KriegsverbrechenHohe Haftstrafen für Karadžić-Vertraute

Der serbische Exminister Stanišić und sein Polizeichef müssen für je 22 Jahre ins Gefängnis. Beide wurden für schwere Verbrechen während des Bosnien-Krieges verurteilt.

Das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag hat den früheren Innenminister der bosnischen Serben, Mićo Stanišić, zu 22 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Auch ein früherer Untergebener von Stanišić, Stojan Župljanin, muss für 22 Jahre ins Gefängnis. Beide Männer seien schuldig des Massenmordes, der Folter, Vertreibung und Verfolgung von Kroaten und Muslimen während des Bosnien-Krieges, urteilten die Richter.

Stanišić und Župljanin waren Vertraute des ehemaligen Serbenführers Radovan Karadžić, dem in Den Haag ebenfalls der Prozess gemacht wird. Sie hätten einen "entscheidenden Beitrag" zu den Verbrechen serbischer Sicherheitskräfte geleistet, sagte der Vorsitzende Richter Burton Hall. "Sie haben sie dazu ermutigt und unterstützt." Deshalb verhängte das Tribunal die verhältnismäßig hohen Haftstrafen.

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Die Vorwürfe der Anklage bezogen sich vor allem auf 50 Lager der Serben, die sie etwa in Omarska, Keraterm und Trnopolje betrieben. Dort wurden Tausende nicht-serbische Männer, Frauen und Kinder Opfer beispielloser Grausamkeit. So wurden Männer massenweise exekutiert, Frauen systematisch vergewaltigt.

"Systematische Kampagne von Terror und Gewalt"

Die Angeklagten gehörten dem UN-Gericht zufolge einer "kriminellen Vereinigung" um Exserbenführer Karadžić an. Diese verfolgte eine "weit verbreitete und systematische Kampagne von Terror und Gewalt", sagte Richter Hall. Zehntausende wurden vertrieben und verfolgt. "Das Ziel war die Errichtung eines serbischen Staates, so ethnisch rein wie möglich."

Stanišić hatte sich 2005 dem Tribunal gestellt. Sein Polizeichef Župljanin war drei Jahre später festgenommen und von Serbien ausgeliefert worden. Seit Beginn ihres Prozesses 2009 hatten beide ihre Unschuld beteuert.

Das UN-Tribunal hat bisher 69 Personen für schwere Kriegsverbrechen meist zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, 18 wurden freigesprochen. Zurzeit laufen noch 25 Verfahren, darunter gegen Karadžić und den Exgeneral Ratko Mladić. Der Prozess gegen den ehemaligen serbisch-jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milošević wurde nicht beendet. Er starb 2006 in seiner Zelle in Den Haag.

Während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 wurden rund 100.000 Menschen getötet, 2,2 Millionen weitere flohen oder wurden vertrieben.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Verzichten Sie bitte auf diffamierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
  2. Für mich die beste Meldung des Tages und vermutlich eine der besten des Jahres.

  3. Auf den ersten Blick scheint es so,allerdings muss doch die Frage erlaubt sein,warum nur diese beiden Zeitgenossen wg.Kriegsverbrechen verurteilt werden.Ist die Welt gerecht ,wenn sie Zeitgenossen wie Bush, Cheney, Rumsfeld ,Blair ,Rise und viele andere die den Irakkrieg unter falschen Vorwand angefangen haben ,einfach so laufen lässt ? Wie scheinheilig ist es ,wenn kleinere Staaten gezwungen werden -ihre Kriegsverbrecher- nach DenHaag zu schicken,während Leute wie z.B. Blair heute noch offiz.als Europäer unangetastet durch die Welt jettet und die Anderen ihre Memorien schreiben ?

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kein Wunder, wenn es heißt, der Rechtsextremismus sei "hoffähig". Wer mit solcher Kaltblütigkeit und Skrupellosigkeit durchs Leben läuft und dies tatsächlich noch als "Fortschritt" verkaufen will, aus demjenigen kann ja nur pure Menschenverachtung gebären ...

