KärntenÖsterreichs Rechtspopulisten verlieren ihr Stammland

Die Kärntner Wähler haben die bisher regierenden Erben des Rechtspopulisten Jörg Haider abgewählt. Stärkste Partei wurde die sozialdemokratische SPÖ.

Bei der Landtagswahl im österreichischen Kärnten haben die Nachfolger des Rechtspopulisten Jörg Haider eine schwere Niederlage erlitten. Nach dem vorläufigen Endergebnis verlor die bislang regierende Partei von Landeshauptmann Gerhard Dörfler, die FPK, um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Ergebnis bei der letzten Landtagswahl. Die FPK, eine Schwesterpartei der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), erzielte nur noch 17,1 Prozent der Stimmen, bei der Wahl 2009 waren es noch fast 45 Prozent. Kärnten galt seit Jahren als Stammland der Rechtspopulisten in Österreich.

Stärkste Partei wurde die sozialdemokratische SPÖ mit 37,1 Prozent. Damit wird der SPÖ-Spitzenkandidat Peter Kaiser wahrscheinlich neuer Landeshauptmann. "Ich bin glücklich, das Wahlziel ist in allen Belangen erreicht worden", sagte Kaiser in einer ersten Reaktion. Er beanspruche das Amt des Landeshauptmannes und werde mit allen Parteien Gespräche aufnehmen.

Eine Koalition mit der FPK schließe er aber wie im Wahlkampf weiterhin aus. Eine Dreier-Koalition mit der konservativen ÖVP und den Grünen habe wahrscheinlich einen hohen Nutzwert für das Land, sagte Kaiser. Erstmals seit 1999 konnte die SPÖ wieder Österreichs südlichstes Bundesland erobern. Die ÖVP fiel in Kärnten um 2,6 Punkte auf 14,2 Prozent. Die Grünen erhielten 11,8 Prozent, das ebenfalls auf Haider zurückgehende rechtspopulistische BZÖ 6,5 Prozent.

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Kärnten war jahrelang eine Hochbuch der Rechtspopulisten. Aus dem Bundesland kam auch ihr langjähriger Chef Haider. Seit 2009 wurde die FPK aber von mehreren Korruptionsskandalen erschüttert, zudem rutschte das Bundesland unter Dörfler tief in die Wirtschaftskrise.

ÖVP verteidigt Niederösterreich

Der Unternehmer Frank Stronach und seine Mitstreiter können ihren ersten Erfolg verbuchen: Der 80-jährige Polit-Neuling und Milliardär holte mit seinem euro-kritischen Team Stronach in Kärnten 11,3 Prozent. Da die ÖVP wie auch die Grünen in einer ersten Reaktion bereits ihre Bereitschaft zur Koalition mit der SPÖ bekundeten, werden die Neulinge wahrscheinlich in der Opposition bleiben.

In Niederösterreich siegte die konservative ÖVP. Nach Hochrechnungen konnte sie mit 50,8 Prozent der Stimmen ihre absolute Mehrheit verteidigen. Die SPÖ kam nach Verlusten auf 21,6 Prozent. Die Freiheitlichen verloren auch in Niederösterreich, allerdings nicht so erheblich wie in Kärnten. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge kamen die Rechtspopulisten auf 8,2 Prozent der Stimmen, das waren 2,3 Punkte weniger als 2009. Auch in Niederösterreich zieht Team Stronach ins Parlament ein. Die Euro-Gegner kamen auf 9,8 Prozent der Stimmen.

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Leserkommentare
  1. Die FPÖ gibt es in Kärnten eigentlich nicht. Der rechte Landesverband, der früher BZÖ hieß, wurde nach Jörg Haiders Tod von Heinz-Christian Strache, FPÖ-Bundesvorsitzender, wieder an die Partei herangezogen, nennt sich aber FPK, das K steht für Kärnten. Der abgewählte LH Dörfler und die Scheuch-Brüder repräsentieren diese Gruppierung, die im Korruptionssumpf versinkt. Ein paar übrig gebliebene Haider-Anhänger, deren Rechtspopulismus nicht ganz so ausgeprägt ist und die man als etwas liberaler ansehen darf, hat sich mit Josef Bucher als Anführer als BZÖ gehalten und bei der Wahl um die 6% der Stimmen bekommen.

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    Redaktion

    Liebe(r) Lauermann,

    wir haben ja auch korrekt FPK geschrieben (Bildunterschrift; im Zitat Kaisers: "Eine Koalition mit der FPK schließe er aber wie im Wahlkampf weiterhin aus"), oder auch kurz "die Freiheitlichen".

