Wenige Stunden nach der Verhängung neuer Sanktionen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) hat Nordkorea alle Abkommen mit Südkorea aufgekündigt. Die Nichtangriffsbestimmungen seien aufgehoben, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA das staatliche sogenannte Komitee zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas. Auch das Rote Telefon als ständige Verbindung nach Seoul werde mit sofortiger Wirkung gekappt.

Der wichtigste bilaterale Nichtangriffspakt zwischen Nord- und Südkorea wurde 1991 unterzeichnet. Er sieht die friedliche Regelung von Meinungsverschiedenheiten vor und soll versehentliche militärische Zusammenstöße an der innerkoreanischen Grenze vermeiden helfen. Das Rote Telefon als ständige Verbindung zwischen Pjöngjang und Seoul wurde 1971 eingerichtet. Nordkorea hatte schon häufig gedroht, die Verbindung zu kappen und das auch schon zweimal getan.

Aktueller Auslöser sind nun die verschärften Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat am Donnerstag gegen das Land verhängt hatte – drei Wochen nach dem jüngsten nordkoreanischen Atomwaffentest am 12. Februar. Noch vor der Sitzung des Gremiums hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang mit einem atomaren Erstschlag gegen die USA und jegliche anderen "Aggressoren" gedroht. Zudem hatte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums einen weiteren Korea-Krieg angesichts einer derzeit laufenden gemeinsamen Militärübung der Streitkräfte Südkoreas und der USA für "unvermeidlich" erklärt.

Das staatliche nordkoreanische Wiedervereinigungskomitee verurteilte die UN-Sanktionen als Beweis dafür, dass Washington und seine "Marionetten" in Seoul "wild entschlossen" zur Konfrontation seien. Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea hätten die "Gefahrenlinie" derart weit überschritten, dass sie nicht mehr zu kitten seien. Auf der koreanischen Halbinsel sei die Lage "extrem gefährlich", ein Atomkrieg "könnte jetzt ausbrechen".

Das Komitee warnte, das nordkoreanische Militär werde auf jegliche Grenzverletzung – und sei sie "nur um einen Zentimeter" – "gnadenlos" reagieren. Laut KCNA besuchte Staatschef Kim Jong Un am Donnerstag eine Militäreinheit an der innerkoreanischen Grenze, die 2010 in einen tödlichen Zwischenfall mit dem Süden verwickelt war. Dabei habe er die Bereitschaft des Landes zu einem "umfassenden Krieg" betont und verkündet, im Falle einer Provokation werde er Angriffe entlang der gesamten Grenze zum Süden anordnen, berichteten Staatsmedien.

Nord- und Südkorea befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen. Sowohl Süd- als auch Nordkorea planen für kommende Woche große Militärmanöver. Das Verteidigungsministerium in Seoul jedenfalls ließ verlauten: Das nordkoreanische Regime werde zugrunde gehen, sollte es Südkorea mit Atombomben angreifen.