US-Präsident Barack Obama während seiner Rede in Jerusalem © Baz Ratner/Reuters

Barack Obama hatte es abgelehnt, im israelischen Parlament zu sprechen, er wollte sich direkt an das Volk wenden. Die Rede des US-Präsidenten galt als das Herzstück seines Besuchs, manche sahen darin ein Pendant zu seinem Auftritt 2009 in Kairo. Es wurde ein Vortrag voller Empathie, aber mit einer sehr klaren Botschaft: Ihr seid nicht allein, wir stehen zu euch, deshalb sollt ihr Risiken wagen, um die Zukunft eures Landes zu sichern. Und der einzige Weg dorthin führt über einen Palästinenserstaat.

Als Zuhörer hatte sich Obama wie schon in Kairo Studenten ausgesucht, die ihm nun auch in Jerusalem laut und oft applaudierten. Wobei der Vergleich zur Rede an der ägyptischen Universität deutlich hinkt: Sie war ein Paukenschlag gewesen, der eine jahrelange Entfremdung zwischen den USA und der arabischen Welt überwinden sollte. Obama wollte nach dem Abtritt seines dort so verhassten Vorgängers Bush ein neues Kapitel aufschlagen. Eine derart tiefgreifende Entfremdung gab es zwischen Amerikanern und Israelis nie, allen Meinungsverschiedenheiten zum Trotz.

Was Obama in Jerusalem vortrug, war vielmehr als einfühlsamer Weckruf konzipiert. Die jungen Israelis sollten Druck auf ihre neue Regierung ausüben, damit diese sich künftig aktiv um Frieden bemühe. Obamas Taktik hatte zwei Phasen: Erst umarmte er sein Publikum, dann forderte er es heraus.

Zur Umarmung gehörte Obamas Aufzählung und Anerkennung der Errungenschaften des kleinen Staates – als pulsierende Demokratie, mit einer freien Presse und äußerst lebhaften Debattenkultur, mit einer innovativen Spitzentechnologie, die ihm einen vorderen Platz unter den wichtigsten Industrieländern der Welt auf diesem Feld einräumt. Dabei korrigierte er auch einen Fehler, den ihm seit seiner Rede ihn Kairo viele Israelis nachgetragen hatten. Damals hatte er ihren Staat als ein Resultat des Holocaust charakterisiert und damit die zionistichen Pioniere beiseitegeschoben, die im Land ihrer Vorväter schon längst eine unabhängige Heimstätte für die Juden aufbauten.

Kein Zweifel, dass Israel Feinde hat

Wenige Tage vor dem jüdischen Pessach-Fest erinnerte Obama daran, dass der Wunsch der Juden, als freie Menschen im eigenen Land zu leben schon auf den Auszug aus Ägypten zurückgehe, was ja letztlich auch die Geschichte seiner Leute, der Afro-Amerikaner, geprägt habe. Mehr Umarmung geht kaum.

Obama ließ auch keinen Zweifel daran, dass die Israelis Feinde hätten, die sie "dafür hassen, was sie sind" und nicht dafür, was sie täten. Sie lebten in einem schwierigen Umfeld. Mit einem Seitenhieb auf die EU, die sich mit dieser Kategorisierung immer noch schwer tut, sagte er, die Hisbollah sollte "genannt werden, was sie ist – eine Terrororganisation".

Doch dann folgte die Herausforderung an die vielen jungen Zuhörer in Form einer Frage: Welche Art von Zukunft stellten sie sich für ihr Land, für ihre Nation vor?