Das kommunistische Nordkorea richtet neue Kriegsdrohungen gegen die USA. Sämtliche Feldartillerieverbände – inklusive der strategischen Raketeneinheiten – würden ab sofort "in Gefechtsbereitschaft" der höchsten Stufe versetzt, hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Erklärung des obersten Truppenkommandos. In der englischen Version der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA war von "höchster Alarmbereitschaft" die Rede.

Die Verbände könnten Militärschläge auf Truppenstützpunkte auf dem US-Festland, auf Hawaii, Guam und in anderen Gebieten im Pazifik sowie auf feindliche Ziele in Südkorea ausführen, hieß es. "Wir werden mit praktischen militärischen Maßnahmen den festen Willen der Armee und der Bevölkerung der Volksrepublik demonstrieren, die Souveränität und Würde der obersten Führung des Landes zu verteidigen", lautetet die Begründung.

Südkorea beobachtet die Entwicklung. Es habe zunächst keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen oder Aktionen im Nachbarland gegeben, hieß es vom Verteidigungsministerium in Seoul. Der Befehl scheine dem Zweck zu dienen, "eine kriegsähnliche Situation zu schaffen, um die Nordkoreaner zu einen, obwohl das auch in reale Provokationen münden könnte", zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen hochrangigen Beamten des Ministeriums.

Keine Kapazitäten für Atomangriff

Nordkorea unterstellte den USA erneut die Vorbereitung eines Atomkriegs. Das Regime fühlt sich durch jährliche südkoreanisch-amerikanische Militärübungen provoziert. In der Erklärung bezog sich das Truppenkommando erneut auf Übungsflüge von B-52-Langstreckenbombern der US-Streitkräfte über Südkorea.

Nordkorea verfügt nach Ansicht von Fachleuten nicht über die Kapazitäten für einen direkten Atomangriff auf die USA. Doch befürchten Südkorea und die USA, Nordkorea könne auf andere Weise provozieren. Am Freitag hatten beide Verbündete einen Einsatzplan für den Fall jeder Art von Provokationen unterzeichnet. Zuletzt hatten die USA auch als Reaktion auf die Angriffsdrohungen aus Nordkorea angekündigt, ihre Raketenabwehr zu verstärken.

Appell an das Regime

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben sich seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar deutlich verschärft. Die UN verhängten Sanktionen. Nordkorea erklärte daraufhin den Waffenstillstandsvertrag von 1953 zur Beendigung des Korea-Kriegs für ungültig.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye rief das Nachbarland erneut auf, seinen "Kurs zu ändern und seine Atomwaffen aufzugeben. "Für Nordkorea liegt der einzige Weg zum Überleben darin, seine Provokationen und Drohungen zu unterlassen", sagte Park am dritten Jahrestag des Untergangs des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan im März 2010. Südkorea macht Nordkoreas Militär für den Untergang verantwortlich, bei dem 46 Matrosen ums Leben gekommen waren. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung.