Patriot-EinsatzTürkei wehrt sich gegen Bundeswehr-Vorwürfe

Verdreckte Toiletten, Rangeleien im Außeneinsatz – Bundeswehrsoldaten klagen über schlechte Einsatzbedingungen in der Türkei. Der Generalstab in Ankara widerspricht.

Bundeswehrsoldat an einer Patriot-Rakete im türkischen Kahramanmaras

Bundeswehrsoldat an einer Patriot-Rakete im türkischen Kahramanmaras

Die Führung der türkischen Armee weist die Beschwerden deutscher Soldaten über schlechte Behandlung, Unterbringung und mangelhafte hygienische Bedingungen in den Kasernen nahezu vollständig zurück. Die Vorwürfe entsprächen nicht der Wahrheit, teilte der türkische Generalstab in einer Erklärung mit.     

Anlass war ein Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP). Der hatte über Spannungen zwischen deutschen und türkischen Soldaten im Stationierungsort Kahramanmaras geklagt. Zudem monierte er die hygienischen Zustände in der Unterkunft der Deutschen in der örtlichen Kaserne. 

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Die Kontaktaufnahme mit den türkischen Soldaten sei problematisch, die Verpflegung einförmig, die Post brauche zu lange und Hundekadaver auf dem Gelände würden zu einem zusätzlichen Hygienerisiko. Zudem habe die türkische Seite gefordert, in der Kaserne die deutsche Flagge und die deutschen Ortsschilder von Standorten der Heimatverbände zu entfernen.

Der Kommandeur des deutschen Kontingents für den Patriot-Einsatz in der Türkei, Marcus Ellermann, bestätigte Königshaus' Schilderung. "Wir stellen fest, dass die türkische Seite die eine oder andere Berührungsangst hat", sagte Ellermann dem Radiosender MDR Info. Die sanitären Anlagen seien in der Tat alt, verdreckt und würden nur unregelmäßig gereinigt.

Man müsse jedoch berücksichtigen, dass der Einsatz auch für die Türkei recht kurzfristig erfolgte, räumte er ein. "Die türkische Seite tut aber alles, um die Bedingungen kurzfristig zu verbessern." Die Bundeswehrsoldaten wünschten sich ihrerseits sehr, sich mit den türkischen Soldaten austauschen zu können.

Uneinigkeit über Zuständigkeiten

In seiner Reaktion vertrat der türkische Generalstab die Auffassung, für die Reinigung der Toiletten seien die Deutschen selbst zuständig. Die Bundeswehr habe inzwischen mithilfe der türkischen Armee eine zivile Reinigungsfirma beauftragt, hieß es.

Auch die Klage über eine "wenig hilfreiche" Einstellung der Gastgeber in der Kaserne in Kahramanmaras wies der Generalstab zurück. In ihrer Erklärung ging die Militärführung auf weitere der genannten Kritikpunkte ein:

  • Für die Gäste habe man Unterkünfte renoviert und Container-Unterkünfte bereitgestellt. Obwohl sie fertig seien, nutzte sie die Bundeswehr bis zum Wochenende immer noch nicht.
  • Auch könne von einer Kontaktsperre zwischen deutschen und türkischen Soldaten keine Rede sein, hieß es. Viele Bereiche der Kaserne nutzten beide Seiten gemeinsam.
  • Zudem habe die türkische Seite zehn Soldaten mit Fremdsprachenkenntnissen eigens für den Kontakt zu den Deutschen abgestellt.
  • Zu einer angeblichen Rangelei zwischen dem türkischen General und deutschen Feldjägern hieß es, die Berichte über einen körperlichen Übergriff entbehrten jeder Grundlage. Der General habe die deutschen Soldaten wegen der Sperrung eines Zufahrtsweges bei Ministerbesuchen Ende Februar lediglich gewarnt. 

Hintergrund ist ein Vorfall während des Besuchs des deutschen Verteidigungsministers Thomas de Maizière. Wie es der Generalstab schildert, hat bei einem Treffen am 28. Februar die deutsche Seite selbst eingeräumt, dass es  Missverständnisse bei der Erteilung des Befehls an die Feldjäger gab. Die Bundeswehrtruppe entschuldigte sich demnach später bei der türkischen Seite.

