Großbritannien hält eine materielle Unterstützung der syrischen Rebellen schon lange für den besten Weg, um den Bürgerkrieg zu beenden. Im Februar setzten die Briten bereits eine Änderung des EU-Waffenembargos durch, um "nicht tödliche" Ausrüstung liefern zu können, also etwa gepanzerte Fahrzeuge, Schutzwesten oder Kommunikationsgeräte. Nun droht Premierminister David Cameron den europäischen Partnern gar damit, Syriens Rebellen notfalls im Alleingang mit Waffen zu beliefern.

Sein Vorstoß zielt also vor allem auf das Auslaufen des Embargos in drei Monaten. Spätestens dann müssen sich die Europäer erneut entscheiden, wie sie zur Frage der Waffenlieferungen stellen. Schon jetzt stehen die Briten nicht allein da: Auch Frankreich unterstützt eine Aufhebung des Embargos.

Ein solcher Eingriff in den syrischen Bürgerkrieg ist derzeit noch eine bloß theoretische Option, die sich Großbritannien offenhalten will. Doch schon aus Camerons vager Andeutung, es könne einen Zeitpunkt geben, an dem "weitere Veränderungen" an der europäischen Position erforderlich werden könnten, spricht eher die Frustration als eine überzeugende Strategie. Das ist verständlich angesichts eines Krieges, der in zwei Jahren mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet hat, ohne dass die Welt etwas dagegen getan hat.

Was kommt nach Assad?

Doch die Hoffnung, Waffenlieferungen an die Rebellen könnten die Lösung sein, täuscht über die Realität des Konflikts hinweg. Selbst dann, wenn es gelänge, gezielt nur jene zu unterstützen, die von außen als legitime Opposition gegen das Assad-Regime erscheinen, ist die Gefahr groß, dass die Waffen in falsche Hände geraten. Sind sie einmal im Land, verschwinden sie nicht mehr – und allzu leicht wechseln sie ihre Besitzer. Im schlimmsten Fall würden so Gruppen, die Al-Kaida nahestehen, wie die militante Al-Nusra-Front, unterstützt. Und schon grundsätzlich sind diejenigen, die gemeinhin als Rebellen zusammengefasst werden, derart zersplittert, dass es schwer möglich ist, ihre Absichten auseinanderzuhalten.

Das Ziel darf auch nicht sein, nur den Sturz des Diktators Baschar al-Assad zu beschleunigen. Der Konflikt wäre danach nicht einfach beendet. Waffenlieferungen allein trügen noch nichts dazu bei, ein Nachkriegs-Syrien zu stabilisieren. Im Gegenteil könnte sich der dann folgende Kampf um die Macht im Land als ähnlich schrecklich erweisen wie die jetzige Situation.