Obama bei Netanjahu : Jetzt sind die Israelis dran

Obama ist in Israel gelandet, sein erster Besuch als US-Präsident. Er will die Sympathien des Volkes gewinnen, die er mit seiner Kairoer Rede aufs Spiel gesetzt hatte.
US-Präsident Barack Obama (r.) und Israels Premier Benjamin Netanjahu am Mittwoch auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv © Nir Elias/Reuters

Der amerikanische Präsident war in Ägypten, der Türkei, in Europa und im Fernen Osten – nun landete die Air Force One endlich auch in Israel. Man traf sich bei sommerlichem Wetter und in einer wohlwollenden Atmosphäre, bei der Gemeinsamkeiten anstatt Differenzen betont wurden. Barack Obama, Israels Präsident Peres und Premier Netanjahu, alle drei in dunklen Anzügen und hellblauen Krawatten, sprachen von der historischen Freundschaft beider Länder, den gemeinsamen Gefahren und Hoffnungen, dem Streben nach Freiheit und Demokratie.

Der US-Präsident sprach auch ein paar hebräische Worte, klopfte auf viele Schultern und lernte gleich am Flughafen die Mitglieder des neuen israelischen Kabinetts kennen. Darunter nicht wenige ihm vertraute Gesichter. Dass die neue Regierung in Israel mit ihm politisch nicht gerade auf einer Wellenlänge liegt, spielte bei dem herzlichen Empfang keine Rolle. Bei den neuen Koalitionsmitgliedern Yair Lapid und Zipi Livni blieb Obama dann aber doch auffallend länger stehen, lächelte auch noch ein wenig mehr, und sagte, er freue sich auf die künftige Zusammenarbeit – beide treten für Verhandlungen mit den Palästinensern ein.

Obamas erste Station war dann auf dem Flughafen Ben Gurion die Besichtigung des Raketenabwehrsystems Iron Dome, das im jüngsten Gaza-Krieg die Raketen auf Tel Aviv so erfolgreich abgefangen hatte. Es wurde von den Amerikanern mitfinanziert und ist ein Beispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit beider Regierungen. Dennoch: Barack Obamas Besuch gilt weniger dem neuen Kabinett in Jerusalem als den Israelis. Deren Sympathien will er zurückgewinnen. Er hatte sie 2009 mit seiner Rede in Kairo verloren, auf die nie ein Pendant in Jerusalem gefolgt war. Doch besser spät als nie. Drei Tage wird er nun hier sein, sich dabei ausführlich mit Premier Netanjahu ebenso wie mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas unterhalten, bevor er nach Jordanien weiterfährt.

Die Erwartungen an den Besuch wurden heruntergeschraubt

Für die Wahrnehmung, Obamas Besuch sei mehr ein Akt der Wiedergutmachung als eine politische Initiative im Nahostkonflikt, haben seine Berater bereits ausreichend im Vorfeld gesorgt. Der Präsident komme vor allem, um zuzuhören, hieß es, um seine Beziehungen zum israelischen Volk zu verbessern, das ihm – zu Recht oder Unrecht – nicht traut. Er wolle das Gefühl vermitteln, dass er als verantwortlicher großer Bruder auf Israel aufpasse. Alle Erwartungen darüber hinaus aber wurden so sehr heruntergeschraubt, dass ein hiesiger Kommentator Obamas Kommen eher als Abschiedsbesuch denn als Neuanfang beschrieb.

Anders als sein demokratischer Vorgänger Bill Clinton gilt Obama in Israel nicht als großer Sympathieträger. Nach einer Umfrage glauben 51 Prozent der jüdischen Israelis, dass Obama neutral in seiner Haltung gegenüber Israel sei, nur 36 Prozent halten ihn für freundlich gesonnen und 11 Prozent gar für feindselig. 54 Prozent der Befragten vertrauen ihm nicht, Israels Interessen zu berücksichtigen und zu wahren. 62 Prozent (versus 37 Prozent) glauben nicht, dass Obama in der Lage sei, einen echten Durchbruch in den israelisch-palästinensischen Verhandlungen herbeiführen zu können.

Von Clinton soll Obama aber mittlerweile auch einige Lektionen gelernt haben, behauptet der amerikanische Journalist Jeffrey Goldberg. In einem Interview mit Haaretz sagte er, dass Obama jetzt begriffen habe, dass die Israelis "ein beschädigtes, einsames und neurotisches Volk sind, das genuinen Bedrohungen ausgesetzt ist", sie brauchten deshalb dringend Zuneigung. Aber es liege nicht in Obamas Natur, die Leute zu umarmen; er sei nicht Bill Clinton und umarme niemanden.

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Kommentare

152 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Beschädigt, einsam und neurotisch

Man kann sich natürlich lang und breit darüber lustig machen oder echauffieren, dass viele Israelis eine leicht paranoide Tendenz haben, hinter jedem Goy einen ihnen feindlich gesonnenen Antisemiten zu befürchten, der nix Besseres zu tun hat als grundlos alle Juden und Israel auslöschen zu wollen.

Aber das ist liegt zum Teil ja auch an den israelischen Medien und manchen politischen Meinungsführern etc., die dieses etwas verzerrte Bild bewusst oder unbewusst verbreiten.

Aber letztlich muss man wohl akzeptieren, dass es so ist, und dies bei der Suche nach sinnvollen Lösungen einfach berücksichtigen. Ob es in so einer Situation dann wirklich sinnvoll ist, den "Harten" zu spielen, ist imho fraglich. Um wirklich den Konflikt zu lösen, ist es vielleicht wirklich sinnvoller erst einmal die Ängste etc. der israelischen Bevölkerung ernst zu nehmen und zu beruhigen, statt immer auf internationales Recht etc. zu pochen und so noch ihr Angst zu bestärken, dass man ihnen böses will. Denn damit stärkt man letztlich evtl. nur die Extremisten.

"Genuine Bedrohungen"

"... mal raten was damit gemeint sei: vielleicht Krieg, Terrorismus, antizionistische und antisemitische Hetze und ähnliche Abscheulichkeiten?"
Mittlerweile vielleicht auch ein wenig "Selbsterhaltungstrieb"? So harmlos ist Israel nicht mehr. Es gab genügend Gelegenheiten, bei denen ein Frieden zwischen Israel und Palästina in greifbarer Nähe war. Und Israel unternahm etwas, wodurch sie die Palästinenser wieder vor den Kopf stießen. Israel will doch gar keinen Frieden. Mit Frieden würden die Milliarden aus USA und EU nicht mehr fließen. Und Israel hat nichts, womit sie aus eigener Kraft überleben könnten. Also schön weiter dafür sorgen, dass man gehasst wird, aller Welt vorheulen, wie sehr man doch bedroht wird und die Milliarden weiter kassieren.
Ein wirklicher Friedensprozess würde vielleicht in Gang gesetzt werden, wenn die Milliarden erst dann wieder fließen würden, wenn endlich Frieden herrscht (und nur so lange) und zweckgebunden dafür genutzt wird, um die Wirtschaft beider Länder in Gang zu bringen.