BürgerkriegTruppenstärke der syrischen Armee hat sich halbiert

Die Hälfte der syrischen Soldaten wurde im Bürgerkrieg getötet oder ist desertiert: Nach Expertenschätzungen kämpfen nur noch etwa 110.000 Soldaten für Präsident Assad.

Beschädigte Militärfahrzeuge der syrischen Armee

Beschädigte Militärfahrzeuge der syrischen Armee  |  © Thaer Abdallah/Reuters

Die syrische Armee ist nach zwei Jahren Bürgerkrieg auf die Hälfte ihrer Stärke geschrumpft. Die Truppenstärke liege inzwischen bei etwa 110.000 Mann, teilte das International Institute for Strategic Studies (IISS) mit. Die Bundeswehr verfügt über fast die doppelte Zahl an Soldaten.

Neben den Verlusten im Kampf gegen die Aufständischen seien viele syrische Armee-Angehörige desertiert oder zu den Rebellen übergelaufen. Im Grunde könne die Regierung in Damaskus sich nur der Loyalität von etwa 50.000 Soldaten sicher sein, bei denen es sich um Elite-Einheiten oder Alawiten handle. Zu der religiösen Minderheit in Syrien gehört auch Präsident Baschar al-Assad.

Anzeige

Am Freitag jährt sich der Aufstand gegen Assad zum zweiten Mal. Die Rebellen halten inzwischen viele ländliche Regionen, während sich die Regierungstruppen offenbar darauf konzentrieren, die großen Städte zu verteidigen. Seit Beginn des Bürgerkriegs sind 2,5 Millionen Vertriebene und rund eine Million Flüchtlinge auf Hilfe angewiesen.

Geld für Hilfe fehlt

In vielen Regionen des Landes gibt es nicht genug Lebensmittel, es fehlt vor allem an Grundnahrungsmitteln wie Brot. Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte mit, dass nicht mehr genug Geld vorhanden sei, die notleidende Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Bereits für diesen Monat würden die Mittel knapp werden.

Die WFP-Direktorin Ertharin Cousin sagte: "Wir sind dankbar für die großzügigen Spenden, die wir bisher von rund 30 Regierungen erhalten haben, aber wir brauchen dringend noch eine Steigerung der Spendensumme." Um seine Arbeit bis Juni fortzusetzen, benötigt das Hilfsprogramm der Vereinten Nationen nach eigenen Angaben 156 Millionen US-Dollar (120 Millionen Euro). Das WFP lieferte seit August 2011 mehr als 83.000 Tonnen Nahrungsmittel nach Syrien.

Frankreich will notfalls im Alleingang Waffen liefern

Um die Rebellen im Kampf gegen das Assad-Regime zu stärken, dringt Frankreich auf baldige Waffenlieferungen an die Aufständischen. Die französische Regierung könne nicht zulassen, dass "ein Regime, das derzeit keinen politischen Übergang will, ein Volk massakriert", sagte Präsident François Hollande. Zuvor hatte bereits Großbritannien angekündigt, notfalls auch im Alleingang Waffen an die Rebellen in Syrien liefern zu wollen. Für eine Aufhebung des Waffenembargos ist die Zustimmung aller EU-Staaten nötig.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, wenn wichtige EU-Partner Änderungen des Embargos wünschten, "sind wir selbstverständlich bereit, darüber umgehend in der EU zu diskutieren". Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ließ mitteilen, über eine Aufhebung des Waffenembargos könne umgehend beraten werden, wenn ein EU-Mitgliedstaat dies wünsche. Das syrische Regime bezeichnete Waffenlieferungen als "Verletzung des internationalen Rechts".

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ...es sterben jeden Tag Kinder und ganze Familien, die Zeit für Diskussionen ist abgelaufen, es ist Zeit zu handeln, um Syrien die Chance auf ein Leben ohne Diktatoren zu geben. Frankreich und Großbritannien haben es erkannt, und Deutschland sollte nicht wieder in der letzten Reihe oder ganz abseits stehen, wie in Libyen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hätten sie diese Standkraft, Deutschland vor mordenden Terroristen bis zum Schluss zu verteidigen? Auch wenn führende Wirtschaftsnationen und Steinreiche Öldiktaturen diese ständig befeuern?

    Ich persönlich traue Ihnen das nicht im Ansatz zu. Wünschenswert wären mir Deutsch Politiker die auch unser Land gegen äußre Aggressionen verteidigen. Jeder einzelne syrische Soldat hat alles Recht der Welt mit äußerster Härte gegen diese Terroristen zurückzuschlagen und sie bis zum letzten Mann zu stellen und zu vertreiben.

