ProvokationRussland kritisiert "Muskelspiele" zwischen USA und Nordkorea

Die Lage in Korea könne außer Kontrolle geraten, warnt Russlands Außenminister Lawrow. Der Norden versucht derweil mit Fotos angeblicher Angriffspläne Angst zu schüren.

Der russische Ausminister Sergej Lawrow

Der russische Ausminister Sergej Lawrow  |  © John Moore/Getty Images

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat vor "militärischen Muskelspielen" auf der koreanischen Halbinsel gewarnt. Die Lage könne außer Kontrolle geraten. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat zuletzt Langstreckenraketen-Einheiten in ständige Bereitschaft versetzen lassen. Lawrow sagte, militärische Handlungen in der Region führten zu einem Teufelskreis. Die Spannungen dürften nicht dazu genutzt werden, geopolitische Fragen in der Region mit kriegerischen Mitteln zu lösen. Nordkorea hat eine gemeinsame Grenze mit Russland.

Als Reaktion auf die jüngsten Übungsflüge atomwaffentauglicher US-Bomber in Südkorea hatte Machthaber Kim Jong Un befohlen, strategische Raketen auf einen möglichen Einsatz vorzubereiten. Angesichts der Lage sei es an der Zeit, eine Rechnung mit den US-Imperialisten zu begleichen, sagte Kim laut Berichten nordkoreanischer Medien. Dieser Schritt sei keine bloße Machtdemonstration mehr, sondern weise darauf hin, dass die USA einen "Atomkrieg um jeden Preis" entfachten. Die eigenen Raketen sollten bei einer "rücksichtslosen Provokation" jederzeit abgefeuert werden können.

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Das Pentagon wies die Vorwürfe Nordkoreas zurück: Die Flüge der B-2-Langstreckenbomber seien reguläre Übungen gewesen und nicht als Affront gegen den Norden gedacht gewesen. "Wir müssen klarmachen, dass wir diese Provokationen aus dem Norden sehr ernst nehmen und dass wir darauf antworten werden", sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel.

Nordkorea verfügt nach Meinung von Experten allerdings nicht über die Kapazitäten für einen Atomangriff auf die USA. Sie bezweifeln, dass Nordkorea derzeit einen Sprengkopf herstellen kann, der wiederum auf einer Rakete platziert werden kann. Fraglich ist auch, wann das Land dafür überhaupt funktionstüchtige Trägersysteme wie Raketen oder U-Boote bereitstehen haben wird.

Doch befürchten Südkorea und die USA, Nordkorea könne andere militärische Provokationen unternehmen. Mit der jüngsten Drohung will das Regime in Pjöngjang offenbar zeigen, dass es sich durch die USA nicht einschüchtern lässt.

"Schlachtplan auf dem amerikanischen Kontinent"

Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA verbreitete zudem zwei Fotos von Kim mit vier ranghohen Offizieren, auf denen im Hintergrund eine militärische Landkarte zu erkennen ist. Ihr Titel lautet: "Schlachtplan der strategischen Kräfte auf dem amerikanischen Kontinent". Eingezeichnete Linien stellen offenbar die geplanten Flugbahnen der Raketen dar.

Eine weitere Karte im Hintergrund der Bilder zeigt offenbar die aufgezeichneten oder vorhergesagten Bewegungen der 7. Flotte der US-Marine im Pazifik. Ebenfalls zu sehen ist ein großer Wand-Bildschirm, der Auskunft über die Ausstattung der nordkoreanischen Marine gibt: "U-Boote: 40, Angriffsschiffe: 13, Minenabwehr-Schiffe: 6".

Kriegerische Signale als Mittel der Diplomatie sind für Nordkorea üblich, um Wirtschaftshilfe aus dem Ausland zu erhalten. Experten glauben nicht, dass es Nordkorea wirklich auf eine Kraftprobe mit den USA ankommen lassen will. Ein durch Raketenangriffe auf Südkorea oder US-Militärstützpunkte ausgelöster Krieg dürfte angesichts der Übermacht der Amerikaner den Untergang des Regimes in Pjöngjang bedeuten. Kim Jong Un will vermutlich eher nach innen Zeichen setzen und sich gegenüber der Armeeführung als Militärstratege beweisen.