So wie Königshaus den Vorfall schildert, hatte eine deutsche Feldjägerin das Fahrzeug eines türkischen Generals gestoppt, um die Durchfahrt der Ministerkolonne zu ermöglichen. Der General sei daraufhin ausgestiegen und habe mehrere deutsche Soldaten beiseite geschubst, darunter die Feldjägerin. Sie habe anschließend über Prellungen geklagt.

An einem Punkt bestätigte der Generalstab Restriktionen: Deutsche Fahnen und Ortsschilder in dem Kasernengelände zu zeigen, sei verboten. Nur vor der Einsatzzentrale habe man eine deutsche Fahne zusammen mit den Flaggen der Türkei und der Nato genehmigt, stellte der Generalstab klar.  

 
Leser-Kommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich. Die Redaktion/ls

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    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

  2. doch recht vorletzte Woche. Soldaten die ein Sterne Hotel verlangen, so ein Quatsch, ein Zelt muss da reichen-was wäre denn im Ernstfall, laufen dann die Bundeswehrsoldaten weg? Vor der Berufswahl einmal darüber nachdenken was da alles in der Zukunft für Aufgaben zu erledigen sein könnten, wer das nicht beherscht taugt auch nichts zur Verteidigung.
    Diese jetzt wieder Türken/Deutsche Diskussion haben wir weniger gebraucht als alle einen Kropf.

    10 Leser-Empfehlungen
  3. ...unsere "Jungs und Mädels" machen da unten einen hervorragenden Job. Auch an der Gastfreundschaft der türkischen Seite dürfte kein Zweifel bestehen, schließlich sind viele Millionen Touristen in den letzten Jahren dort gewesen, und haben es erfahren.
    Viel wichtiger als dies Aklimatisierungsschwierigkeiten sind die psychologischen Wirkungen auf die Truppe, die eine sinnvolle Aufgabe erhält, und auf mögliche Gegener, die da wären Syrien und der Iran, wenn deren Militärs über die Strenge schlagen sollten.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Den Bundeswehreinsatz im Rhmen eines Natoeinsatzes mit All inclusive Urlaub zu vergleichen ist mutig.

    Aber:
    Bevor noch die Türkei nach Hilfe rief, war unserer Herr Westerwelle ganz heiss drauf , unsere Jungs darunter zu schicken. Ich hatte von anfang an das Gefühl, daß wir uns aufgedrängt haben und daß man mit Kanonen auf Spatzen schiessen will.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Danke, die Redaktion/sam

    Den Bundeswehreinsatz im Rhmen eines Natoeinsatzes mit All inclusive Urlaub zu vergleichen ist mutig.

    Aber:
    Bevor noch die Türkei nach Hilfe rief, war unserer Herr Westerwelle ganz heiss drauf , unsere Jungs darunter zu schicken. Ich hatte von anfang an das Gefühl, daß wir uns aufgedrängt haben und daß man mit Kanonen auf Spatzen schiessen will.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Danke, die Redaktion/sam

  4. ... glaube ich da der deutschen Seite mehr als der türkischen. Was mir als Zivilist vollkommen seltsam erscheint, nicht unmöglich aber sehr unwahrscheinlich, ist die Nummer mit den sanitären Einrichtungen. Schließlich bekommt man "Gäste" und da will man "uns" erzählen dass das türkische Militär nicht in der Lage war einen Zug mit ner ordentlichen Wasserspritze durch zu gehen lassen und gut ist?

    Mir erscheint es so als wollte hier jemand Ärger mit dem Natopartner herbeiführen denn an solche Zufälle wie, verdreckte Toiletten, schlechtes Essen, schlechtes benehmen glaube ich bei so einem Prestigeeinsatz nicht. Allerdings besteht auch die Möglichkeit das es der türkischen Seite recht egal war und ist, wie sie rüber kommt, nach dem Motto was für unsere Soldaten gut genug ist muss auch für die deutschen reichen! Das würde sich dann auch in der Aktion des Generals wiederspiegeln, der keine Autorität von Feldjägern kennt, schon gar nicht von ausländischen.