    Gegen salafistisch-wahabitische kopfabschneidenden und Kinder mordende Söldner hilft kein Zivildienst, sondern die reiner Verteidigungskrieg. Ich frrage mich wer in diesem Lande eigentlich zu so etwas noch in der lage wäre.

    geschlagen,sonst würden Sie nicht so einen hanbüchenen kriegstreibenden -Unsinn- fordern,oder werden Sie am Ende noch bezahlt dafür?
    Was glauben Sie,was nach Assad kommen wird,sehen Sie nicht was in Libyen und Ägypten läuft und noch laufen wird? Anscheinend zeigt die westl Propaganda schon volle Wirkung bei Ihnen,oder warum glauben Sie ernsthaft,daß wir einen zusammengewürfelten Haufen von Rebellen und Terroristen die genauso rücksichtslos gegen die syrische Bevölkerung vorgehen wie die Assad Schergen,unbedingt unterstützen müssen ?Übrigens die sogenannten -Freunde Syriens- denken bei ihrer Unterstützung zuallerletzt an Demokratie,die haben ganz andere Interessen,aber darüber wird dann später nicht mehr geredet,sondern weiter vernebelt und getäuscht.

  2. Darüber darf nicht einmal nachgedacht, geschweige denn diskutiert werden!!

    Jeder Einzelne, der Waffenlieferungen an Mörder und Terroristen fordert, fördert, unterstützt, faktisch durchführt und sich damit in die inneren Angelegenheiten anderer souveräner Staaten einmischt, gehört vor ein ordentliches Gericht und umgehend seiner gerechten Strafe zugeführt.

    Auch selbsternannte Städtebelagerer die danach trachten, ihr Herrschaftsgebiet auf frühere Zeiten auszudehnen, sollten die hiessigen Gesetze kennen, verinnerlichen und achten.

    Auf "Anstacheln und Herbeiführen eines Angriffskrieges" steht in Deutschland Freiheitsstrafe - und das zu Recht.

    Das dürfte Herrn Westerwelle ausreichend bekannt sein.

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...erzählen Sie keinen Unsinn mit Verlaub, und subsumieren Sie die einschlägigen Bestimmungen aus GG und StGB mal richtig, seit wann ist die Opposition ein Drittstaat, und wer hat behauptet, die Bundeswehr solle in Syrien einmarschieren, also bitte einen Gang zurückschalten.

  3. ...erzählen Sie keinen Unsinn mit Verlaub, und subsumieren Sie die einschlägigen Bestimmungen aus GG und StGB mal richtig, seit wann ist die Opposition ein Drittstaat, und wer hat behauptet, die Bundeswehr solle in Syrien einmarschieren, also bitte einen Gang zurückschalten.

    3 Leserempfehlungen
  4. Kräfteverhältnisse. Das Regime und seine Verbündeten ziehen eigene Milizstrukturen auf, neben der Hisbollah auch die Jaish al Shaab und andere.

    So, wie ein Assad-Gegner eine gewisse Auswahl hat, wem er sich anschließen mag, so können jetzt auch Leute, die weniger für Assad, als gegen diese, oder jene die Islamisten sind: auf eine gewisse Auswahl zurückgreifen.

    Vom Anders-Jihadisten, über den gewöhnlichen Kriminellen bis zum idealistisch motivierten "Antiimperialisten" ist schon für jeden was dabei. Man braucht überhaupt nicht "für" etwas zu sein, es reicht völlig aus, um "gegen" etwas zu sein, um sich gegenseitig umzubringen.

    Und Kräfte, "gegen" die man nun Vorbehalte haben könnte gibt es ja nun einige.

    Der "Krieg Aller gegen Alle" scheint wahr geworden zu sein:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Da es keiner dieser Kräfte zu mehr bringt, als andere zu töten, bzw. andere gegen sich zu eben solchem Tun aufzubringen, wäre es wohl am besten, sie würden sich getrennt zum Nord- und Südpol verziehen.

    Aber das werden sie wohl nicht tun.

    Denn es ist schließlich "Jihad" von beiden Seiten und für die die nicht dran glauben: gibt es sogar immer noch die Allgemeine Wehrpflicht.

    9 Leserempfehlungen
  5. können eine Aufhebung des EU-Waffenembargos zu Gunsten der Rebellen fordern.
    Wie wir alle wissen, sind gerade die radikalislamistischen Kräfte diejenigen die federführend im militärisch-terroristischen Bereich den Krieg gegen Assad, mit ALLEN zur Verfügung stehenden brutalen Mitteln führen.
    Das IISS dazu:
    "Syrien könnte "ein Schmelztiegel für eine neue Generation von transnationalen Dschihadisten in der gleichen Weise werden, wie im post-sowjetischen Afghanistan in den 1980er Jahren", sagte Nigel Inkster, ehemals Head of Operations bei britischen MI6 Geheimdienst und IISS Direktor des politischen Risikos.
    http://www.bloomberg.com/...

    AHA!

    Müsste man dann nicht eigentlich Assad helfen, dieses Gesindel auszuräuchern? Dazu muss man wissen, was das IISS ist:

    "Das Londoner IISS, eins der wichtigsten Think Tanks der NATO, macht sich Sorgen um die europäische Rüstungsindustrie. "
    http://www.ag-friedensfor...