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Leserkommentare
  1. Also ich kann im Grunde nur die einseitige infantilen, mittlerweile täglichen Drohungen seitens des kleinen Kim erkennen. Es sollte klar sein, dass die USA signalisieren, dass sie zu Südkorea halten.

    Ich würde den USA sogar unterstellen sehr besonnen zu agieren. Andere Administrationen (z.B. Bush) hätten wahrscheinlich schon längst verbal massiv dagegen gefeuert. In der Art: "Sollen Sie es doch versuchen" ...

    Ich glaube Nordkorea kann niemand wirklich verstehen. Die haben sich dort seit zig Jahrzehnten eine eigene Welt und Realität aufgebaut. Die Gefahr eines heißen Konflikts halte ich für immer wahrscheinlicher. Solange es dem jungen Kim nur darum geht innenpolitisch seine Macht zu festigen passiert nichts. Vielleicht ist der junge Kim aber auch psychisch instabil und glaubt wirklich er könne gewinnen.

    20 Leserempfehlungen
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    USA spielt zusammen mit Südkorea Krieg und veranstalten ein Manöver an Nordkoreas Grenze.

    Letztes Jahr landeten versehentlich ein paar Kanonenschüsse auf Nordkorea. Nordkorea feuerte zurück.

    Schätze, wenn das Manöver etwas mehr Abstand zu Nordkorea halten würde, wäre das Säbelgerassel auch nur halb so laut. Die amerikanische Übermacht für halt zu ein bisschen Übermut.

    Hoffen wir mal, dass sie nicht überdrehen. Nach den strategischen Komplettunfällen in Afghanistan und Irak sollten die Amis gelernt haben, dass Krieg anfangen viel leichter ist als Krieg aufhören, wenn man keinen Plan hat, der funktioniert.

    • cm30
    • 29. März 2013 18:22 Uhr

    Und Sie wissen ganz sicher, was zuerst da war von der Henne und dem Ei - einschließlich der US-Militärmanöver sowie den US-Sanktionen gegen Nordkorea. Ihr einseitig polemischer Kommentar ist nicht weniger infantil..

    Ich hoffe er hat während seines Schulaufenthaltes in der Schweiz etwas gelernt und ist in der teuren Elite - Privatschule nicht dem Grössenwahn verfallen.

    Das zeigt wieder mal, dass man überall auf der Welt (wenn man Geld hat) willkommen ist, unabhängig wer man ist. ..

  2. Bei aller Ernsthaftigkeit - Irgendwie drollig, diese Nord-Koreaner... glauben doch tatsächlich, mit den großen Jungs spielen zu können 0_o

    6 Leserempfehlungen
  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

  4. ...ich kann mich noch gut erinnern im Zug einen Artikel mit der Überschrift:
    "Säbelrasseln im Irak" gelesen zu haben. Das war Ende Juli 1990.
    Und Sadam Hussein mag viel gewesen sein, so verrrückt wie little Kim war er bestimmt nicht.
    my2cents.

  5. Ich lese oft, dass die neue Welt, in welcher Russland und China die tonangebenden Mächte sein werden eine viel bessere sein wird.

    Wie wäre es wenn Russland und China damit jetzt schon mal anfangen und gemeinsam der Nordkoreanischen Regierung klar machen, dass jetzt schicht im Sacht ist und Kim-Dynastie und Militärstaat ausgedient haben?

    Auf einen Schlag könnte man 24 Millionen Menschen aus Diktatur und Hunger befreien und die Welt so besser machen. Gut möglich, dass dazu nichtmal ein einziger Schuss fallen muss (vorausgesetzt, dass der Kim und seine Generäle nicht alle völlig durchgeknallt sind, was ich aber auch für unwahrscheinlich halte, scheint ein Exil in Anbetracht der alternative annehmbar)

    9 Leserempfehlungen
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    Oh ja, besonders weil Russland und China die Länder sind, welche Demokratie in die Welt tragen und für ihre ausgezeichnete Rechtsstaatlichkeit bekannt sind. Ich finde es ehrlich gesagt schlimm, dass fast jeder zweite Kommentar auf Zeit Online sich auf die Seite von Regimen wie denen in China oder Russland (teilweise sogar Nordkorea) schlägt, einfach nur weil man ja nicht "westlich" sein will.

    Ist Ihnen schon in den Sinn gekommen, dass es möglich ist, für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte zu sein ohne in Lagern zu denken? Ich persönliche heiße grundsätzlich jeden Verstoß gegen o.g. für falsch - Und es juckt mich rein gar nicht ob nun die USA, Deutschland, Russland, China oder Nordkorea gegen eine dieser Dinge verstoßen.