  2. In Kärnten hats die FPK verdient.....hoffentlich kein Bundestrend.

    Und Gratulation an Pröll....hätte ich nicht gedacht.

    • aoci62
    • 03. März 2013 19:52 Uhr

    der Haider kommt aus Oberösterreich!!.....nicht aus Kärnten..... dass er sich dort seinen Besitz "zusammengekaufte" ein kleines Detail... auch der gute Frank oder Frenk ist ja schon fest im Korruptionsgriff der Gier. Aber die Kärtner sind da ja recht nachsichtig....

    4 Leserempfehlungen
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    Haider hat den Besitz im Bärental vom Sohn eines Großonkels geerbt. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sam

  3. Redaktion

    Liebe(r) Lauermann,

    wir haben ja auch korrekt FPK geschrieben (Bildunterschrift; im Zitat Kaisers: "Eine Koalition mit der FPK schließe er aber wie im Wahlkampf weiterhin aus"), oder auch kurz "die Freiheitlichen".

    6 Leserempfehlungen
    • dusk
    • 03. März 2013 23:42 Uhr

    Wenn man Stronach, BZÖ und FPK(aka FPÖ) zusammen zählt haben sie immer noch zu viele Stimmen. Wie Stronach auf 10% kommt ist mir ein absolutes Rätsel. Der Typ ist ein Clown mit Argumenten gegen die selbst die FPÖ Populisten noch wie Intellektuelle wirken. Zieht aber aus dem Stand gleich auf mit den Grünen, die als einzige Partei wirklich versucht den Morast aus Freunderlwirtschaft und Korruption zu bekämpfen. Das Problem der Grünen ist wohl, dass ihr Wahlprogramm zu viele Wörter hat und vielen meiner Landsleute geht das gegen ihr Anti-Intellektuelles Credo.

    5 Leserempfehlungen
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    würde Steinbrück wahrscheinlich auch als Clowns bezeichnen können. Das diese Wähler natürlich entäuscht sind und eine Alternative wählen ist nicht überraschend. Ebenso das sie dann nicht unbedingt die Grünen wählen. In dieses Vakuum stößt Stronach mit seiner Liste. Ob die Sozialdemokraten das Chaos in Kärnten beseitigen können, wird sich zeigen. Höchstwahrscheinlich läuft es wieder auf eine große Koalition mit der ÖVP hinaus. Diese Koalition der zwei Volksparteien ist seit Jahrzehnten in ganz Österreich gängig und hat Korruption und Freunderlwirtschaft zur Folge gehabt. Haider hat immer gegen diese Zustände gewettert und war einer der Hauptgründe für seinen Aufstieg.

    mir nicht: das sind reine protestwähler.
    stronachs partei könnt' genausogut *kaffeehäferl* heißen.

  4. würde Steinbrück wahrscheinlich auch als Clowns bezeichnen können. Das diese Wähler natürlich entäuscht sind und eine Alternative wählen ist nicht überraschend. Ebenso das sie dann nicht unbedingt die Grünen wählen. In dieses Vakuum stößt Stronach mit seiner Liste. Ob die Sozialdemokraten das Chaos in Kärnten beseitigen können, wird sich zeigen. Höchstwahrscheinlich läuft es wieder auf eine große Koalition mit der ÖVP hinaus. Diese Koalition der zwei Volksparteien ist seit Jahrzehnten in ganz Österreich gängig und hat Korruption und Freunderlwirtschaft zur Folge gehabt. Haider hat immer gegen diese Zustände gewettert und war einer der Hauptgründe für seinen Aufstieg.

    2 Leserempfehlungen
    • siar1
    • 04. März 2013 0:59 Uhr

    Wahlgesetz in Österreich aus?

    Ich habe gerade im Standard gelesen, dass in Niederösterreich jemand der mehrere Häuser besitzt auch entsprechend viele Stimmen abgeben kann und Saisonarbeiter, die bei jemanden gemeldet sind, sich aus der Heimat per Briefwahl beteiligen können.

    Stimmt das?

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    und diese dürfen dann sowohl in NÖ als auch in wien wählen - was ich für gänzlich falsch halte.

  5. ... und haben sich aus der Geiselhaft eines Verstorbenen befreit.
    .
    Haiders Buberlpartie plus LH Gerhard Dörfler haben das Land, seinen Ruf und die Bürger nachhaltig geschädigt. Kärnten ist bis zu Halskrause verschuldet und es wird viele, viele Jahre dauern, dies Flurschäden zu bereinigen.
    .
    Der erste wichtige Schritt ist mit dem Umdenken (siehe Wahlergebnis) getan.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Jörg Haider | Grüne | Frank Stronach | ÖVP | FPÖ | SPÖ
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