    AHA!

    Damit dürfte sich sich der Kreis schliessen und man kann annehmen, dass die Profiteure dieses und andere Konflikte, nicht eher Ruhe geben, bis der Rubel bzw. Dollar wieder richtig rollt.

    Fazit: Können wir diese Kriegstreiberei überhaupt weiter stumm dulden? Können wir weiter ertragen, dass sich über unseren Köpfen hinweg, derartige Verbrechen beschlossen und durchgeführt werden?

    17 Leserempfehlungen
  6. zunächst ist es albern davon zu sprechen, "ländliche Gebiete zu halten". Demnach hätte die NATO nie mehr als 1% Afghanistans "gehalten" in zehn jahren Krieg. Also Bitte. zweitens sind die angführten Zahlen alle übertrieben.
    Vor drei Wochen waren es noch bis zu 60.000 kriegsopfer, diese Woche sseit letzter Woche sind es 70.000 und unterstellte die FAZ Ashton gesagt zu haben es seien 100.000 Opfer. 40.000 Opfer pro Woche haben nichtmal die USA im Irakkrieg erreicht, geschweige denn diese FSA-Bande.
    Dann waren bisher alle Vorraussagen und Schätzung auf Zeit Online ziemlich daneben. es war ja von beginn an nur eine Sache von Wochen. So wie Vietnam, wie Afghanistan, wie Irak, richtig und in Mali sind wir ab April wieder weg, richtig.

    [...]
    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au

    8 Leserempfehlungen
  7. JA GEIL! Anscheinend handelt es sich entweder um (zitat):" Elite-Einheiten ODER um Alawiten" die dem Präsidenten Assad loyal sind! Schön wie hier versucht wird klarzustellen, dass mehr als 2 Millionen Alawiten und vielleicht genausoviele Christen diesen "Krieg" auch ganz ein bisschen (ganz abgesehen vom Regime selbst, der Konflikt hat sich nämlich schon in einen leidenschaftlichen Glaubenskrieg entwickelt) Angst um ihr Leben nach Assad HÄTTEN! Auf der anderen Seite scheint der Zeit einfach viel zu anstrengend zu sein, diese schillernde Opposition näher zu beschreiben! Warum auch? Da würde man ja irgendwann zum Schluss kommen, dass Jabhat al Nusrah (ganz offiziell Al Kaida offshoot) vom veehrten Vorsitzenden der SNC, Herrn Moaz al Khatib nicht ein einziges Mal ermahnt/verurteilt wurde! Und das, obwohl sie einen beträchtlichen Teil der "Opposition" ausmachen und ihr Ziel die Errichtung eines Kalifats ist! Will die ZEIT denn weiter behaupten, dass die sunnitische Mehrheit in Syrien Jabhat al Nusrah (Salafisten, die in der BRD streng überwacht werden) unterstützt? [....] Sind Waffenlieferungen an "Rebellen" von F und GB mithilfe der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars der richtige Ausweg aus der Krise? Und nicht zuletzt "QUI BONO"?

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au.

    7 Leserempfehlungen
  8. hätten sie diese Standkraft, Deutschland vor mordenden Terroristen bis zum Schluss zu verteidigen? Auch wenn führende Wirtschaftsnationen und Steinreiche Öldiktaturen diese ständig befeuern?

    Ich persönlich traue Ihnen das nicht im Ansatz zu. Wünschenswert wären mir Deutsch Politiker die auch unser Land gegen äußre Aggressionen verteidigen. Jeder einzelne syrische Soldat hat alles Recht der Welt mit äußerster Härte gegen diese Terroristen zurückzuschlagen und sie bis zum letzten Mann zu stellen und zu vertreiben.

    Gegen salafistisch-wahabitische kopfabschneidenden und Kinder mordende Söldner hilft kein Zivildienst, sondern die reiner Verteidigungskrieg. Ich frrage mich wer in diesem Lande eigentlich zu so etwas noch in der lage wäre.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie Sie mir aus der Seele sprechen! Westerwelle kann mit noch so bedeutungsschwerer Mimik daherquatschen, er ist und bleibt ein "guter Schüler". Er hat weder den Mut noch das Zeug dazu klare politische Positionen zu beziehen! Merkel schickt ihn vor und hält sich geschickt aus US-Europäischen Interventionsgelüsten heraus! Während GB und Frankreich versuchen sich in ihrer "Menschenrechtigkeit" zu übertreffen und ihre Proxy-Kriege mit allen "humanitären Mitteln" führen, handelt sie mit Russland! Auch wenn ich die Frau nicht sonderlih mag: clever ist das!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte FDP | Guido Westerwelle | Europäische Union | Vereinte Nationen | Brot | Bundeswehr
Service