VerfassungsreformReding will EU-Hilfen für Ungarn kürzen

Die Verfassungsänderungen durch Ungarns Regierungspartei sorgen die EU. Justizkommissarin Reding will den Beschluss überprüfen – und droht mit Kürzung von EU-Hilfen.

EU-Kommissarin Viviane Reding (Archiv)

EU-Kommissarin Viviane Reding (Archiv)

EU-Justizkommissarin Viviane Reding droht Ungarn wegen seiner umstrittenen Verfassungsreform mit der Einstellung europäischer Hilfen. "Die Kommission ist Hüterin der Verträge und als solche sieht sie nicht tatenlos zu, wenn die Grundsätze dieser Verträge mit den Füßen getreten werden", sagte sie. "Mit dem Grundgesetz spielt man nicht. Man kann nicht alle sechs Monate hingehen und das Grundgesetz ändern."

Am Montag hatte die rechtskonservative Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán im Budapester Parlament Änderungen an der Verfassung durchgesetzt. Sie betreffen vor allem das Verfassungsgericht, das nun in bestimmten Fällen nur noch über Verfahrensfragen, nicht mehr aber über Inhalte entscheiden darf. Darüber hinaus ist den höchsten ungarischen Richtern verboten, sich auf eigene Urteile aus der Zeit vor Inkrafttreten der derzeitigen Verfassung im Januar 2012 zu berufen.

Anzeige

Kritiker im In- und Ausland werfen Orbán vor, mit der Verfassungsänderung die Machtbasis der Fidesz in öffentlichen Einrichtungen dauerhaft festigen zu wollen. Die EU-Kommission fürchtet, dass durch die neue Verfassung unter anderem die Pressefreiheit, die Unabhängigkeit der Zentralbank, des Justizwesens und anderer staatlicher Institutionen eingeschränkt werden.

Nun kündigte Reding eine nähere Überprüfung durch die Brüsseler Behörde an. Am Ende könnte dabei Artikel 7 des EU-Vertrages zur Geltung kommen. Demnach können die Rechte eines EU-Mitgliedsstaats eingeschränkt werden, wenn die Werte des Staatenbündnisses verletzt werden. Konkret heißt das: eventuelle Kürzungen von Geldzahlungen an Ungarn oder Einschränkungen von Stimmrechten.

Ungarns Premier wies die Vorwürfe zurück. Es gebe keinen Beleg dafür, dass die Beschlüsse die Demokratie untergraben würden, sagte Orbán am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Die Verfassungsänderungen verstießen nicht gegen "europäische Werte".

 
Leser-Kommentare
  1. Mich würden mal die "Grundsätze dieser Verträge" interessieren.

    Ein relativ fundierter Artikel über die Verfassungsänderungen in Ungarn ohne Schaum vor dem Mund ist hier

    http://hungarianvoice.wor...

    zu finden.

    Es wäre schön, wenn die deutschen Medien auch mal solche Quellen hinzuziehen würden, anstatt nur voneinander abszuschreiben.

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dieses gegenseitge Abschreiben ist mittlerweile so auffällig ... und dann wundern die sich, als Mainstreammedien bezeichnet zu werden. Danke für ihren verlinkten Beitrag.

    dieses gegenseitge Abschreiben ist mittlerweile so auffällig ... und dann wundern die sich, als Mainstreammedien bezeichnet zu werden. Danke für ihren verlinkten Beitrag.

  2. dieses gegenseitge Abschreiben ist mittlerweile so auffällig ... und dann wundern die sich, als Mainstreammedien bezeichnet zu werden. Danke für ihren verlinkten Beitrag.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Was heute an Hilfen gespart wird wird später bei der Rettung wieder reigebuttert.

    Wann hat innerhalb der EU schon mal irgendwas wirklich Konsequenzen gehabt?

    Solange Geld da ist geht die Party weiter.

    Eine Leser-Empfehlung
    • romo
    • 15.03.2013 um 19:37 Uhr
    4. Ungarn

    Es wird allerhöchste zeit, dass die Eu reagiert und ihre mitglieder, wenn es nicht anders geht, auch mit druck, daran erinnert, was sie unterschrieben haben

    Eine Leser-Empfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service