USA"Für Republikaner sind Waffen Ikonen"

Die Republikaner tun alles, um strengere Waffengesetze zu verhindern. Steve Kozachik, Stadtrat aus Tucson, rechnet öffentlich mit seiner Expartei ab. von 

Waffenrückkauf-Aktion der Polizei von Los Angeles

Waffenrückkauf-Aktion der Polizei von Los Angeles (Archiv)  |  © Joe Klamar/AFP/Getty Images

Tucson liegt mitten im Wilden Westen: Zwischen Indianerreservaten, nahe der Cowboystadt Tombstone und der mexikanischen Grenze. Hier besitzt jeder Mann mindestens eine Pistole, die Waffenlobby NRA ist stark, und der zweite Verfassungszusatz wird eisern verteidigt, wie überall im US-Bundestaat Arizona.

Es war in Tucson, wo ein wohl geisteskranker Student auf die Abgeordnete Gabby Giffords schoss; wo sechs Menschen starben, darunter ein Kind. Damit begann hier eine Debatte über Waffengesetze, die nach dem Massaker an einer Grundschule in Newtown neuen Auftrieb erhielt und die noch lange nicht vorbei ist.

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Nun haben sich auch die Gesetzgeber in Washington engagiert, wenngleich bislang ohne Ergebnis. Am Dienstag sprach sich das Repräsentantenhaus erst einmal dagegen aus, assault weapons, also Sturmgewehre, zu verbieten, auf Betreiben der Republikaner. Der assault weapons ban ist Teil eines umfassenden Gesetzes. Abgestimmt wurde allerdings noch nicht.

In Arizona ist Steve Kozachik, Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister von Tucson, einer von denen, die aus der ganzen Debatte Konsequenzen gezogen haben: Er verließ die Republikaner und trat den Demokraten bei. Kozachik ist ein bodenständiger Mann, verheiratet, eine Tochter, er besitzt selbst eine Pistole und sieht sich als "Zentrist".

Aber bei dem, was die Republikaner durchsetzen, nicht nur in Washington, auch in Tucson, ist ihm der Kragen geplatzt. "Mit denen kann man nicht rational diskutieren, die sind völlig verrückt. Die haben mich als Hitler und Nazi beschimpft." Der Streit um Waffen gab für seinen Parteiaustritt nur den letzten Ausschlag: Kozachik findet auch die republikanischen Position zu Frauenrechten und Einwanderung "peinlich und beleidigend".

"Waffen, um sich gegen die Regierung zu schützen"

Auch an seinem Wohnort Tucson hatte Bürgermeister Kozachik sich für Reformen zum Umgang mit Waffen eingesetzt: Er wollte ein Gesetz verabschieden, wonach Bürger melden müssen, wenn ihnen bei einem Einbruch Waffen gestohlen wurden. Das wurde auf Betreiben der örtlichen Republikaner gekippt. "Wenn jemand in mein Haus einbrechen würde, würde ich durchaus wollen, dass die Polizei Bescheid weiß, dass da ein Krimineller mit meinem Gewehr herumläuft", sagt Kozachik. Aber für die Republikaner sei dies der erste Schritt zur Registrierung von Waffen gewesen – und die führe am Ende zur Konfiszierung, fürchten sie. "Manche von denen glauben, die Leute brauchen Waffen, um sich gegen die Regierung zu schützen."

Die Republikaner sabotierten auch einen von der Stadt Tucson organisierten Rückkauf von Waffen, den Spenden von Bürgern ermöglicht hatten. "Da kamen Großmütter, die das Gewehr ihres verstorbenen Mannes in der Garage gefunden hatten, auch ein Mann, dessen Bruder sich erschossen hatte und der die Erinnerung loswerden wollte", sagt Kozachik. Die Waffen wurden gegen 50-Dollar-Gutscheine für Supermärkte getauscht, um vernichtet zu werden.

"Daraufhin hat die NRA gleichzeitig einen Flohmarkt veranstaltet, und zwar gleich neben der Polizeistelle, wo der Rückkauf stattfand, unter dem Motto 'Cash für Gewehre', um uns zu überbieten", sagt Kozachik. Solche Waffen können dann sofort an der nächsten Straßenecke weiterverkauft werden, ohne einen sogenannten background check des Käufers. Wohingegen ein Rückkauf, um die Waffen zu vernichten, mittlerweile verboten sei. "Die Republikaner haben durchgesetzt, dass wir eingetauschte Waffen an Händler geben müssen, die sie dann wieder verkaufen", sagt Kozachik. "Für Republikaner sind Waffen Ikonen."

Leserkommentare
  1. die Leserschaft so stark belehren zu müssen, dass Waffen der Ursprung allen übels sind? Man könnte fast meinen, hier in Deutschland gäbe es wichtigere Themen. Oder hat das was mit Kontiguität nach Pawlow zu tun?

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    diesen erst einmal grundsätzlich informativen Artikel so massiv belehrend wegen vermeintlicher Parteilichkeit zu kritisieren? Man könnte fast meinen, hier auf ZeitOnline gäbe es keine wichtigeren Themen, die der Korrektur bedürften. Oder hat das was mit Kontiguität nach Pawlow zu tun?

