Staatspleite : Wird Russland Zypern retten?

Geld, Gas und Einfluss: Russlands Interessen in Zypern sind vielfältig. Die Zyprer hoffen deshalb auf Rettung aus Moskau. Fragt sich, zu welchem Preis.
Ein russisches Werbeplakat für Immobilienprojekt in der zyprischen Küstenstadt Limassol © Yorgos Karahalis/Reuters

Kauft sich Russland eine Insel im Mittelmeer? Die Frage ist weniger überspitzt als sie klingt. Der Finanzminister des krisengeschüttelten Zypern ist am Dienstagabend nach Moskau wie an den Ort der letzten Hoffnung eingeflogen. Nachdem das zyprische Parlament den EU-Krisenplan samt der Zwangsabgabe auf Bankeinlagen abgelehnt hat, droht der Staatsbankrott. Russland, das 526 Milliarden Dollar Währungsreserven aufführt, könnte das verhindern.

Die Rettung Zyperns nach dem missglückten Rettungsversuch der Europäischen Union – es wäre ein finanzpolitischer Husarenritt und internationaler Imagegewinn nach russischem Geschmack. Es wäre auch eine Revanche der Regierung in Moskau, die sich vom Rettungsplan überrumpelt fühlte.

Noch ist offen, ob Russlands Regierung den Affront gegenüber der EU riskiert. Oder ob sie versucht, mit Zypern einen möglichst hohen Preis für seine Hilfe auszuhandeln und zugleich den Kompromiss mit der EU zu suchen? Bisher haben die Dauerverhandlungen in Moskau kein Ergebnis gebracht. Weder entsprachen die russischen Regierungsvertreter dem zyprischen Wunsch, die Laufzeit eines 2011 von Moskau gewährten Kredits über 2,5 Milliarden Euro zu verlängern und den Zinssatz von 4,5 Prozent zu verringern. Noch kamen die Gespräche über einen neuen Staatskredit in Höhe von fünf Milliarden Euro voran.

Dabei hat die russische Regierung kein Interesse an einem Bankencrash in Zypern. Selbst jene im Moskauer Polit-Establishment, die gerne triumphierend den Abgesang auf das vereinigte Europa anstimmen, fürchten die unwägbaren Folgen eines Totalbankrotts. Es ginge viel russisches Geld verloren. Geschätzt ruhen in Zyperns Banken zwischen 20 und 35 russischen Dollarmilliarden.

Russlands Oberschicht fürchtet um ihren Besitz

Genau weiß es keiner. Die Steueroase Zypern hat mit geringen Abgaben, laxen Registrierungsvorschriften für Holdings und garantierter Anonymität außer vielen bekannten Unternehmen auch manches Nachtschattengewächs der russischen Wirtschaft angelockt. Präsident Wladimir Putin muss also darauf achten, den Besitz der Oberschicht und von Oligarchen zu sichern, um deren Loyalität nicht zu verlieren. Gelänge es außerdem, der zyprischen Seite als Verhandlungstrophäe mehr Daten über die russischen Geldanleger für die Steuerbehörde zu entlocken, wäre das ganz im Sinne des Kremls.

Moskaus Interesse reicht aber weit über die Banken hinaus. Vor der zyprischen Küste liegen Gasvorkommen, die von Experten in Billionen Kubikmeter geschätzt werden. Allerdings laufen die Erkundungen und Probebohrungen noch. Gasfelder in solch günstiger Nähe zum europäischen Absatzmarkt sind für Gasprom und andere russische Förderunternehmen von strategischem Interesse. Die private Gasfirma Nowatek hat bereits im Oktober vergangenen Jahres den Zuschlag für eine Lizenz erhalten. Die folgenden Verhandlungen stellte Zypern allerdings im Dezember ein.

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Kommentare

106 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Ihre Frage lässt sich rasch beantworten

Im Allgemeinen pflegt Russland keine besondere Rücksichten auf Staaten zu nehmen, die einem wie auch immer gearteten Abhängigkeitsverhältnis stehen. Sehr schön lässt sich das beim Gaspreis beobachten. Moldawien oder die Ukraine zahlen die mithin höchsten Gaspreise der Welt. Das Gas wird exklusiv von Gazprom geliefert, kostet ca. achtmal soviel wie in Russland. Dies trifft gerade den kleinen Mann besonders hart, da es nur wenig Möglichkeiten gibt das Gas zu substituieren. Dem ärmsten Land Europas - Moldawien - hat Russland bereits gedroht den Preis weiter zu erhöhen, falls im Energiesektor des Landes der Wettbewerb Einzug halten sollte.

Russland ist ein zuverlaessiger Freund und Partner der EU

Deustchland braucht die Energiewende mehr denn je, wenne s sich nicht eines Tages in voelliger Abhaengigkeit von seinen Energielieferanten sehen moechte.