    Wir sollten einfach unsere Jungs und Mädels heim holen, wenn sie auf soviel Liebe und Zuneigung in der Türkei treffen, vor allem wenn man nur zum helfen da ist und auf Anfrage der türkischen Regierung.

    26 Leser-Empfehlungen
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    • bayert
    • 04.03.2013 um 15:42 Uhr

    möglicherweise wollen die Militärs die von der Regierung eingeladenen Truppen nicht.

    • fse69
    • 04.03.2013 um 15:56 Uhr

    "...... glaube ich da der deutschen Seite mehr als der türkischen. Was mir als Zivilist vollkommen seltsam erscheint, nicht unmöglich aber sehr unwahrscheinlich, ist die Nummer mit den sanitären Einrichtungen...."

    ... aber wenn Sie genau lesen, werden Sie feststellen, dass es hier kaum um unterschiedliche Versionen geht sondern um unterschiedliche Bewertungen. Und da scheint die Haltung des türkischen Generalstabes doch weitaus eher im Einklang mit militärischen Gepflogenheiten zu stehen, als die merkwürdigen Erwartungen der Damen und Herren von der Bundeswehr. Besonders bemerkenswert erscheint mir, dass man auf deutscher Seite offenkundig die Erwartungshaltung hegte, dass die Türken für die Reinigung der deutschen Toiletten zuständig seien. Und nachdem dieses Missverständnis ausgeräumt wurde, hat man nicht etwa angefangen, die sanitären Anlagen selber zu reinigen, sondern hat sich eine private Reinigungsfirma vermitteln lassen. Darüber kann man ja wohl nur den Kopf schütteln.

    Und ob der General nun tatsächlich handgreiflich wurde oder nicht (vorstellbar wäre das durchaus): eine deutsche Feldjägerin hat sich in einer türkischen Kaserne nicht als Verkehrspolizistin zu gerieren. Sie hat dort keinerlei Befugnisse, so weit nicht unmittelbar Bundeswehrsoldaten von militärpolizeilichen Problemen betroffen sind. Und schon gar nicht hat sie da irgendwelche türkischen Soldaten - gar Generäle - zu instruieren.

    "Allerdings besteht auch die Möglichkeit das es der türkischen Seite recht egal war und ist, wie sie rüber kommt, nach dem Motto was für unsere Soldaten gut genug ist muss auch für die deutschen reichen!"

    Richtig! Ich frage mich sowieso, wie die türkischen Offiziere eigentlich ihre eigenen untergebenen Soldaten behandeln und wie türkische Kasernen so aussehen.

    Und dann muss ich auch an einen US-Soldaten denken, mit dem ich auf einem Open-Air-Festival ins Gespräch kam und der erzählte, wie er mal in einen deutschen Stützpunkt kam, ich glaube es war der Kosovo.
    Während er im Zelt schlief hatten die Bundeswehrsoldaten beheizte Wohncontainer und fließendes warmes Wasser. Auch konnte er sich ein herablassendes Grinsen nicht verkneifen, als er von bierbäuchigen Soldaten berichtete, die in der Sonne rumsaßen.

    ... die Bundeswehr aussehen lässt. Soldaten die sich schikanieren lassen; zu welcher Armee gehören die wohl wiedermal ?? Souverän und mit Würde begegnet man diesen Problemen - ob künstlich hochgeputscht oder nicht - anders. Nämlich intern. Wir Deutschen schaffen es immer wieder - einem infantilen Reflex gleichend - uns der Welt als die Prügelknaben zu präsentieren, ob die Anschuldigungen stimmen oder nicht.

    Aber aber! Wir lesen doch gerade, daß da garnichts war. Die Prellungen hat die Feldjägerin sich selbst zugefügt, als sie spielerisch gegen die Wand gesprungen ist.

    • bayert
    • 04.03.2013 um 15:42 Uhr

    möglicherweise wollen die Militärs die von der Regierung eingeladenen Truppen nicht.

    • fse69
    • 04.03.2013 um 15:56 Uhr

    "...... glaube ich da der deutschen Seite mehr als der türkischen. Was mir als Zivilist vollkommen seltsam erscheint, nicht unmöglich aber sehr unwahrscheinlich, ist die Nummer mit den sanitären Einrichtungen...."