    Da sie jedoch davon ausgehen dass die Welt unter "Führung" von chinesischen/russischen Werten eine bessere wäre, rate ich Ihnen: Buchen Sie drei Flüge - Einen in die USA, stellen Sie sich in der Öffentlichkeit hin und behaupten die Regierung verstößt gegen Menschenrechte etc. tun sie selbiges in Russland (beschuldigen sie Putin) und in China (Die gesamte Regierung) und schreiben Sie mir doch bitte anschließend wie die Behörden reagierten.

    Ich persönlich bin kein "Lagermensch" ich beurteile jede Handlung unabhängig davon wer sie ausgeführt hat.

    • cm30
    • 29. März 2013 18:19 Uhr

    > Auf einen Schlag könnte man 24 Millionen Menschen aus Diktatur
    > und Hunger befreien und die Welt so besser machen.

    Vielleicht sollten wir erstmal den knapp 40 Millionen Hungernden in den USA Unterstützung leisten, bevor wir uns um Nordkorea kümmern. Es ist doch heuchlerisch, dass Sie den Hungernden in einer fremden Welt mehr Empathie entgegenbringen als in der eigenen.

    • vyras
    • 29. März 2013 23:57 Uhr

    "Wie wäre es wenn Russland und China damit jetzt schon mal anfangen und gemeinsam der Nordkoreanischen Regierung klar machen, dass jetzt schicht im Sacht ist und Kim-Dynastie und Militärstaat ausgedient haben?"

    So mag das in einer Kneipe funktionieren mit dem Faustrecht, dass einer dem anderen sagt: "Jetzt verzieh Dich mal, und fertig". Souveräne Staaten sollten anders miteinander umgehen, z.B. mit den Mitteln der Diplomatie.

    Und wenn ich wenn ich diesen Konflikt mal unbeteiligt und nüchtern betrachte, dann ist es fraglich, wer da wen provoziert.

    • Lefty
    • 29. März 2013 16:33 Uhr

    dass sich China von Kim distanziert,bevor ein Unglück geschieht.

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    sehr besonnen gezeigt und keineswegs die nordkoreanischen Machthaber in Richtung Konflikt bestärkt.

  6. ... klein Kim ignorieren; keine Manoever, keine Kommentare von wegen Muskelspiel und einfach die alberne Show genießen sowie an den bestehenden Sanktionen festhalten.

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    • Ghede
    • 29. März 2013 16:57 Uhr

    Ja, das habe ich mir auch erst gedacht. Aber dann habe ich mir überlegt, dass das genauso gut nach hinten losgehen könnte. Für einen durchgeknallten "Genie der Genies" gibt es vermutlich wenig Schlimmeres, als nicht ernst genommen zu werden.

    Von daher muss man vielleicht wohl oder übel zumindest so tun...

    Die beste Antwort auf selbstmörderiche Drohungen Nordkoreas. Offiziell völlig ignorieren, aber auf diplomatischem Wege auch mit Hilfe Rußlands und Chinas die Aussichtlosigkeit eines nordkoreanischen Angriffs darlegen. Man sollte hier auch die Chinesen und Russen wirklich ernsthaft, d.h. auf Augenhöhe einbeziehen. So wäre Kim und Co. sicher zurückzuhalten.

    Sollte tatsächlich ein Schlagabtausch zwischen den USA und Nordkorea stattfinden, wäre das eine Katastrophe für die ohnehin schon leidende nordkoreanische Bevölkerung.
    Da wäre es doch besser, die Amis lassen ihre Bomber unten und erledigen das mit Ihren Bienenmännchen....

    • Ghede
    • 29. März 2013 16:57 Uhr

    Ja, das habe ich mir auch erst gedacht. Aber dann habe ich mir überlegt, dass das genauso gut nach hinten losgehen könnte. Für einen durchgeknallten "Genie der Genies" gibt es vermutlich wenig Schlimmeres, als nicht ernst genommen zu werden.

    Von daher muss man vielleicht wohl oder übel zumindest so tun...

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    Antwort auf "Man koennte ja ... "

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Russland | USA | Kim Jong Un | Nordkorea | Sergej Lawrow | Atomkrieg
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