für den schweden zuständigen haben alle gemeinsam einen Asylantrag bei der Botschaft eingereicht.
    Ginge nicht, könnte man nur in Schweden und jeder nur für sich beantragen.
    Aber erstmal hinkommen...
    Die werden bestimmt als Fünfte Kolonne behandelt. Wenigstens Trakassiert...

    • spacko
    • 30.03.2013 um 19:34 Uhr

    ... was die Taliban machen werden mit den Hubschrauberpilotinnen beim Militär, Schulen für Mädchen, Gemüsekooperativen dank Bewässerungsprojekten? Etwas Anderes als mit den Übersetzern? Immer noch so naiv?

    Antwort auf ""Misserfolg""

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, sc
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  • Schlagworte Afghanistan | Kundus | Bundeswehr | Isaf | Hamid Karsai | Nato
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