Homo-EheDer Supreme Court braucht Mut

Amerikas oberste Richter müssen über eine Frage entscheiden, die die Nation spaltet: Ist die Homo-Ehe ein Bürgerrecht oder nicht? Von Martin Klingst, Washington von 

Ein junger Schwulen-Aktivist vor dem Supreme Court in Washington

Ein junger Schwulen-Aktivist vor dem Supreme Court in Washington   |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Einige Amerikaner wollten unbedingt miterleben, wie Amerikas neun Oberste Richter bohrende Fragen zum Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen stellten. Tagelang hatten sie auf den Stufen des Supreme Court kampiert. Eingehüllt in dicke Decken trotzten sie Schnee und eisigem Wind, um einen Platz im Sitzungssaal zu ergattern. Für viele ist dieser Moment ein historischer, ebenso wichtig wie einst die Gewährung des Frauenwahlrechts oder der Bürgerrechte für Schwarze.

Es ist aber nicht klar, ob der Supreme Court eine grundsätzliche Entscheidung treffen wird oder sich aus Risikoscheu an prozeduralen Fragen festbeißt. Beides ist möglich. Ihr Urteil werden die Richter erst in einigen Monaten fällen. Auch der Supreme Court gilt als gespalten. 

Es ist ein besonderer Tag. Schon seit Jahrzehnten streiten Amerikaner auf der Straße, in den Parlamenten, in Wahlen und vor der Richterbank, ob Schwule und Lesben das Recht haben sollten, wie Heteros den Bund der Ehe einzugehen. Die Frage spaltet die Nation. Die einen argumentieren, wer Familien schützen wolle, müsse auch die Homo-Ehe erlauben. Schließlich würden immer mehr Schwule und Lesben einen Lebensbund eingehen und sogar immer häufiger Kinder adoptieren. Allein in Kalifornien leben etwa 40.000 Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern.

Die Mehrheit der Gleichstellungsgegner bröckelt

Die anderen behaupten, anders als die Ehe zwischen Mann und Frau seien homosexuelle Partnerschaften von Natur aus nicht auf Zuwachs ausgerichtet. Die Homo-Ehe zerstöre das tradierte Familienbild und untergrabe das Fundament der Gesellschaft. Richterin Elena Kagan sorgte für herzhaftes Lachen, als sie dieses Argument mit der Bemerkung quittierte: "Ich garantiere Ihnen, auch aus der Ehe zwischen zwei heterosexuellen 55-Jährigen gehen wohl kaum noch massenhaft Kinder hervor."

Die Frage spaltet zwar die Nation, aber die Gewichte haben sich verschoben. Vor zehn Jahren noch stimmten die Amerikaner in Scharen gegen Homo-Ehen und verankerten Verbote in ihren jeweiligen Bundesstaatsverfassungen. Eine Ehe, heißt es auch heute noch überwiegend, sei nur zwischen einem Mann und einer Frau statthaft.

Doch die Nein-Front bröckelt dramatisch. Eine Mehrheit der Amerikaner ist inzwischen dafür, dass homosexuelle Paare heiraten dürfen – und sich nicht nur mit einem Partnerschaftsvertrag begnügen müssen, selbst wenn dieser dieselben Rechte wie eine Ehe gewähren sollte.

Neun Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington DC erlauben inzwischen die Homo-Ehe, vier weitere werden wohl bald folgen. Es sind vor allem die bevölkerungsreichen Staaten mit großen Metropolen, die sich dafür entschieden haben.

Leserkommentare
  1. Weil dann Steuereinnahmen sinken und die Krankenkassenbeiträge steigen..... Dies ließe sich abfangen indem man dafür sorgt, dass die katholische Kirche ihre Mitgliedsbeiträge selbst eintreibt und die Kirchensteuer entfällt....in Deutschland zumindest....

    Antwort auf "Mut und Weitblick"
    • zfat99
    • 27. März 2013 8:49 Uhr

    ... ist die Homosexualität. Bald hat Amerika einen schwulen Präsidenten und eine lesbische Verteidigungsministerin.

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    • snoek
    • 27. März 2013 8:54 Uhr

    Wieso auch nicht?

    ...einen schwulen Präsidenten gegeben hat?
    In über 200 Jahren Geschichte halte ich das für nicht unmöglich....

    • Suryo
    • 27. März 2013 10:27 Uhr

    Und? Wie bewerten Sie das? Finden Sie das gut oder schlecht und weswegen?

    ... die die Homophobie der Hetero-Bevölkerung unterstützen. Warum überlegen Sie das nicht, bevor Sie solch einen Unsinn schreiben?

    • snoek
    • 27. März 2013 8:54 Uhr
    8. .....

    Wieso auch nicht?

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  • Schlagworte USA | Homoehe | Supreme Court | Verfassung | Richter
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