  2. diesen erst einmal grundsätzlich informativen Artikel so massiv belehrend wegen vermeintlicher Parteilichkeit zu kritisieren? Man könnte fast meinen, hier auf ZeitOnline gäbe es keine wichtigeren Themen, die der Korrektur bedürften. Oder hat das was mit Kontiguität nach Pawlow zu tun?

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    Antwort auf "Wozu der Anlass"
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    als absoluter Neuling der sich gerade in das Thema einliest muss ich sagen das der Artikel auf mich sehr durchwachsen wirkt.
    Information sicherlich, aber auch allerlei fragwürdige Darlegungen die ich als Leser mit etwas Hintergrundinfo durchaus als tendeziös wahrnehmen muss.

    Es wird auch nicht erähnt dass das schonmal dagewesene Verbot völlig nutzlos war oderdas es eben nicht garnicht um militärische Gewehre geht, sondern um einen zivilen Abklatsch. Der rechtlich und technisch eben zu der Gruppe Halbautomat zählt und damit vergleichsweise normal zu sein scheint. Jdenfalls können damit wohl praktisch nicht mehr Schüsse abgegeben werden als mit allerlei anderer Waffen über die sich niemand aufregt?

    Formulierungen wie "Magazine für 100te von Patronen" halte ich für demagogisch, weil es diese nicht gibt! Gefunden habe ich maximal für 100 Schuss und davon wird wegen Funktionsmängeln abgeraten. Mir wurde schon gesagt das 30 -50 die Grenze des Praktikablen seien.

    Positiv sehe ich den Hinweis auf die Einbruchsmeldung, geht sowas nicht auch an die Versicherung?

    Und die Entsorgung dürfte so problematisch nicht sein, Säge und Hammer erscheinen mir völlig ausreichend.

    Peter

    man sieht, dass die Waffenlobbyisten auch in Deutschland sehr aktiv sind:-) Kaum ist ein kritischer Artikel erschienen, nölt nach etwa nach 0,3 Sekunden irgend ein Kaufschreiberling daran herum.

    Bei allem Befremden über die USA finde ich sowieso, dass die Zustände in Deutschland ähnlich sind. Nach jedem Amoklauf herrscht großes Entsetzen, aber die Waffenlobby schafft es jedes Mal, Gesetzesänderungen abzuwenden.

    Offenbar ist auch unter deutsche Politikern die Furcht ausgeprägt, es sich mit den Waffennarren zu verderben.

  3. "auch der Verkauf von Magazinen mit Hunderten von Patronen wird nun wohl legal bleiben." Jaja, die braucht man selbstverständlich, um sich und seine Familie zu schützen bzw. einen Einbrecher abzuwehren.
    Um sich gegen den Staat zu schützen, bräuchte man allerdings weit mehr als nur "Hundert Patronen". Vielleicht sollte die NRA mit ihren Republikanern daher gleich das Recht jedes Einzelnen auf eine Panzerfaust fordern.

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    auf dem Tisch: eine Schnellfeuerwaffe mit Schalldaempfer - wozu braucht man sowas?

    • Plupps
    • 20. März 2013 20:23 Uhr

    mal wieder in dieser Frage. Wäre nicht ein wenig Demut angebracht, nachdem man in gefühlt 100 Artikeln beschworen hat, wie der US-Präsident mit den Sturmgewehren aufräumen wird?

    Ich fände einen Kommentar angemessen, der euren Lesern erklärt, wieso ihr das Gegenteil von dem prognostiziert habt, was dann eingetreten ist. Wie kann man so daneben liegen?

    Im Übrigen verstehe ich diese Obsession mir den US-Waffengesetzen nicht.
    Da kan man berichten, auch eine Meinung haben, aber eigentlich ist das doch ein zweitrangiges Problem.

    Guckt doch mal selbst, wieviel ihr dazu schreibt, dass die USA Mexico mit illegalen Waffen fluten. Und das sind durchaus echte Sturmgewehre und es ist sicher das größere Problem.

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  4. als absoluter Neuling der sich gerade in das Thema einliest muss ich sagen das der Artikel auf mich sehr durchwachsen wirkt.
    Information sicherlich, aber auch allerlei fragwürdige Darlegungen die ich als Leser mit etwas Hintergrundinfo durchaus als tendeziös wahrnehmen muss.

    Es wird auch nicht erähnt dass das schonmal dagewesene Verbot völlig nutzlos war oderdas es eben nicht garnicht um militärische Gewehre geht, sondern um einen zivilen Abklatsch. Der rechtlich und technisch eben zu der Gruppe Halbautomat zählt und damit vergleichsweise normal zu sein scheint. Jdenfalls können damit wohl praktisch nicht mehr Schüsse abgegeben werden als mit allerlei anderer Waffen über die sich niemand aufregt?

    Formulierungen wie "Magazine für 100te von Patronen" halte ich für demagogisch, weil es diese nicht gibt! Gefunden habe ich maximal für 100 Schuss und davon wird wegen Funktionsmängeln abgeraten. Mir wurde schon gesagt das 30 -50 die Grenze des Praktikablen seien.

