KriegsverbrecherRebellenführer Ntaganda an Weltstrafgericht überstellt

Erstmals hat sich ein vom Internationalen Strafgerichtshof Gesuchter freiwillig gestellt. Jetzt sitzt der kongolesische Rebellenchef in Den Haag in einer Arrestzelle.

Der mutmaßliche kongolesische Kriegsverbrecher Bosco Ntaganda ist an den Internationalen Strafgerichtshofes (IStGh) in Den Haag überstellt worden. Der langgesuchte Rebellenführer sei im Haftzentrum des Gerichts angekommen, teilte der IStGh mit. Der 40-Jährige soll am Dienstag den Richtern vorgeführt werden.

IStGh-Chefanklägerin Fatou Bensouda sprach von einem guten Tag für die Opfer im Kongo und für die internationale Gerechtigkeit. Ntaganda, der sich selbst "der Terminator" nennt, werden Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs im Kongo vorgeworfen. Unter anderem wird er für den Einsatz von Kindersoldaten, Mord und sexuelle Versklavung junger Mädchen verantwortlich gemacht.

Ntaganda hatte sich am Montag in der US-Botschaft in der ruandischen Hauptstadt Kigali gestellt und um seine Auslieferung nach Den Haag gebeten. Der Weltsicherheitsrat und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßten die Überstellung Ntagandas.

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Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit

Man werte dies als positiven Schritt sowohl für die internationale Strafjustiz wie auch in Richtung der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit im Osten der Demokratischen Republik Kongo, hieß es in einer Mitteilung des obersten UN-Gremiums. Ban zeigte sich nach Angaben seines Sprechers überzeugt, dass die Überstellung Ntagandas den Kampf gegen die Straflosigkeit in der Region voranbringen wird.

Es ist das erste Mal, dass sich ein Verdächtiger freiwillig dem Internationalen Strafgerichtshof stellt. Beobachter glauben, dass es ein Verzweiflungsakt des Rebellenchefs war, nachdem seine Kämpfer zuletzt schwere Verluste erlitten hatten.

Erst vor Kurzem waren etwa 600 Mitglieder der von Ntaganda gegründeten Rebellenorganisation M23 angesichts interner Kämpfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo ins benachbarte Ruanda geflohen. Unter den geflohenen Rebellen befinde sich auch der kürzlich entmachtete M23-Präsident Jean-Marie Runiga, sagte die ruandische Außenministerin Louise Mushikiwabo. 

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

  2. "Es ist das erste Mal, dass sich ein Verdächtiger freiwillig dem Internationalen Strafgerichtshof stellt. Beobachter glauben, dass es ein Verzweiflungsakt des Rebellenchefs war, nachdem seine Kämpfer zuletzt schwere Verluste erlitten hatten."

    Ich fragte gerade eine Freundin von mir warum sich ein gesuchter Kriegsverbrecher freiwillig dem Strafgericht stellt. Sie antwortete: "Ich weiß nicht. Schlechtes Gewissen vielleicht?"

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben beneidenswerte Freundschaften!
    Ihre Freundin ist so unglaublich liebenswert naiv, dass ich beim lesen gerade echt ´ne Träne verdrücken musste.

  3. Sie haben beneidenswerte Freundschaften!
    Ihre Freundin ist so unglaublich liebenswert naiv, dass ich beim lesen gerade echt ´ne Träne verdrücken musste.

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    Antwort auf "Glaubensvielfalt"
    • Lefty
    • 23. März 2013 17:05 Uhr

    Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.

    Albert Einstein

    Dem ist nichts hinzufügen,denn so einer war der Kriegsverbrecher,und zwar beides.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Bürgerkrieg | Frieden | IStGH | Kriegsverbrechen | Weltsicherheitsrat | Außenminister
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