    ... aber wenn Sie genau lesen, werden Sie feststellen, dass es hier kaum um unterschiedliche Versionen geht sondern um unterschiedliche Bewertungen. Und da scheint die Haltung des türkischen Generalstabes doch weitaus eher im Einklang mit militärischen Gepflogenheiten zu stehen, als die merkwürdigen Erwartungen der Damen und Herren von der Bundeswehr. Besonders bemerkenswert erscheint mir, dass man auf deutscher Seite offenkundig die Erwartungshaltung hegte, dass die Türken für die Reinigung der deutschen Toiletten zuständig seien. Und nachdem dieses Missverständnis ausgeräumt wurde, hat man nicht etwa angefangen, die sanitären Anlagen selber zu reinigen, sondern hat sich eine private Reinigungsfirma vermitteln lassen. Darüber kann man ja wohl nur den Kopf schütteln.

    Und ob der General nun tatsächlich handgreiflich wurde oder nicht (vorstellbar wäre das durchaus): eine deutsche Feldjägerin hat sich in einer türkischen Kaserne nicht als Verkehrspolizistin zu gerieren. Sie hat dort keinerlei Befugnisse, so weit nicht unmittelbar Bundeswehrsoldaten von militärpolizeilichen Problemen betroffen sind. Und schon gar nicht hat sie da irgendwelche türkischen Soldaten - gar Generäle - zu instruieren.

    "Allerdings besteht auch die Möglichkeit das es der türkischen Seite recht egal war und ist, wie sie rüber kommt, nach dem Motto was für unsere Soldaten gut genug ist muss auch für die deutschen reichen!"

    Richtig! Ich frage mich sowieso, wie die türkischen Offiziere eigentlich ihre eigenen untergebenen Soldaten behandeln und wie türkische Kasernen so aussehen.

    Und dann muss ich auch an einen US-Soldaten denken, mit dem ich auf einem Open-Air-Festival ins Gespräch kam und der erzählte, wie er mal in einen deutschen Stützpunkt kam, ich glaube es war der Kosovo.
    Während er im Zelt schlief hatten die Bundeswehrsoldaten beheizte Wohncontainer und fließendes warmes Wasser. Auch konnte er sich ein herablassendes Grinsen nicht verkneifen, als er von bierbäuchigen Soldaten berichtete, die in der Sonne rumsaßen.

    ... die Bundeswehr aussehen lässt. Soldaten die sich schikanieren lassen; zu welcher Armee gehören die wohl wiedermal ?? Souverän und mit Würde begegnet man diesen Problemen - ob künstlich hochgeputscht oder nicht - anders. Nämlich intern. Wir Deutschen schaffen es immer wieder - einem infantilen Reflex gleichend - uns der Welt als die Prügelknaben zu präsentieren, ob die Anschuldigungen stimmen oder nicht.

    Aber aber! Wir lesen doch gerade, daß da garnichts war. Die Prellungen hat die Feldjägerin sich selbst zugefügt, als sie spielerisch gegen die Wand gesprungen ist.

  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leser-Empfehlung
  6. 6. [...]

    Entfernt, da unsachlich und unterstellend. Die Redaktion/ls

    Eine Leser-Empfehlung
    • n14
    • 04.03.2013 um 15:17 Uhr

    "Zudem habe die türkische Seite gefordert, in der Kaserne die deutsche Flagge und die deutschen Ortsschilder von Standorten der Heimatverbände zu entfernen."

    Dann ziehen wir eben unsere Truppen eben ganz einfach wieder von dort ab. Es ist ohnehin höchst zweifelhaft, was die dort überhaupt sollen.

    16 Leser-Empfehlungen
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    mit den NL- und den US-Jungs scheint es keine Probs zu geben.

    mit den NL- und den US-Jungs scheint es keine Probs zu geben.

  7. mit den NL- und den US-Jungs scheint es keine Probs zu geben.

    5 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Kein Problem."
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    unsere höllandischen Vettern sind ja auch auf der Incrilik Base stationiert, dass ist de facto eine US-Basis.

    Da haben die Türken nichts zu melden.

    unsere höllandischen Vettern sind ja auch auf der Incrilik Base stationiert, dass ist de facto eine US-Basis.

    Da haben die Türken nichts zu melden.

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