    Positiv sehe ich den Hinweis auf die Einbruchsmeldung, geht sowas nicht auch an die Versicherung?

    Und die Entsorgung dürfte so problematisch nicht sein, Säge und Hammer erscheinen mir völlig ausreichend.

    Peter

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    Antwort auf "Ja, wozu der Bedarf,"
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    "Es wird auch nicht erähnt dass das schonmal dagewesene Verbot völlig nutzlos war oderdas es eben nicht garnicht um militärische Gewehre geht, sondern um einen zivilen Abklatsch. Der rechtlich und technisch eben zu der Gruppe Halbautomat zählt und damit vergleichsweise normal zu sein scheint. Jdenfalls können damit wohl praktisch nicht mehr Schüsse abgegeben werden als mit allerlei anderer Waffen über die sich niemand aufregt?"

    Machen Sie mal bitte eben mit ihrem Zeigefinger Abzugbewegungen, so schnell wie Sie können!
    Das ist die Geschwindigkeit mit der Sie mit einem Halbautomaten ein Magazin leeren können. Das geht bei 30 Schuß innerhalb von 10 bis 15sek. So viel Feuerkraft in so kurzer Zeit haben sie mit keinem normalen Jagdgewehr und mit keinem Repetierer oder ähnlichem.
    Die Gewehre um die es geht sind mitnichten ein "Abklatsch" sondern exakt die gleichen Gewehre wie sie auch vom Militär verwendet werden, außer das ihnen die Vollautomatikfunktion fehlt, d.h. es reicht eben nicht den Abzug durchgedrückt zu halten um mehrere Schüße hintereinander abzugeben(s.o.), Ansonsten gibt es aber keinen Unterschied.

  5. Denn spätestens mit 3D-Druckern wird sich jeder Waffennarr seine Waffe selbst ausdrucken können. Die Pläne dafür findet man im Internet. Bleibt nur zu Hoffen, dass das Material nicht so robust ist um eine Kugel abfeuern zu können.

    Eine Leserempfehlung
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    darüber hab ich in Wired auch einiges gelesen. Wohl nur eine Frage der Zeit bis genügend feste Werkstoffe zu Verfügung stehen.

    Aus Hochleistungskeramiken solle s schon komplette Läufe für die Patronen .22 LR und 7,65 Br. geben, ob dieses als "Drucksache" gefertigt werden weuß ich aber noch nicht.

    Aber auf dem US-Buchmarkt habe ich auch jede Menge Baupläne und Anleitungen gefunden in denen ausführlich erläutert zu werden scheint, wie sich alles von der Pistole bis zur MP aus Metall bauen läßt.

    Soweit man da hineinschauen kann, wirkt das alles für Metallbauer recht einfach. Da stellt sich mir sowieso die Frage was man da noch verschärfen will? Das träfe maximal die handwerklich Unbegabten!

    Peter

  6. darüber hab ich in Wired auch einiges gelesen. Wohl nur eine Frage der Zeit bis genügend feste Werkstoffe zu Verfügung stehen.

    Aus Hochleistungskeramiken solle s schon komplette Läufe für die Patronen .22 LR und 7,65 Br. geben, ob dieses als "Drucksache" gefertigt werden weuß ich aber noch nicht.

    Aber auf dem US-Buchmarkt habe ich auch jede Menge Baupläne und Anleitungen gefunden in denen ausführlich erläutert zu werden scheint, wie sich alles von der Pistole bis zur MP aus Metall bauen läßt.

    Soweit man da hineinschauen kann, wirkt das alles für Metallbauer recht einfach. Da stellt sich mir sowieso die Frage was man da noch verschärfen will? Das träfe maximal die handwerklich Unbegabten!

    Peter

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es ist sowieso egal."
  7. haben schon viele bereut, die dann ihre eigenen Waffen plötzlich unter die Nase gehalten bekommen haben.

    Aber was soll´s. Manche haben eben lieber eine Knarre zuhause als ein vernünftiges Sozialsystem, das ein tausend mal besserer Schutz ist. Hoffe die lernen es auch noch irgendwann mal.

    8 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik und bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    veranstalten die ach so sozial benachteiligten Massaker in Schulen? Wäre ein Konsumtempel da nicht empfehlenswerter?

    system geschaffen haben, das alle Bürger überzeugt, keine Waffe zu benötigen.
    Zur Zeit arbeitet man in den Schulen und in der Politik am Gegenteil, nicht gewollt aber durch Dummheit und Ignoranz.

    Ich stimme zu, Waffen zur selbstverteidigung sind vollkommen sinnlos und werden immer auf den Verteidiger gerichtet. Diese verdammten Ninjas sind halt einfach zu schnell um sie normal erschiessen zu können.
    Und klar, ein Sozialsystem ist der beste Schutz davor ermordet zu werden, fragen sie Daniel S. aus Kirchweyhe, der kanns bestätigen.

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  • Schlagworte USA | Michael Moore | Apache | Repräsentantenhaus | Schule | Yoko Ono
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