Das, was Ukraine und Moldawien heute sehen, koennte uns sonst morgen schon selber betreffen, und selbst wenn nur Zypern in einem Abhaengigkeitsverhaeltnis zu Russland stuende.

Ich sehe in Russland einen Freund und Partner der EU. Und diesen Status gilt es zu erhalten. Eine Abhaengigkeit einzelner EU Staaten von Russland, die dem Kreml indirekt Mitspracherecht bei Entscheidungen der EU gaebe, waere nicht hilfreich.

Lieber nicht in Aktien

"in Aktien investieren"....?

Ich denke das Sicherste ist, das Geld in Sachgegenstände zu investieren. Verprassen. In Urlaub fahren. So lange das Geld oder sonstige "Wertpapiere" noch was wert ist (und Gold als Handelsware ist kein Rohstoff, sondern auch an Währungen und Preis gebunden, nach einem Crash kann der Gold demnach umgerechnet 1 cent wert sein, was heute noch 1000 Euro wert ist).

Zypern und Luxemburg

Sieht so aus als ob sie den Atlas aufgemacht haben um das zu wissen.
Die beiden Laender kann man garnicht vergleichen.
Ein Luxemburg von Mr. Jean Claude Junker (seine funktion im EU ist bekannt)laesst seine Banken von Schweiz voll pumpen ohne gefragt werden zu muessen woher as geld kommt denn in diesem fall ist das Schweizer banken geheimnis immer noch in kraft!!!
Zypern dagegen hat im durchschnitt 2% zinsen und ist deshalb weder mit Schweiz noch mit Luxenburg zu vergleichen.
Es geht nun um das rusische geld was ganz gezielt auf Zypern angelegt wurde weil Zypern an geopolitischen und geostrategischen gruenden kein EU land ueberbieten kann.
Der Russe wird das Gas nach Deutschland abstellen wenn so weiter "gehandelt" wird.
Koennen sie sich vorstellen sie haben mit kredit ein Fischerbott gekauft und dann will der Staat an ihrem geld dran?
Sowas kann China,Nord Korea oder gar Russland machen aber in der EU des 21 jhunderts hat es nichts mit Demokratie nzu tun

LG Anthropoides

keine Angst und abwarten

Warum sollte Russland den "Gashahn" von Deutschland abstellen, nur weil Deutschland nicht bedingungslos Milliarden nach Zypern zahlt ? So wichtig ist Zypern für den Kremel sicher nicht.

Zudem Deutschland ein wichtiger Kunde für Gasprom ist. Keines der Weltuntergangsszenarien wird eintreten falls Zypern wirklich Pleite gehen sollte. Wenn die Bedingungen von der EU und dem IWF so inakzeptabel sind, kann Zypern gerne versuchen Geld von Russland, den USA oder anderen Geldgebern zu leihen. Obwohl ich persönlich nicht daran glaube, dass Russland für Zypern viel zahlen wird.

Gazprom bietet laut Yekaterina Trofimova den kredit mit gegenleistung Zypriotisches Gas und flaechen an kontinental sockel vor der Zypern kueste.
Die schlechte Russisch-Tuerkische beziehungen wegen den South-Stream und die aussicht das Russland an das Zypern-Israel abkommen teilnimmt macht den Kremel auf hochtouren zu laufen.
So lange die regierungen in Nord Afrika wechseln wie manch einer die unterhosen wird nie klarheit ueber Schelf,Festland-und Kontinental sockel zwischen den betroffenen Laendern geben und wenn es wirklich wahr ist das dort ein zweites Alaska gibt was Gas betrifft dann laesst es keinem kalt...nicht einmal Deutschland.

Na,...

Iim Momnent ist von mindestens 13 Mrd. € die Rede , die eine russ. Bank in Zypern liegen hat.

Dazu kommen sicher noch weitere Mio bis Mrd.€ von anderen russ. Anlegern oder auch nur Zahlungsabwicklern.

Sollten einige zypr. Banken "aus dem Markt gehen", dann sind nur nur ein paar Mrd. € für Russland weg, sondern auch ein komplettes Zahlungssystem.

Dieses wird man eher nicht 1:1 auf andere Ländern übertragen können.
Ob Russland sich in der "Karibik" ansiedeln will, dürfte eher unwahrscheinlich sein, da man dort "im Zweifelsfall" doch einfacher für die Kollegen aus Langley, London, Paris oder auch Pullach "greifbar" wäre.

Hier bewegt sich Russland doch in einem etwas komplizierteren Gelände.

Sie dürfen auf der einen Seite nicht zu viel Fordern, denn sonst könnte man Zypern von Seiten der Eu doch fallen lkassen und den Banken keine Lizenz für Europa geben auf der anderen Seiten muss man das o. g. System retten.

Interessanter Artikel übrigewns in der SZ:
http://www.sueddeutsche.d...