    Nur, weil einem der "Westen" irgendwie nicht "passt", verhöhnt man Opfer, die Leid durchgemacht haben, die sich Leute wie Sie nicht nur annähernd vorstellen können ...

    Brave New World

    Weil nur Verlierer verurteilt werden. Mir ist kein einziger fall bekannt, bei dem ein Sieger wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden ist. Alle Angeklagten Nichtserben sind unter fadenscheinigsten Bedingungen freigesprochen worden.

    Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Serben und mich würde es kein bisschen wundern, wenn sich Serbien in Zukunft von der EU entfernt.

  4. Kein Wunder, wenn es heißt, der Rechtsextremismus sei "hoffähig". Wer mit solcher Kaltblütigkeit und Skrupellosigkeit durchs Leben läuft und dies tatsächlich noch als "Fortschritt" verkaufen will, aus demjenigen kann ja nur pure Menschenverachtung gebären ...

    Nur, weil einem der "Westen" irgendwie nicht "passt", verhöhnt man Opfer, die Leid durchgemacht haben, die sich Leute wie Sie nicht nur annähernd vorstellen können ...

    Brave New World

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    Bush, Cheney, Rumsfeld, Blair und Rice sind Opfer, die Leid durchgemacht haben, das sich hier keiner auch nur annähernd vorstellen kann?

    Mir ist bekannt, daß Bush jr. mal Alkoholprobleme hatte und Rice hatte es als Frau und Schwarze sicher auch nicht leicht, mir ist auch bekannt, daß es Leute gibt, die es als schweres Leid empfinden, wenn sie letzte Woche mal keinen Parkplatz gefunden haben.

    Sie möchten das aber bei Tageslicht und wiedererwachtem Verstand hoffentlich nicht mehr mit dem Leid während und in Folge des Irakkriegs vergleichen, eine Rechtfertigung für den Rechtsextremismus in Deutschland aus Kritik an der Ungleichbehandlung von Kriegsverbrechern ableiten und eine Nutzerin auf unangemessene Weise angreifen?

    Gut.

  5. 5. Bitte?

    Bush, Cheney, Rumsfeld, Blair und Rice sind Opfer, die Leid durchgemacht haben, das sich hier keiner auch nur annähernd vorstellen kann?

    Mir ist bekannt, daß Bush jr. mal Alkoholprobleme hatte und Rice hatte es als Frau und Schwarze sicher auch nicht leicht, mir ist auch bekannt, daß es Leute gibt, die es als schweres Leid empfinden, wenn sie letzte Woche mal keinen Parkplatz gefunden haben.

    Sie möchten das aber bei Tageslicht und wiedererwachtem Verstand hoffentlich nicht mehr mit dem Leid während und in Folge des Irakkriegs vergleichen, eine Rechtfertigung für den Rechtsextremismus in Deutschland aus Kritik an der Ungleichbehandlung von Kriegsverbrechern ableiten und eine Nutzerin auf unangemessene Weise angreifen?

    Gut.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "niederste Instinkte"
    • Luker
    • 28. März 2013 9:39 Uhr

    Dieses Tribunal hat schon lange jegliche Glaubwürdigkeit verloren,nachdem es wieder sehr einseitige Urteile gefällt hat. Siehe Urteile der Nachbarn in Kroatien oder im Kosovo die teilweise freigesprochen nun an der Spitze des Stattes stehen.Vllt haben die Herren genauso viel Glück wie Herr Gotovina und werden in nächster Instanz freigesprochen.
    "Tribunal",...

    2 Leserempfehlungen
  6. Weil nur Verlierer verurteilt werden. Mir ist kein einziger fall bekannt, bei dem ein Sieger wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden ist. Alle Angeklagten Nichtserben sind unter fadenscheinigsten Bedingungen freigesprochen worden.

    Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Serben und mich würde es kein bisschen wundern, wenn sich Serbien in Zukunft von der EU entfernt.

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  7. Dieses "Tribunal" ist doch ein Witz. Die kroatischen und kosovo-albanischen Kriegsverbrecher wurden freigelassen, die Serben müssen jetzt für Alle bezahlen. Eine Schande ist das.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Kriegsverbrechen | Folter | Gewalt | Innenminister | Prozess | Richter
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